Polaroid SX-70

SX-70 war ein 1972 vorgestelltes Sofortbild-System von Polaroid. Es handelte sich um den ersten Integralfilm, dieses bedeutete, das Foto kam unmittelbar nach der Aufnahme motorisch aus der Kamera gefahren und entwickelte sich ohne jedwedes Zutun des Fotografen von allein, wobei auch kein Abfall anfiel. Polaroid hatte den Integralfilm mit großen Aufwand entwickelt. Nachfolger war Polaroid 600.

SX-70 bezeichnete auch die erste Kamera für das System SX-70, ein faltbare Sofortbild-Spiegelreflexkamera, die von 1972 bis 1981 hergestellt wurde und ob ihres technischen Aufwands und Designs viel Beachtung fand.

Das System SX-70 war ein gigantischer Erfolg. Es trug hauptsächlich dazu bei, dass in den USA 1980 etwa jedes fünfte Farbfoto als Sofortbild gemacht wurde.[1] Zudem war die Polaroid 1000 viermal die weltweit meistverkaufte Kamera des Jahres. Darüber hinaus hat es der Kameratechnik Neuheiten gebracht: Die Polaroid SX-70 war die erste faltbare und die erste Sofortbild-Spiegelreflexkamera. SX-70 Sonar und 5000 Sonar waren die ersten beiden Kameras mit Ultraschall-Autofocus.

Film

Entstehung

Polaroid hatte 1947 das schwarzweiße Sofortbild vorgestellt, der Weg zum farbigen Sofortbild mit dem Trennbildverfahren Polacolor 1963 und schließlich dem Integralfilm SX-70 waren die aufwendigsten und langwierigsten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in der Geschichte der Fotochemie. Der Schritt zum Integralfilm allein, das Projekt Alladin verschlang $ 500 Mio., allerdings inklusive dem Errichten von fünf Fabriken, zwei für die Farbnegative, je eine für Filme, Chemikalien und Kameras.[1]

Edwin Herbert Land wünschte sich eine maximal einfach zu bedienende Sofortbildkamera, um auch technisch unbegabten Leute zum Fotografieren mit Polaroid-Kameras zu bewegen und so den Umsatz zu steigern. Das System war dabei ausschließlich für Farbbilder geplant, die unmittelbar nach dem Belichten mit einem Elektromotor aus der Kamera ausgeworfen und dabei wie beim Trennbild durch zwei Walzen gequetscht werden sollten, um den Entwicklungsprozess zu starten. Dieser sollte dann mit einem fertigen Bild von selbst enden. Die Problematik bestand darin, dass die Entwicklung bei Dunkelheit stattfinden musste und das Negativ nicht weggeworfen werden konnte.

Entwicklung

Ablauf

Weil das Negativ beim Integralfilm nicht weggeworfen wurde, musste es unter dem Positiv angeordnet werden, um es nach Gebrauch unsichtbar machen zu können. Dabei gab es zwei Möglichkeiten für die Belichtung, nämlich von hinten, so wie später bei Kodak, oder von vorne durch das Positiv hindurch, wie im Falle von SX-70.[2] Letzteres hatte vier Bedingungen zur Folge:

  • ein beim Fotografieren durchsichtiges Positiv
  • eine nach dem Fotografieren entstehende Trennschicht zwischen Negativ und Positiv, die das Negativ unsichtbar machte und eine weiße Farbe als Grundlage für das Positiv haben musste
  • eine Kamera, die ein Spiegelbild lieferte, da die Belichtungsseite des Negativs im Vergleich zum Trennbildverfahren um 180° gedreht war
  • eine glänzende Bildoberfläche, da matte Oberflächen das Licht beim Belichten gestreut und das Bild dadurch unscharf gemacht hätten.

Wie beim Trennbild lief die Entwicklung außerhalb der Kamera statt, er wurde ebenfalls mit dem Verlassen der Kamera durch Walzen gestartet, die Chemikalien zwischen Negativ und Positiv verteilten. Der Entwicklungsprozess lief aber immer vollständig ab, da er nicht durch den Fotografen beendet werden konnte.

Chemische Vorgänge

Der grundlegende Entwicklungsvorgang entsprach dem Trennbildverfahren. Beim Integralfilm waren Positiv und Negativ aber miteinander versiegelt und auf einen schwarzen Träger aufgebracht. Für die „chemische Dunkelkammer“, also die Verdunklung während der Entwicklung sorgten Indikatorfarbstoffe im Entwickler, die in alkalischer Umgebung sichtbar und in neutraler Umgebung transparenter wurde, also mit der Neutralisation ihre Farbe verloren. Da das Umgebungslicht etwa 106-mal stärker war, als zur Veränderung eines Bildes erforderlich, musste der Indikator eine sehr hohe Trübung aufweisen und zudem eine völlig farblose Leukoform besitzen. Hierzu wählte man Phthaleine, von denen mindestens zwei das gesamte Lichtspektrum abdeckten.

Die Entwicklungspaste enthielt zusätzlich Titandioxid, das die Hälfte ihres Volumen ausmachte. Es gab dem Positiv einen weißen Grund und verdeckte dabei das Negativ. Das Titandioxid unterstützte auch die Verdunkelung, da das Licht durch die Reflexion an ihm einen längeren Weg durch die Farbstoffe zurücklegen musste. Nur die Kombination aus Titandioxid und Indikatorfarbstoffe ergab einen vollständigen Schutz, eine Komponente allein hätte dafür nicht ausgereicht.

