Pompeo Mariani
Pompeo Mariani (* 9. September 1857 in Monza; † 25. Januar 1927 in Bordighera) war ein italienischer Maler. Als Vertreter des Impressionismus lag ein großer Schwerpunkt seiner Werke auf Landschaftsmalerei, insbesondere Meeresdarstellungen. Er fertigte auch zahlreiche Porträts an und stellte sowohl einfache Bauern und Fischer wie auch das mondäne Leben der Schönen und Reichen dar.
Werdegang
Pompeo wurde als Sohn von Martino Mariani, Direktor einer Handelsschule, und dessen Frau Giulia Bianchi geboren. Seine Mutter entstammte einer Malerfamilie, ihr Vater Giosuè (1805–1875) und ihre Brüder Gerardo (1845–1922) und Mosè Bianchi hatten diesen Beruf ergriffen. Der Genre- und Landschaftsmaler Emilio Borsa war Pompeos Cousin. Pompeo strebte zunächst eine bürgerliche Karriere an. Nachdem er das Gymnasium abgeschlossen hatte, vermittelte sein Vater ihm eine Lehre bei der Mailänder Bank Cavagliani e Oneto.[1][2]
In Mailand führte ihn sein Freund Aldo Noseda in künstlerische Kreise ein. Pompeo Mariani wurde Stammgast im Café Cova, im Teatro Dal Verme und in der Scala. Er begann Karikaturen bekannter Persönlichkeiten zu zeichnen, vor allem von Musikern und Opernsängern. Als eine Karikatur bekannt wurde, die er vom Direktor seiner Bank angefertigt hatte, verlor er seine Anstellung. Er war gezwungen, nach Monza zurückzukehren, ging im gleichen Jahr aber zurück nach Mailand, um beim Maler Eleuterio Pagliano Unterricht zu nehmen. Zunächst setzte er seine Familie nicht in Kenntnis über seine malerischen Ambitionen. Als sein Onkel Mosè Bianchi von Pompeos Talent erfuhr, überzeugte er dessen Eltern, ihm eine künstlerische Ausbildung zu ermöglichen. Bei Pagliano lernte Mariani die künstlerischen Techniken von Öl über Aquarell und Tempera bis hin zur Radierung. Mosè Bianchi gab ihm Malstunden im Park von Monza und der Umgebung der Stadt.[1]
Marianis erste Werke als Maler waren vor allem ländliche Darstellungen und Porträts. Im Jahr 1878 reiste er zusammen mit Uberto Dell'Orto, einem anderen Schüler Paglianos, zum Schweizer Gotthardpass. Zwei Jahre später reiste er mit Dell'Orto und Sallustio Fornara nach Ägypten. Von dort kehrte Mariani im April 1881 mit zahlreichen Skizzen vom arabischen Alltagsleben und von Plätzen Kairos zurück. Stilistisch zunächst eng an seinem Onkel Mosè Bianchi orientiert, entwickelte Mariani einen eigenen Stil unter Verwendung stärker leuchtender Farben und mit breitem Pinselstrich.[1]
Die aus seiner Ägypten-Reise hervorgegangenen Werke stellte er 1881 und 1882 an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand aus. Die Ausstellungen bedeuteten seinen künstlerischen Durchbruch und brachten ihm hervorragende Verkaufserfolge ein. 1883 stellte er in Rom und auf der internationalen Ausstellung von Nizza aus. Bei letzterer wurde er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. In Genua malte er im folgenden Jahr zahlreiche Ansichten des Hafens zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten. Ein Schwerpunkt von Marianis Werken wurden Meeresdarstellungen, die Einflüsse der niederländischen Malerei zeigen. Für das maritime Bild Il saluto al sol morente erhielt er den Principe-Umberto-Preis der Mailänder Accademia di Belle Arti, die ihn im Jahr 1885 zu ihrem Ehrenmitglied ernannte.[1]
Seine orientalistischen Darstellungen aus Ägypten und Meeresdarstellungen aus Ligurien zeigte er 1885 und 1886 auf internationalen Ausstellungen in Paris, London und Liverpool. Auf der Dritten Internationalen Kunstausstellung von München 1888 gewann Mariani eine Goldmedaille für das Gemälde Tramonto nel porto di Genova. Im Jahr darauf stellte er auf der Pariser Weltausstellung aus. Seine Werke verschickte Mariani bis nach New York und Chicago, wo mehrere seiner Gemälde 1893 auf der Weltausstellung gezeigt wurden.[1]
