Polonia (Ouvertüre)

Polonia (WWV 39) ist eine Konzertouvertüre von Richard Wagner. Er vollendete Polonia im Jahr 1836.[1]

Wagner gab an, dass Polonia aus einem „traumhaften Abend“ in Leipzig hervorgegangen sei, an dem er bei einer Feier zum Tag der Verfassung am 3. Mai 1832 ununterbrochen polnische Lieder hörte, darunter die polnische Nationalhymne „Noch ist Polen nicht verloren“.[2] Im östlichsten Teil Preußens gab es damals viele Polen, die vor russischen Repressionen geflüchtet waren.[3]

Wagner komponierte die Konzertouvertüre in Berlin von Mai bis Juli 1836 und führte es im folgenden Winter in Königsberg zum ersten Mal auf.[4]

Das Werk ist in Sonatenform geschrieben und enthält Anspielungen auf polnische Volkslieder.

Fußnoten

  1. Wagner's Early Overtures. The Musical Times Bd. 46, Nr. 744 (1. Februar 1905), S. 117
  2. Richard Wagner, Mein Leben (Autobiografie, Erster Teil online, Seite 78). Zitat: Nun kam der dritte Mai heran. Achtzehn noch in Leipzig anwesende Polen vereinigten sich zu einem Festmahle in einem Gasthause der Umgegend von Leipzig: dort sollte dieser der polnischen Erinnerung so teure Jahrestag ihrer Verfassungsgründung gefeiert werden. Nur die Vorsteher des Leipziger Polenkomitees und, aus besonderer Rücksicht und Liebe, auch ich, waren hierzu eingeladen. Es war ein unvergeßlich eindrucksvoller Tag. Das Mahl der Männer ward zum Gelage: eine aus der Stadt bestellte Blechmusik spielte unausgesetzt die polnischen Volkslieder, an welchen sich, unter dem Vorgesang eines Litauers (Zàn), die Gesellschaft jubelnd und klagend beteiligte. Namentlich erweckte das schöne »Dritte-Mai«-Lied einen erschütternden Enthusiasmus. Weinen und Jauchzen steigerten sich zu einem unerhörten Tumulte, bis sich die Gruppen auf die Rasenplätze des Gartens lagerten und dort zerstreute Liebespaare bildeten, in deren schwelgerischem Liebesgespräche das unerschöpfliche Wort »Oiczisna« (Vaterland) die Losung war, bis endlich der Schleier eines großherzigen Rausches alles in Nacht hüllte. – Der Traum dieser Nacht bildete sich später in mir zu einer Orchesterkomposition in Ouvertürenform, mit dem Titel »Polonia«, aus
  3. Polen und die polnische Frage (S. 37–42)
  4. Vier Orchesterouvertüren