Die Stabilisierung lief zwar genauso wie beim Trennbildverfahren ab, die Anforderungen daran waren aber erheblich höher, da die Bildübertragung nicht vom Fotografen durch Entfernen des Negativs angehalten werden konnte. Sowohl die Entwicklung wie auch der Bildübertragung wurde nur durch die Absenkung des pH-Werts angehalten. Für den Temperaturbereich gab es ebenfalls höhere Anforderungen, da auch hier der Fotograf nicht eingreifen konnte. Beides, Stabilisierung und Temperaturbereich erforderten eine präzise Herstellung des Films, sowohl in Hinblick auf die Chemie als auch auf die Abmessungen.[2]

Ein SX-70-Bild bestand aus 14 chemischen Schichten. Jede einzelne Schicht fiel dabei erheblich dünner als ein menschliches Haar aus.[2] [2]

  • Durchsichtige Folie
  • Säureschicht
  • Verzögerungsschicht
  • Bildempfangsschicht
  • Raum für Entwicklerpaste
  • Silberhalogenid blauempfindlich
  • Farbschicht Gelb
  • Sperrschicht
  • Silberhalogenid grünempfindlich
  • Farbschicht Purpur
  • Sperrschicht
  • Silberhalogenid rotempfindlich
  • Farbschicht Blaugrün
  • Bildträger

Farben

Die bei SX-70 eingesetzten metallisierten Farbstoffe konnte dass UV-Licht kaum ausbleichen. Bei Polaroid sprach man von Bildern, die „unseres Wissens nach absolut stabil“ sind.[3] Bei den gewöhnlichen Fotopapieren konnte dabei nur Cibachrome mithalten.[2] Zudem erhöhte sich die Farbsättigung. Dazu gab man den Farbstoffen ein metallisches Ion bei, man imprägnierte sie sozusagen mit Metallsalzen. Ein Team bestehend aus sechs Chemikern hatte damit 1965 begonnen und erst 1970 mit Gelb die letzte der drei Grundfarben fertiggestellt.[1]

Beim Bildeindruck war SX-70 im Vergleich zu Polacolor weit überlegen, die Farben wurden präziser und mit höherer Sättigung wiedergegeben. Polaroid hatte besonders auf die Hautwiedergabe geachtet, lediglich Purpur erwies sich als problematisch und tendierte zu Orange. Die Auflösung betrug 40 Linien pro Zoll und eine Körnung ließ sich mit bloßem Auge nicht erkennen.[3] Polacolor 2, im Jahr 1975 erschienen, übernahm dann die metallisierten Farbstoffe und war daraufhin überlegen.[1] SX-70 konnte mit der ersten Überarbeitung aber gleichziehen.

Entwicklungsverlauf

Das ausgeworfene Bild zeigte zunächst eine milchig blaugrün erscheinende Fläche, nach 2 min blassgelbe Umrisse und nach spätestens 10 min das farbige Bild. Wie bereits von Polacolor bekannt, musste bei Temperaturen unter 7 °C die Entwicklung mit Hilfe der eigenen Körperwärme unterstützt werden, sonst kam es zur Unterbelichtung und Farbverfälschungen. Der Arbeitsbereich reichte bis 27 °C, die optimale Temperatur betrug 22 °C. Die Kamera selbst arbeitete von −30 °C bis 50 °C.[3]

Das SX-70-Kassette

Ein Bild hat das Format 7,8 cm × 7,9 cm mit einem Passpartout im Format 8,9 cm × 10,7 cm. Man durfte es nicht zerschneiden oder knicken, sonst war es zerstört. Die Empfindlichkeit gab Polaroid mit ASA 150 an, also rund ISO 160/23°.

Der Listenpreis einer Kassette betrug $ 6,90, sie enthielt 10 Bilder, darüber lag ein Lichtschutz, den die Kamera nach dem Einschieben automatisch auswarf. Dann drückte eine Feder die Bilder sukzessive nach oben, so dass das oberste immer in der Bildebene lag. Ganz unten lag die Polapulse-Batterie. So sollte vermieden werden, dass die Kamera wegen leerer Batterie nicht einsatzbereit war.

Polaroid setzte im Hinblick auf den Leistungsbedarf des Motorantriebs auf Zinkchlorid-Zellen, eine Neuentwicklung der ESB Inc.[4] Die Batterie maß etwa 90 mm × 70 mm × 30 mm, bestand aus 4 übereinanderliegende Zellen mit Minuspol an der Oberseite, die direkt miteinander verbunden waren, um Übergangswiderstände zu minimieren. Ein umhüllendes Zinkblech dafür sorgte, dass beide Anschlüsse an der Unterseite lagen. In der Kassette lag die Batterie unter einer Folie, die auf einer Pappkarte aufgeklebt war und zwei kreisrunden Löchern für die Kontakte aufwies. Da die Batterie für etwa 150 Bilder ausreichte,[3] gab es im Zubehör Polapulse-Taschenlampen und sogar ein Transistorradio, um sie weiter nutzen zu können.