Mariani erhielt zahlreiche Aufträge für Porträts der Ober- und Mittelschicht von Mailand und Monza. 1889 und 1893 porträtierte er König Umberto I., der heutige Aufenthaltsort beider Bilder ist nicht bekannt. Eine der wenigen Historiendarstellungen Marianis war das 1892 entstandene Bild La partenza di Garibaldi dallo scoglio di Quarto über Giuseppe Garibaldis Abreise aus Genua und den Beginn des Zugs der Tausend. Das Unterrichtsministerium erwarb das Gemälde für die Ausstattung des Palazzo Madama, des Sitzes des italienischen Senats. In Zelata bei Pavia malte Mariani ab 1893 eine Reihe von Natur- und Jagdszenen, unter großer Variation von Tageszeit und Lichtstimmung.[1]
Bei seinen häufigen Aufenthalten in Bordighera an der ligurischen Küste lernte er die Opernsängerin Marcellina Caronni kennen, die er 1907 heiratete. Zwei Jahre später kaufte er das heute Villa Mariani genannte kleine Anwesen oberhalb des Orts, das er in den nächsten Jahren erweitern ließ. Der Architekt Rudolf Winter errichtete das La Specola genannte große Atelier für Mariani. In Bordighera malte Mariani sowohl ländliche und Fischerszenen wie auch Bilder vom mondänen Leben im nahen Monaco. Im Jahr 1919 fertigte er ein kleines Porträt der Königin Margarethe von Italien an, die ihn in Bordighera besucht hatte.[1]
Im Alter von 69 Jahren starb er 1927 in Bordighera. Die Villa Mariani, sein altes Wohnhaus, ist heute Sitz der Fondazione Pompeo Mariani. Die Stiftung verwaltet Teile seines Archivs, viele seiner Werke und einen Teil seiner großen Sammlung von Werken anderer Künstler. Marianis Atelier in der Villa ist erhalten und kann besichtigt werden.[1] Ein weiteres Archiv bildet das Archivio Pompeo Mariani in Mailand, das von den Erben von Marianis Neffen Giovanni Battista Pitscheider ins Leben gerufen wurde. Pitscheider war der Ehemann der Schweizer Malerin Elisabetta Keller.[3]
Werke (Auswahl)
- Veduta del Cairo, 1881, Öl auf Leinwand, 57 × 72,5 cm, Musei Civici di Monza
- Il saluto al sol morente, 1884, Collezione Intesa Banca Commerciale Italiana
- Nave pilotata nel porto, 1886, Öl auf Leinwand, 86 × 110 cm, Musei Civici di Monza
- Marina con barche a vela, 1887, Öl auf Leinwand, 86 × 111 cm, Musei Civici di Monza
- Tramonto nel porto di Genova, 1888, Öl auf Karton, 49,5 × 69,5 cm, Musei Civici di Monza
- La partenza di Garibaldi dallo scoglio di Quarto, 1892, Galleria Nazionale d’Arte Moderna, Rom
- Sotto gli ulivi, 1898, Öl auf Leinwand, Galleria d'Arte Moderna, Genua
- Alle corse di San Siro, 1906, Mischtechnik auf Karton, 64,8 × 80,6 cm, Privatsammlung
- Ritratto di Giuseppe Cambiaghi, ca. 1910, Öl auf Holz, 34,5 × 32,5 cm, Musei Civici di Monza
- Al tavolo verde, 1912, Öl auf Karton, 23,7 × 32,8 cm, Privatsammlung
- Autoritratto in età matura, 1912, Öl und Tempera auf Karton, 68 × 49 cm, Musei Civici di Monza
- Marina a Bordighera, 1912, Tempera auf Leinwandpapier, 48,5 × 75,5 cm, Musei Civici di Monza
Ausstellungen (Auswahl)
- 1913: Rom, Società amatori e cultori delle belle arti[1]
- 1923: Mailand, Galleria Pesaro, Ausstellung von 348 seiner Werke[1]
- 2002: Monza, Museo del Serrone della Villa Reale, Pompeo Mariani (1857–1927): poesia della natura, fascino della mondanità, 15. März bis 12. Mai 2002
Literatur
- Rossella Canuti: Mariani, Pompeo. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007.
- Paolo Lunardi Versienti: Pompeo Mariani (1857–1927). La storia inedita di un grande pittore dell'Ottocento. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2017. ISBN 978-8836638017.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j Rossella Canuti: Mariani, Pompeo. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007.
- ↑ Mosè Bianchi, fresco painter. In: Museo Civici Monza. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Mauro Reali: Una nuova monografia sul pittore Pompeo Mariani. In: La ricerca. 23. April 2018, abgerufen am 19. Dezember 2025.