Pohl’n’Mayer

Pohl’n’Mayer war ein deutscher Verlag in Kaufbeuren in den Jahren 1977 bis 1990.

Geschichte

Der Kleinverlag wurde 1977 von Kurt Pohl (* 1954) und Karl-Heinz Mayer (* 1955) gegründet. Er ging aus der Literaturzeitschrift Deutschheft (1972 bis 1977, 10 Ausgaben) hervor, die ursprünglich von Kurt Pohl und seinem Bruder Claus Pohl gegründet wurde. Mayer stieß wenig später hinzu. Der Name „Deutschheft“ war doppelbödig gemeint. Er entwarf ein Gegenprogramm zu den damaligen Lehrinhalten im Deutschunterricht, deren Bandbreite von Goethe und Schiller bis allenfalls Kafka und Büchner reichte. Als Alternative wurden im Deutschheft Autoren wie u. a. Manfred Chobot, Peter Turrini, Peter Rosei, Charles Bukowski, Richard L. Wagner (s. u.), Wolf Wondratschek, Allen Ginsberg, Harold Norse oder Paul Wühr veröffentlicht.

Die Einflüsse aus der alternativen, US-amerikanischen Szene der Beat- und Popliteratur, sowie von österreichischen und deutschen Autoren, die sich in Opposition zur etablierten Lyrik und Prosa in Deutschland verstanden, prägten dann das Programm des Verlags Pohl’n’Mayer. Eine wichtige Rolle spielten überdies die Empfehlungen des Freundes und Mentors Benno Käsmayr vom maro Verlag, die etwa zum ersten Buch, dem Lyrikband „Die Ufer der salzlosen Karibik“ (1977) von Christoph Derschau (1938–1995) führten.

In ihrer Rolle als alternative, bewusst semiprofessionelle Verleger konnten Pohl und Mayer mit ein paar Autoren und Titeln bemerkenswerte Markierungspunkte zur deutschen und österreichischen Popkultur setzen. Hervorzuheben sind dabei der österreichische Autor Günter Brödl (1955–2000), dem laut Andrea Maria Dusl „Trainer“ der Wiener Kunstfigur Dr. Kurt Ostbahn, auch Ostbahn-Kurti genannt (und verkörpert vom Wiener Musiker Willi Resetarits). Brödl veröffentlichte zwei Bücher mit schnellen „Wiener Rockstories“ im Verlag. Mit dem Titel „Neonschatten“ setzte der junge Kaufbeurer Autor Richard L.Wagner ein rares Statement einer Szene, die sich als „Neue Deutsche Welle“ (NDW) vom Rock ’n’ Roll der 68er-Generation absetzte. Florian Völker skizziert Wagner in seinem Buch „Kälte-Pop“ (2023, S. 68) als eine Randfigur und literarischen Zeugen der NDW-Bewegung, die weniger den kühlen deutschen Pop propagiert, sondern an „der Welt und dem Verlust vergangener Utopien und Ideale“ leidet. Zwei weitere Hamburger Autoren zählten zu den Highlights des Verlags, Kiev Stingl und Daniel Dubbe. Der Punk-Musiker und Lyriker Kiev Stingl war zeit seines Lebens ein Enfant Terrible, ein „Desperado unter den deutschen Undergrounddichtern“ (planetlyrik.de), der sich selbst und dem Verlag seinen erfolgreichsten Lyrikband „Flacker in der Pfote“ schenkte. Daniel Dubbe, ein Szenefreund von Stingl, brachte im Verlag zunächst „Wilde Männer, wenig Frauen“ (1984) heraus. Dubbe ist zudem Übersetzer (Frédéric Beigbeder, H.P. Lovecraft) sowie Drehbuchautor („Kanakerbraut“), der neben vielen anderen Büchern ab 2010 mit seiner Hamburg-Tetralogie punktgenaue Portraits von Figuren der Hamburger Kultur-Szene abgeliefert hat. Über seine Mitarbeit bei maro entdeckte Pohl den Italoamerikaner John Fante, nicht zuletzt durch Querverweise seitens Charles Bukowski. Von Fante erschienen insgesamt vier Titel im Verlag bzw. Nachfolge-Verlag Kurt Pohl.

Nach ihrem Studium schlugen Pohl und Mayer Laufbahnen abseits ihres Verlags ein. Pohl war viele Jahre als Geschäftsführer eines Industriebetriebs für Druck und Informationsverarbeitung tätig, was ihm ein gewisses Sponsoring für Literarturprojekte erlaubte. Mayer als Geschäftsführer und Inhaber einer Münchner PR-Agentur. Schon 1996 stieg Mayer aus dem gemeinsamen Projekt aus, das seitdem als Verlag Kurt Pohl weiter besteht und – neben der Förderung von Daniel Dubbe – an der sporadischen Edition von seltenen Texten wie von Otto Roeld (einem der verbrannten Dichter) und Delmore Schwartz (einem Vorläufer der Beat-Literatur) arbeitet. Pohl widmet sich außerdem seiner Sammlung an antiquarischen Büchern (Booklooker) und befüllt sporadisch seinen Blog trooboox. Mayer ist inzwischen der Empfehlung von Janosch gefolgt, lebt in Panama und dient als gelegentlicher Sparringspartner von Pohl.

Wichtige Autoren und Bücher

  • Christoph Derschau: Die Ufer der salzlosen Karibik (1977)
  • Richard L. Wagner: Neonschatten (1978)
  • Günter Brödl: Click Clack, Tempo City (1978, 1982)
  • Kiev Stingl: Flacker in der Pfote (1979)
  • Daniel Dubbe: Wilde Männer wenig Frauen, Bessere Tage, Hart auf hart (1984, 1995, 2002)
  • John Fante: Warten auf Wunder, Unter Brüdern, Hau ab Bandini, Eine Braut für Dino Rossi (1984, 1984, 1987, 2002)
  • Delmore Schwartz: Der Traum vom Leben (2002)
  • Otto Roeld: Malenski auf der Tour (Reprint, 1986)