Anlaufschwierigkeiten

Polaroid hatte zuvor nur die Endmontage seiner Kameras übernommen, die Fertigung aller Einzelteile also bei Zuliefern in Auftrag gegeben. Ebenso hatte man die Zutaten für die Sofortbildfilme nicht selber produziert. Deswegen tat man sich schwer, die Produktion zu starten. Es kam zu Flecken und abgelaufenen Filmen, weil man für die Batterielebensdauer anfänglich nur drei Monate ansetzte. Erst nachdem Polaroid die Batterie selber herstellte, konnte man ein weiter in der Zukunft liegendes Verfallsdatum angeben und vorzeitige Ausfälle vermeiden.[5] Selbst bei einwandfreien Produkten gab es Klagen, nämlich über die vier- bis fünfmal längere Entwicklungszeit gegenüber dem Trennbildverfahren. Einige Zeitschriften bemängelten überdies die unsichere, da sehr temperaturabhängige Farbwiedergabe.[6]

New SX-70

Zur Photokina 1976 kündigte Polaroid mit dem Slogan „New Improved Faster Developing!“ einen „New SX-70 Land Film“ an. Die empfohlene Verarbeitungstemperatur lag nun zwischen 7 °C und 35 °C, wobei er sich bemerkenswert unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen zeigte.[2] Hinzu kam eine verbesserte Farbwiedergabe mit „eingeengter Grünlücke“, natürlicherer Hautwiedergabe und intensiverem Schwarz. Zudem führte eine dünnere Mylar-Beschichtung der Oberfläche zu reflexfreier Betrachtung und weicheren Kontrasten.[1] Die Entwicklung ging nun bereits in 6 min vonstatten.[2]

„Rottöne sind röter, Blaus sind blauer, Gelbs gelber und es ist schärfer. ... Ich fand, daß er schneller entwickelt, bessere Hauttöne wiedergibt, natürlichere Farben mit höherer Sättigung zeigt ... und Schwärzen schwärzer und Weissen weisser wiedergibt. ... Es ist ein viel besserer Film.“

Ed Meyers in Popular Phography, Juli 1976[1]

Im Juli 1978 kam es zu einer weitern Verkürzung der Entwicklungszeit, diesmal auf 4 min.

SX-70 Supercolor

Im Spätherbst 1979 führte SX-70 Time Zero bereits auf den Testmarkt in Florida ein, wobei sich die Bezeichnung bezog sich auf die Entwicklungszeit bezog. Das Bild erschien binnen einer Minute, womit SX-70 nun mit dem Trennbildverfahren gleich zog, und erste Details ließen sich nach wenigen Sekunden erkennen. Neu war außerdem, dass das Bild zu Beginn komplett weiß war.[1] Die Einführung in den deutschen Markt begann im Sommer 1980 mit einer Pressevorstellung im Münchener Hotel Holday Inn unter den Namen SX-70 Supercolor. Polaroid legte Wert darauf, dass es kein „alter, verbesserter“, sondern ein ganz neuer Film sei. Die Bilder waren schärfer als bisher und die Farben originalgetreuer. Nur Landschaftsaufnahmen fielen unverändert enttäuschend aus.

„Es blitzte überall und meine Kollegen scheuten keine Verrenkung, um Großaufnahmen von Radieschen, Bohnen, Bananen und einem blauen Rennautomodell zu machen, von wegen Rot, Grün, Gelb und Blau. Man war rundherum zufrieden, spendete Lob und ich tat das auch. Deshalb kann ich jetzt mit gutem Gewissen sagen, daß dieser neue Supercolor tatsächlich der SX-70-Fotografie neue Wege erschließt. Vor allem natürlich im Nahbereich, im Porträt, bel Szenenaufnahmen und nahen Schnappschüssen, etwa von Tieren.“

Alexander Borell über den Besuch der Pressevorstellung[7]

„Am nächsten Tag, zu Hause, wollte ich wissen, wie sich der Supercolor dort verhält, wo bisher nicht viel mit einer SX-70 anzufangen war: draußen im Freien. Und siehe da: auch hier ist er dem bisher Gebotenem erheblich überlegen! Häuser, bunte Straßenzüge ergeben noch tatsächlich akzeptable Fotos. Nur was die sogenannte ‚offene Landschaft‘ betrifft, also Grünzeug mit Bergen oder See mit Kirche und Spiegelung, da bringt auch der Supercolor nichts, was ich mir ins Album kleben möchte. Da sind die Ergebnisse immer noch flach, ohne die gewisse Tiefenwirkung und ohne deutliche Farbabstufung.“

Alexander Borell nach dem Besuch der Pressevorstellung[7]

Bekannte Anwender

Eine besondere Eigenschaft des SX-70-Films war es, ihn während der Entwicklung und sogar noch darüber hinaus zu manipulieren. Weil die Mylar-Hülle verhinderte, dass in der gelatinebasierten Filmemulsion enthaltene Feuchtigkeit nach außen dringen konnte, blieb sie einige Tage lang weich. Durch gezieltes Drücken und Verschieben der Emulsion, beispielsweise mit dem Fingernagel, konnte ein dem Impressionismus ähnlicher Gemäldeeffekt erreicht werden. Davon machten manche Künstler Gebrauch, insbesondere Ansel Adams, Andy Warhol, Helmut Newton und Walker Evans.[8] Bekanntere Beispiele sind die Plattencover von Peter Gabriels drittem Album und Loverboys Debütalbum.

