Poitevin (Pferd)
| Poitevin (Pferd) | |
|---|---|
| Wichtige Daten | |
| Ursprung: | Poitou |
| Hauptzuchtgebiet: | Frankreich |
| Verbreitung: | Frankreich |
| Stockmaß: | 160 cm – 175 cm |
| Farben: | alle Farben erlaubt außer Schecken, meist Falben |
| Haupteinsatzgebiet: | Maultierzucht, Reitpferd, Fahrpferd, Landwirtschaft |
Das Poitevin mulassier, auch Poitevin, Mulassier oder Kaltblut des Poitou (franz. Baudet de Poitou)[1] genannt, ist eine französische Kaltblutpferderasse. Es verdankt den Namen Mulassier seiner wichtigsten ursprünglichen Funktion, nämlich der Zucht von Maultieren (franz. le mulet und la mule), die wegen ihrer Kraft und Ausdauer sehr geschätzt werden. Die Paarung von Poitevin-Stuten mit Poitou-Eseln ergibt Poitou-Maultiere.[1]
Der Name Poitevin leitet sich von seiner Entstehungsregion ab, dem Poitou. Die Zahl der Poitevins hat mit der Motorisierung stark abgenommen und heute ist diese Pferderasse vom Aussterben bedroht. Die laut 2025 aktuellen Bestandszahlen der FAO beziehen sich auf das Jahr 2021 und nennen insgesamt 1.541 Tiere.[2]
Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.
Exterieur
- Das Poitevin ist ein elegantes Kaltblut, das sehr langlebig und über 20 Jahre lang arbeitsfähig ist.
- Der lange Kopf ist grob und schwer mit ramsnasigem Profil[1]. Die Ohren sind stark und etwas unbeweglich. Die Augen sind tiefliegend und von schweren Lidern halb bedeckt.[1] Das Maul ist groß und hat weiche, hängende Lippen.[1]
- Der Hals ist kurz und gerade mit starken Ganaschen und verläuft in eine kurze, steile Schulter.[1] Die Brust ist breit und tief.
- Der Rumpf ist lang und großrahmig und die Rippen flach.
- Der Widerrist ist wenig ausgeprägt und verläuft in einen langen, geraden und starken Rücken.
- Die Kruppe ist etwas abgeschlagen, die Hüften sind breit und abstehend und der Schweif ist tief angesetzt.[1]
- Die Gliedmaßen sind stark und von üppigem, lockigem Behang bedeckt. Die Hinterbeine sind stabil und von großer Kraft, die Proportionen insgesamt gut.
- Die großen Tellerhufe sind rund und flach[1], wie für alte europäische Moorkaltblutrassen typisch.
- Das durchschnittliche Stockmaß liegt zwischen 1,60 m und 1,75 m. Dabei wird das Durchschnittsstockmaß für Stuten und Hengste mit 1,68 m angegeben, mit einem Durchschnittsgewicht für Stuten von 800 kg und 900 kg für Hengste.[2]
Der Schriftsteller Jacques Bujault bezeichnete das Poitivin-Pferd am Anfang des 19. Jahrhunderts als „Eine große Tonne auf vier starken Säulen.“.[1] Angeblich wurden kaum Versuche unternommen das Exterieur dieser Rasse zu verbessern, da laut bäuerlichem Aberglauben eine möglichst grobe und hässliche Poitevin-Stute zu einem großen kräftigen Maultier führte. Außerdem glaubte man, dass Eselhengste nur an solchen Stuten Gefallen fänden und sich willig mit ihnen paaren würden.[1]
Fellfarben
Die Rasse ist farblich nicht sehr einheitlich.[1] Die meisten Mulassier sind Falben mit Aalstrich und Zebrastreifen an den Beinen, in allen Schattierungen. Es gibt Grau-, Braun-, Maus- und Rotfalben. Aber auch alle anderen Grundfarben (Füchse, Rappen, Braune und Schimmel) sind vertreten, wenn auch in geringer Zahl. Das Poitevin ist eine der wenigen Pferderassen, welche auch Isabellen hervorbringt. Teilweise haben sie Stichelhaare; andere Abzeichen sind eher untypisch. Es sind alle Farben außer Schecken erlaubt.