Wim Wenders setzte die SX-70 zum ersten Mal in einem Spielfilm ein, nämlich als elementarer Bestandteil der Story in Alice in den Städten. Als begeisterter und langjähriger Polaroid-Fotograf hörte er während der Vorbereitungen zu diesem Film, der zu Beginn auch in den USA spielt, von der SX-70-Ankündigung und bat bat Polaroid um die Erlaubnis, diese neue Kamera in seinem Film verwenden zu dürfen. Man schickte ihm einen Prototyp und ausreichend Filmmaterial unter der Bedingung, dass der Film erst nach der offiziellen Premiere der SX-70 erscheinen darf. Er kam dann 1974 in die Kinos. In Der amerikanische Freund macht Dennis Hopper ein Selbstporträt mit der SX-70.[9]

In den Jahren 1973 und 1974 fotografierten Astronauten während der Missionen Skylab 3 und 4 einen Videobildschirm mit der SX-70, um das Erscheinungsbild der Sonne von einer Erdumkreisung zur nächsten zu vergleichen.[10]

Verwandte Filmkassetten

Es existierten Filme für den professionellen Einsatz wie der Typ 778, der dem SX-70 Time Zero entsprach. Der ähnliche Typ 708 enthielt keine Batterie und war für Fotoautomaten und Industriekameras mit eigener Spannungsquelle gedacht.

Ende

Time Zero wurde bis 2005 hergestellt, unter anderen weil zu dem Zeitpunkt nicht mehr alle chemischen Bestandteile der Filmemulsion lieferbar waren. Restbestände wurden 2008 noch als Artistic TZ mit nur acht Bildern verkauft.

Kameras

SX-70

Aufbau

Um das erforderliche seitenverkehrte Bild zu erzeugen, setzte Polaroid einen Spiegel zwischen Objektiv und Film. Dabei lag es nahe, die Filmkassette liegend auf den Boden des Kameragehäuses unterzubringen und das Bild nach vorne auszuwerfen. Bevor einfache Kameras mit Kunststoffgehäuse für den Massenmarkt erscheinen sollten, ließ Edwin Herbert Land eine Kamera konstruieren, die man „wie eine Geldbörse aus der Tasche ziehen“ konnte, um schnell aufnahmebereit zu sein.[11] Diese konstruierte man als Spiegelreflexkamera, damit man das Bild im Sucher scharf stellen konnte. Weil Sofortbildkameras zum Mittelformat gehörten und infolgedessen eine geringere Schärfentiefe als beim Kleinbild hatten, spielte die genaue Entfernungseinstellung eine größere Rolle.

Für eine Spiegelreflexkamera benötigte man für gewöhnlich eine Mattscheibe, auf der das Bild scharfgestellt wurde, und ein Pentaprisma, welches ein seitenrichtiges und aufrechtes Bild der Mattscheibendarstellung ermöglichte. Ein Prisma hätte in einer zusammengefalteten Kamera keinen Platz gefunden. So konstruierte man den für die Aufnahme erforderlichen Spiegel beweglich und doppelseitig, woraufhin er nach unten geklappt über dem Filmpaket lag. Der obere Spiegel diente gleichzeitig als Mattscheibe, wozu er eine Fresnel-Linse in untypischer, asphärischer Form aufgesetzt bekam.[12] Der Spiegel kam nur für die SX-70 zur Anwendung. Seine Konstruktion hatte mitsamt Computerberechnung 2½ Jahre benötigt und er war recht teuer in der Produktion, auch produzierte man am Anfang einen großen Ausschuss.

Die so entstandene Spiegelreflex-Kamera bekam ein faltbares Kunstoffgehäuse und ein Objektiv f/8 mit 116 mm Brennweite, vier Glaslinsen und Frontlinsen-Fokussierung. Letzteres bedeutete, dass die Linse nur um etwa 6 mm bewegt werden musste, obwohl die Naheinstellgrenze bei 26,4 cm, entsprechend einem Maßstab 1:2 lag. Die für eine Kamera des gehobenen Preissegments geringe Lichtstärke wählte man im Hinblick auf die geringe Schärfentiefe.[2] Rechts neben dem Objektiv befand sich der Auslöser und links die elektronische Belichtungssteuerung mit einem Einstellrad für die Bildhelligkeit, das aufgrund des geringen Kontrastumfangs der Sofortbilder unbedingt erforderlich war, um bei zu dunkel oder hell ausgefallenen Bildern manuell eingreifen zu können. Das Rad trug ein Fenster in seinem Zentrum, hinter dem die Fotodiode lag und das mit einem Verlaufsfilter durch Drehen mehr oder weniger verdunkelt wurde. Eine Automatik sorgte für die korrekte Belichtungszeit zwischen 1/175 s und etwa 14 s. Der Auslöser bestand aus einem elektrischen Kontakt, wobei seitlich ein Fernauslöser angeschlossen werden konnte. Die gesamte Steuerelektronik arbeitete mit 325 Transistoren, die sich zumeist in integrierten Schaltungen befanden.[13] Zum Aufklappen zog man am Suchergehöuse, die Filmkassette wurde von vorne eingelegt, nachdem man dort mit einem Hebel an der rechten Seite eine Klappe geöffnet hatte.

Zum Blitzen konnte man eine Flashbar aufsetzen, die General Electric eigens für Polaroid entwickelt hatte. Sie wies an Vorder- und Rückseite fünf Biltzlampen nebeneinander auf, reichte also für exakt eine Filmkassette. Polaroid bot auch ein Biltzgerät an, dass aber nicht mit von der Kamera mit Strom versorgt wurde, sondern selber Batteriezellen enthielt. Später bot auch einige Blitzgeräthersteller Geräte an, die man an dem Flashbar-Anschluss betreiben konnte. Sie lösten mit der korrekten Verzögerung aus, weswegen man nicht einfach einen Adapter bauen konnte. Bei aufgesetzten Flashbar oder Blitzgerät schaltete die Belichtungssteuerung auf Blitzbetrieb um und blendete das Objektiv abhängig von der Entfernungseinstellung bis auf f/22 ab. Die Flashbar besaß mit 45 fast die doppelte Leitzahl eines Blitzwürfels und reichte deswegen trotz des lichtschwachen Objektivs bis zu 6 m weit.

Design

An der Gestaltung der SX-70 waren mehrere Personen beteiligt, den Faltmechanismus, noch ohne Sucher zeichnete Alfred H. Bellows im Juni 1967. Das endgültige Aussehen schuf Henry Dreyfuss von Henry Dreyfuss Associates (New York), es handelte sich um seinen letzten Entwurf vor seinem frühen Tod. Dreyfuss arbeitete während der gesamten Entwicklung eng mit Herbert Edwin Land zusammen, um Form, Faltmechanismus, Handhabung, Belederung und Chromoberfläche mitzugestalten.[14]

SX-70 (Urmodell)

Auf der Polaroid-Hauptversammlung am 25. April 1972 stellte zog Land eine zusammengeklappte SX-70 aus seiner Anzugtasche, entfaltete sie und schoss in nur 10 s eine Serie von fünf Fotos. Die Produktion lief dann im Oktober 1972 an, aber nur langsam, anfänglich musste man sogar an 30 % der Produktion Garantiereperaturen durchführen, was vor allem die Elektronik betraf.[6] Deswegen beschränkte sich der Verkauf erst einmal auf Florida, 1973 kam die gesamten USA und Puerto Rico hinzu und erst 1974 die restliche Welt. Dabei warb Laurence Olivier für die Kamera,[15][16], wobei die gesamte Kampagne 9 Mio. DM kostete.[13] Trotz $ 180[17] Listenpreis kam es nämlich zu einer unerwartet hohen Nachfrage, bis Mitte 1974 waren bereits 700.000 Kameras verkauft.[8] Dann steigerte sich die Nachfrage in den USA aber nicht weiter, so dass Polaroid sogar fast 10 % der Belegschaft entlassen und die Händler beim Verkaufspreis auf $ 160 bis $ 130 herunter gehen mussten. Auf den Exportmärkten hingegen, insbesondere in Deutschland erwies sich die Kamera als Bestseller.[6]

Das Gehäuse der SX-70 bestand aus glasfaserverstärktem Polysulfon, bedampft mit einer Kupfer-Nickel-Chrom-Legierung und beledert mit mittelbraunen Echtleder. Die Kamera wog 680 g. Im Sucher gab es nur die Mattscheibe zum Scharfstellen, weil Edwin Herbert Land den Entwicklungsprozess des Bildes damit nachbilden wollte: das Bild trat beim Fokussieren aus einem Nebel hervor.

Versuche im Testlabor mit Laien ergaben jedoch eine unpräzise eingestellte Schärfe und vor allem 30 % fehlbelichtete Blitzaufnahmen. Zwar gab es Kleinbildkameras, bei denen die Entfernung sogar geschätzt werden musste und die Blende für Blitzaufnahmen von dieser Einstellung abhing, beides war bei den Sofortbildkameras aber problematischer: die Schärfentiefe fiel aufgrund des größeren Bildformats kleiner aus und die Belichtung musste wegen des geringeren Kontrastumfangs bei Sofortbildern präziser sein. Land vertrat aber die Ansicht, gegebenenfalls müsse man den Kunden das Fokussieren beibringen. Als sich dieser Punkt aber nach dem überaus gelungenen Serienanlauf als einziger Schwachpunkt herausstellt, blieb ihm aber nichts anderes übrig, als einen schon entwickelten Schnittbild-Entfernungsmesser als Sofortmaßnahme zuzustimmen. Er sollte aber unterhalb der Bildmitte angeordnet werden, um das Heraustreten aus dem Nebel nicht zu sehr zu stören. Darüber hinaus gab ihm die Problematik den Anlass, ein Autofokussystem zu entwickeln.[14] Oktober 1973 floss dann ein Prismenkeil in die Serie ein. Als weitere Änderung kam dann noch eine Entfernungsskala am Objektiv. Der Polaroid-Service bot aber das Nachrüsten der alten Kameras an. Ein kleine Anzahl hat das Werk mit Goldauflage verlassen.[8][18]

SX-70 Model 2

Aufgrund der stagnierenden Nachfrage in den USA kam es 1974 kam es mit dem Model 2 zu einer ersten Programmerweiterung, welche die Händler dort aber wegen der geringeren Gewinnspanne nur ungern verkauften.[1] Es handelte sich um eine preisgünstigere, mit $ 150 Listenpreis allerdings nicht wesentlich billigere Ausführung. Die Vereinfachung beschränkte sich nämlich auf das Design, technisch blieb alles unverändert. Das Gehäuse bestand in der Regel aus weißen Kunststoff und die Belederung aus braunen Kunstleder, von Polaroid mit Porvair bezeichnet, die mit der Zeit zerbröselte. Wenige Model 2 sind mit schwarzen Gehäuse und schwarzen, genarbten Kunstleder ausgeliefert worden.[19]