Interieur
Das Poitevin ist ein arbeitswilliges, ehrliches und sanftes Pferd von ruhigem[3], fast trägem, phlematischem Temperament.[1] Sein Charakter wird als gutmütig und umgänglich beschrieben. Des Weiteren ist es ein unermüdlicher Arbeiter auf Ackern und vor Lastfuhrwerken.[1]
Zuchtgeschichte
König Heinrich IV. beauftragte 1599 holländische und flemische Ingenieure mit der Trockenlegung der Sumpfflächen von Poitou.[4] Diese brachten ihre Pferde, Friesen und belgische Kaltblüter, mit und kreuzten sie mit einheimischen Stuten. Aus dieser Kreuzung entstammt das sogenannte Poitevin.[3] Die Poitevin-Stuten wurden schließlich durch Kreuzung mit Poitou-Eseln dazu verwendet, eine große, rustikale Maultierrasse zu züchten, die Poitou-Maultiere.
Das Zuchtbuch für das Poitevin wurde 1884[2] von Société Centrale d’Agriculture des Deux-Sèvres eingerichtet[4]. Es beinhaltet sowohl die Poitevin-Pferde als auch die Poitou-Esel.[1] 1922 wurde es nach Aufnahme von 424 Hengsten geschlossen[5], um eine Reinzucht basierend auf der Fellfarbe und der Arbeitsleistung der Pferde zu ermöglichen.
Um 1900 brachte die Zucht jährlich etwa 6.000 bis 7.000 Poitou-Maultiere hervor. Mit zunehmender Motorisierung ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde tierische Zug- und Tragkraft jedoch allmählich überflüssig und die Nachfrage nach Poitevin-Pferden und Poitou-Maultieren sank.[1]
Um eine maximale genetische Vielfalt französischer Nutztierrassen zu erhalten, wird eine hohe Priorität auf den Erhalt der Rasse der Poitevins gelegt. Eine genetische Untersuchung von 1994 ergab, dass der gesamte Bestand der Mulassier einen gemeinsamen Vorfahren (Vater, Großvater, Urgroßvater) hat, den 1960 geborenen Deckhengst Quebec. Dadurch besteht ein erhebliches Risiko der Inzucht. Verwaltet von der UPRA wird seither ein Sicherungsplan zur Wiedergewinnung genetischer Variabilität umgesetzt.
Mit weniger als 100 Geburten im Jahr war die Rasse 2006 ein stark gefährdete französische Pferderasse.[4] 2011 wurden 71 Fohlen geboren.[4] Die Bestandszahlen von 1983 bis 2021 sind im Domestic Animal Diversity Information System der FAO einzusehen[2], wobei die Zuverlässigkeit der Daten bis inklusive 2001 als „unbekannt“ eingschätzt wird. Die ersten zuverlässigen Daten stammen von 2014 mit einem Bestand von 201 Tieren. Dann folgt ein Bestand von 1.439 Tieren im Jahre 2018, 1.403 Tieren im Jahre 2019, 1.467 Tieren im Jahre 2020 und zuletzt 1.541 Tieren im Jahre 2021 (Stand 2025). Die Bestandszahlen von 2018 bis 2021 werden als sehr zuverlässig eingeschätzt.[2]
Die Rasse wird vom Domestic Animal Diversity Information System der FAO als „endangered“ (zu Deutsch „gefährdet“) eingestuft (Stand 2025).[2]
Einsatzgebiete
Ursprünglich für die Zucht von Maultieren verwendet, wird das Poitevin heute oft als Kutschpferd, wenn Eleganz und Kraft gefragt sind, und unter dem Sattel wegen seiner ruhigen und sicheren Art verwendet. Vielseitig ist es sowohl für Zug- und landwirtschaftliche Arbeiten (z. B. zum Holzrücken) als auch in der Hippotherapie einsetzbar. Ab 1945 war die Fleischproduktion einer der wenigen wirtschaftlichen Gründe, welche zur Fortführung der Rasse beigetragen haben.[6]
Siehe auch
Weblinks
- private Seite: Eintrag in Pferderassen der Welt
- private Seite zum Poitevin
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o Jasper Nissen: Enzyklopädie der Pferderassen: Europa. Band 2: Island, Skandinavien, Grossbritannien, Irland, Frankreich. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-440-07132-8.
- ↑ a b c d e f DAD-is | Animal genetics | Food and Agriculture Organization of the United Nations. Archiviert vom am 7. Januar 2024; abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ a b The Poitevin horse. In: Royal Horse. Abgerufen am 9. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b c d Maurice Gainsbourg: Poitevin Horse Information, Origin, History, Pictures. In: HorseBreedsPictures.com. 16. Juni 2016, abgerufen am 9. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Chevaux du Monde: Poitevin Mulassier. Abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ Oatmeal Farm Network: About Poitevin Horses. Abgerufen am 9. November 2025 (englisch).