SX-70 Model 3

Das Model 3 stellte die kurioseste Polaroid-Kamera überhaupt dar. Seine Grundidee bestand nämlich darin, bei der Produktion misslungene Klappspiegel mit defekter Frensellinse, aber einwandfreier Unterseite einer Verwendung zuzuführen. Nach Zerlegen der Kamera fand sich gewöhnlich ein mit Filzstift aufgemaltes Kreuz auf der Linse. So schuf man eine Sucherkamera; der Spiegel bewegte sich beim Auseinander- und Zusammenfalten der Kamera, nicht aber beim Auslösen. Man konnte das Model 3 aufgeklappt leicht daran erkennen, dass der Klappsucher keinen Balg und nach vorne eine Scheibe aufwies, also an der Seite offen war. Ein weiterer Unterschied bestand im Flashbar-Anschluss. Da er an gewohnter Stelle den Sucherausblick beim Blitzen verhindert hätte, lag er im Sucherdeckel. Das Gehäuse war immer schwarz und die Belederung aus dünnerem Kunstleder als beim Model 2. Das Objektiv blieb aber unverändert, so dass die Kamera richtig fokussiert die gleiche Bildqualität wie die anderen SX-70-Kameras lieferte. Es gab aber keinen Entfernungsmesser.[20] Das Model 3 kam 1975 heraus, um die Zeit bis zum Erscheinen der preisgünstigeren Modelle zu überbrücken, und blieb bis 1978 im Programm, sein Listenpreis betrug $ 99,95.[18]

SX-70 Alpha 1

1977 änderte sich die Bezeichnung des Urmodells von SX-70 in SX-70 Alpha 1. Erkennen lässt sich die neue Generation auf dem ersten Blick an zwei Ösen für einen Trageriemen an der Oberkante des rückseitigen Blechs sowie am Stativanschluss, der den bisherige Stativadapter aus dem Zubehörprogramm ersetzte. Zudem trugen die Metallteile eine matte Oberfläche, während sie zuvor glänzender erschienen, und als zusätzliche Farbvariante gab es ein schwarzes Gehäuse mit ebensolcher Belederung. Der optimierte Klappmechanismus lief geschmeidiger ab, die Platine für die Elektronik hatte man modernisiert und dabei das Aufhellblitzen hinzugefügt.[21] Der Listenpreis betrug nun $ 230, was unter der Berücksichtigung der Inflation zwar keine Preissteigerung darstellte, die Absatzzahlen dennoch verringerte.[18]

Der wesentliche technische Unterschied bestand darin, dass die Alpha Aufhellblitzen ermöglichte. Da der Sofortbildfilm nur einen geringen Konstrastumfang besaß, konnte beispielsweise die Augenpartie bei Portraits schnell unterbelichtet sein, so dass diese Funktion einen großen Nutzen brachte.

Foto Quelle bot die Kamera als Revue SX Alpha de Luxe in Chromausführung mit blauen Auslöseknopf für 369 DM an.

SX-70 Alpha 1 Model 2

Ebenfalls 1977 änderte sich auch die Bezeichnung von SX-70 Model 2 in SX-70 Alpha 1 Model 2. Die Neuerungen der gewöhnlichen Alpha 1 fanden sich auch in der vereinfachten Ausführung und die Unterschiede betrafen vor allem das Gehäuse aus elfenbeinfarbenden, seltener schwarzen ABS. Das Kunstleder hatte nun eine verbesserte Dauerhaltbarkeit.

SX-70 Sonar

Auf der Hauptversammlung in Needham im April 1978 stellte Edwin Herbert Land eine SX-70 mit Autofokus vor, die dann anlässlich der Photokina in den Markt eingeführt wurde. Sie arbeitete mit Ultraschall, wobei der zugehörige Sensor in der Kamera keinen Platz mehr fand und deswegen in einem zusätzlichen Gehäuse über dem Objektiv lag. Zusammengeklappt geriet die Kamera durch dadurch etwas länger.

Bei dem Sensor handelte sich um eine Metalldose, über die eine goldbeschichteten Kunststofffolie als Membran gespannt war. Diese Membran sendete die vier Frequenzen 50 kHz, 53 kHz, 57 kHz und 60 kHz aus und nahm anschließend den reflektierten Schall wieder auf. Dabei maß eine quartzgesteuerte Stoppuhr die Laufzeit ein Servomotor stellte die entsprechende Entfernung am Objektiv in 128 Stufen ein. Der Messstrahl deckte ungefähr 10 % der Bildfläche ab. Gegenüber passiven Systemen, die bei anderen Herstellern gerade aufkamen, lag der Vorteil in der immensen Zuverlässigkeit der Messung. Sie funktionierte auch bei völliger Dunkelheit und benötigte keinen Kontrast im Bild. Nachteilig war lediglich, dass immer auf den nächstliegenden Gegenstand fokussiert wurde. Deswegen konnte man die Kamera auf manuelle Fokussierung umschalten, um beispielsweise durch eine Glasscheibe oder durch die Blätter eines Baumes hindurch zu fotografieren.[22]

Der Sensor hatte auch zur Folge, dass der Anschluss für die Flashbar auf dem zusätzlichen Kasten und damit erhöht lag. Der dadurch entstandenen Parallaxenfehler sorgte bei Nahaufnahmen für im unteren Bereich dunkle Bilder, obwohl gerade Nahaufnahmen die Stärke der Kamera waren.[7] Wie bei der SX-70 Alpha 1 konnte der Kunde zwischen Chrom oder Schwarz wählen, der Listenpreis der SX-70 Sonar betrug $ 250.[18]

SX-70 Sonar Model 2

Entsprechend der SX-70 Alpha gab es auch von der Autofokus-Kamera eine vereinfachte Ausführung, die aber nur wenig verkauft wurde. Sie hatte gewöhnlich ein Gehäuse aus schwarzem Kunststoff mit Belederung aus schwarzen Kunstleder.[18]

Zubehör

Für die SX-70 bot Polaroid ein Zubehörset an, dessen Bestandteile auch einzeln erhältlich waren:[23]

  • Der Stativadapter besaß eine Klammer, um Kameras ohne Stativgewinde aufnehmen zu können.[24]
  • Der Fernauslöser konnte alle SX-70-Kameras elektrisch auslösen.[25]
  • Der Zubehörhalter war ein Rahmen, der dadurch vor das Objektiv gehängt wurde, dass sein Stecker in den Blitzkontakt gesteckt wurde. Er besaß wiederum einen Blitzkontakt, um auch mit Rahmen Blitzen zu können. Da bei den Autofokus-Kameras der Blitzanschluss über der Ultraschall-Einheit lag, konnte er daran nicht verwendet werden.
  • Die Sonnenblende, sie wurde in den Zubehörhalter gesteckt.[26]
  • Die Nahlinse wurde in den Zubehörhalter eingesetzt und ermöglichte Aufnahmen im Maßstab 1:1, also das Fotografieren einer Fläche in der Größe des Bildformats 7,8 cm × 7,9 cm. Dazu gehörte ein Diffusor für den Flashbar, um seine Helligkeit abzuschwächen und seinen Abstrahlwinkel nach unten zu vergrößern.

Außerdem gab es eine Telelinse mit einer 1,5-fachen Vergrößerung[27], flache Kamerataschen sowie eine Bereitschaftstasche, die sich zusammen mit der Kamera entfalten ließ. Für die Autofocus-Kameras und das Model 3 gab es einen speziellen Filterhalter, der sich an beiden Seiten des Objektivgehäuses festklammerte.

Polaroid 2000

Aufgrund der Anlaufschwierigkeiten konnte Polaroid erst 1976 einfache Kamera, also ohne Faltmechanismus anbieten, solange mussten sich die Kunden in diesem Marktsegment mit Trennbildkameras begnügen. Die 2000 leitete dann mit ihrem Listenpreis von $ 66 bei den Amateurkameras den vollständigen Übergang zum Integralfilm ein. Wie von den einfachen Polaroid-Kameras gewohnt, besaß auch die 2000 ein Kunststoffgehäuse. Der Film war allerdings entsprechend der SX-70 liegend angeordnet und das Foto wurde auch hier motorisch ausgeworfen. Infolgedessen gab es entsprechend der SX-70 einen schräggestellten, allerdings unbeweglichen Spiegel, der die Lichtstrahlen vom Objektiv auf das Filmpaket lenkte. Das Objektiv f/9,4 mit 116 mm Brennweite fiel mit drei Linsen einfacher als bei der SX-70 aus, wobei für die Fokussierung auch hier nur die Frontlinse bewegt wurde. Die Belichtungssteuerung hingegen lief ebenfalls mit einem Sensor im Einstellrad für die Helligkeit elektronisch ab. Sie steuerte die Belichtungszeit von 1 s bis 1180 s, wobei eine Leuchte im Sucher vor Zeiten unter 130 s warnte. Auf die Kamera konnte man das von der SX-70 bekannte Flashbar aufsetzen oder ein spezielles Elektronenblitzgerät. Dann blendete das Objektiv entsprechend der Entfernungseinstellung ab, wobei der Blitzbereich von 1 m bis 3,5 m reichte. Die Kamera blieb bis 1979 im Programm, auf den US-Markt hieß sie Pronto!. Anschließend gab es mit anderer Farbgebung, technisch aber identisch die Polaroid 1500.[28]

Polaroid 1000

Das mit Abstand erfolgreichste Modell des Systems war die Polaroid 1000. Sie erschien im Herbst 1977 und wurde die weltweit meistverkaufte Kamera im anschließenden Weihnachtsgeschäft sowie in den folgenden vier Jahren. In Deutschland warb Hansjörg Felmy in Annoncen und TV-Werbespots für die Kamera, in den USA James Garner. Dort hieß sie One Step (engl. für ein Schritt), was sich auf den Integralfilm bezog, der nach dem Fotografieren keine weiteren Handgriffe – Schritte – erforderte. Bei $ 39,95 Verkaufspreis verdiente Polaroid nicht an der Kamera, sondern an den Filmen dafür. Später nannte Polaroid die Kamera in den USA auch Time Zero entsprechend dem Film. Die 1000 wog 435 g.[18]

Foto Quelle bot die Kamera als Revue 1001 in schwarz mit zunächst grünen, dann blauen Auslöser für 79 DM an.

Polaroid 3000

Die ebenfalls 1977 hinzugekommene Polaroid 3000 entsprach bis auf den Entfernungsmeter im Sucher der 2000. Dabei handelte es sich um einen Schnittbild-Entfernungsmesser, der die beiden Schnittbilder nicht wie gewöhnlich horizontal, sondern vertikal verschob. Die 3000 wurde wenig verkauft und hatten mit Erscheinen der 5000 keine Bedeutung mehr. Auf den US-Markt hieß die Kamera Pronto! RF (für Range Finder) und ihr Listenpreis betrug $ 88.[18]

Polaroid Sonar 5000

Die Polaroid 5000 basierte auf der 2000, sie hatte sogar das gleiche Objektiv, aber ein modifiziertes Gehäuse mit dem Ultraschall-Autofokus der SX-70 Sonar anstelle des Auslösers, der sich wiederum in einer Ausbuchtung daneben befand. Wie bei der SX-70 funktionierte der Auslöser zweistufig, mit leichten Druck konnte man Fokussieren und mit der zweiten Stufe dann auslösen. Über dem Objektiv gab es eine Aussparung im Gehäuse zum Ablesen der Entfernungsskala, an gleicher Stelle ließ sich ein Hebel umlegen, um die manuelle Fokussierung einzustellen. Auf die Kamera konnten die bekannte Flashbar oder das Blitzgerät Polatronic 5 gesteckt werden. Für letzteres gab es hinter dem Flashbar-Anschluss eine weitere Buchse.

Die 5000 konnte Polaroid mit Werbespots gut vermarkten, da das Einstellen der Entfernung für den Laien eine Hürde darstellte. In den USA hieß sie Pronto! Sonar und ihr Listenpreis betrug $ 99,95. Foto Quelle bot die Kamera als Revue Sonar 5005 mit eigener Farbgebung für 199 DM an.

Renaissance des SX-70-Films

Da die SX-70 noch immer weit verbreitet war, ließ Impossible im Jahr 2010 nicht nur den Film für das System 600, sondern auch für SX-70 wiederaufleben.[29][30] Da die Bilder etwas dicker ausfielen, enthielten die Kassetten nur noch acht Bilder, sind aber nicht nur als Farb- sondern erstmals auch als Schwarzweißfilm und in verschiedenen Rahmenfarben erhältlich gewesen. Im September 2017 wurde Impossible in Polaroid Originals umbenannt und bot aufbauend auf den Impossible-Filmen weiterentwickeltes Material an.

Seit 2020 werden die Filme unter dem Namen Polaroid verkauft.[31]

In den 2000er Jahren wurde ein Adapter für den Flash-Bar-Anschluss entwickelt, der das Anschließen von Standardblitzgeräten mittels Blitzsynchronanschluss erlaubt.[32]

Literatur

  • Gerd Koshofer: Farbfotografie Band 2, Laterna Magica, München 1981, ISBN 3-87467-193-3.
Commons: Polaroid SX-70 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Farbfotografie Band 2, Kapitel: Das farbige Sofortbild
  2. a b c d e f g h Polaroid One-Step Color Photography, Wolfgang Berg in Die Naturwissenschaften, Ausgabe 1 von 1977
  3. a b c d Inside story of the Pocket Polaroid SX-70 Camera, Popular Science Januar 1973
  4. New Batteries: Flat packs, lead-acid Ds, 150-minute ni-cads, chlorine power, Popular Science Oktober 1973
  5. Kodak's instant-picture camera, Popular Science Juli 1976
  6. a b c Schritt ins Nirgendwo. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1975 (online).
  7. a b c Polaroid's scharfe Sache, Color Foto September 1980
  8. a b c McCracken, Harry: Polaroid’s SX-70: The Art and Science of the Nearly Impossible. In: Technologizer. Time, 8. Juni 2011, abgerufen am 7. April 2012 (englisch).
  9. Wim Wenders: Sofort Bilder, Schirmer/Mosel 2017, S. 122ff [1]
  10. NASA Technical Memorandum
  11. Polaroid: The Long Walk. Film, 1970.
  12. William T. Plummer: Unusual optics of the Polaroid SX-70 Land camera, Appl. Opt. 21, 196–208 (1982)
  13. a b Wandernde Farben. In: Der Spiegel. Nr. 20, 1974 (online).
  14. a b Who designed the SX-70. Abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
  15. Werbespot mit Lawrence Olivier auf Youtube
  16. Werbespot mit Lawrence Olivier auf Youtube
  17. Gustavson, Todd: Camera: A history of photography from Daguerreotype to Digital. Sterling Signature, 2009, ISBN 978-1-4027-5656-6.
  18. a b c d e f g The Land List - SX-70 Cameras. Abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
  19. SX-70 Cameras
  20. Die kuriose Geschichte des SX-70 Modells 3 Youtube
  21. Polaroid SX-70: Model 1 vs Alpha 1. Abgerufen am 25. November 2025 (englisch).
  22. Polaroid SX-70 Sonar: Stellt automatisch scharf - selbst bei Dunkelheit!, Color Foto September 1974
  23. SX-70 Accessories. Abgerufen am 26. November 2025 (englisch).
  24. POLAROID STATIVADAPTER SX 70 Sofortbild Kamera / Tripod mount #111 ... Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  25. SX-70 Remote Shutter Button :: Vintage Polaroid – Brooklyn Film Camera. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  26. Polaroid Folding Camera Film Shield (Frog Tongue). Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  27. Ein Teleobjektiv für eine Polaroid? | RetroCamera.de. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  28. Polaroid 1500. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
  29. Sean O’Hagan: The Polaroid revival. In: The Guardian. Guardian News and Media Limited, 5. April 2010, abgerufen am 24. August 2013 (englisch).
  30. About-Production-Starting from scratch. The Impossible Project, archiviert vom Original am 31. März 2014; abgerufen am 24. August 2013 (englisch).
  31. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 19. November 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.polaroid.comPolaroid Originals Launches with New OneStep 2 Camera and i-Type Film. 13. September 2017, abgerufen am 27. September 2017 (englisch).
  32. The Hacker’s Guide to the SX-70: SX-70 Flash Adapter (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.chemie.unibas.ch