Glattrand-Schienenschildkröte

Glattrand-Schienenschildkröte

Glattrand-Schienenschildkröte in Medellín, Kolumbien

Systematik
ohne Rang: Sauropsida
Ordnung: Schildkröten (Testudines)
Unterordnung: Halswender-Schildkröten (Pleurodira)
Familie: Podocnemididae
Gattung: Podocnemis
Art: Glattrand-Schienenschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Podocnemis lewyana
(Duméril, 1852)

Die Glattrand-Schienenschildkröte (Podocnemis lewyana) ist eine Schildkrötenart aus der Familie der Podocnemididae.[1]

Lebensraum

Die Glattrand-Schienenschildkröte kommt in Teilen Südamerikas vor und ist im Norden und Westen Kolumbiens endemisch. Die Schildkröte kommt in den Departements Antioquia, Atlántico, Bolívar, Boyacá, Caldas, Cesar, Córdoba, Cundinamarca, La Guajira, Magdalena, Santander, Sucre und Tolima vor. Ein Exemplar wurde in Venezuela gefunden, aber es wurde wahrscheinlich von Tierhändlern eingeführt. Die Schildkröte bewohnt unter anderem die Flüsse Sinú, Magdalena, San Jorge und Cauca.[2]

Sie leben im Wasser in feuchten tropischen und subtropischen Wäldern in Süßwasserseen und -flüssen. Die Art wurde bis in eine Höhe von etwa 800 Metern über dem Meeresspiegel gefunden.[1]

Taxonomie

Die Art wurde erstmals 1852 von André Marie Constant Duméril definiert. Im Englischen wird die Schildkröte Rio Magdalena River Turtle genannt. Das Artepitheton lewyana ehrt den französischen Bankier M. Léwy, der das erste Exemplar der Art fand.[3][4]

Merkmale

Männchen und Weibchen besitzen einen Panzer aus braunen bis schwarzen Hornplatten ohne Flecken oder Streifen. Die maximale Panzerlänge beträgt etwa 40 cm. Der Kopf ist relativ klein, mit einer deutlichen Einkerbung zwischen Augen und Nasenlöchern. Die Schnauze ist relativ lang. Die Schildkröte hat zwei Barteln befinden am Hals. Die Kopfschuppen der Männchen sind graubraun, die der Weibchen eher rötlich-braun.[4]

Die Glattrand-Schienenschildkröte hat einen Geschlechtsdimorphismus, wobei die Weibchen deutlich größer und schwerer werden. Ausgewachsene Männchen erreichen durchschnittlich ein Gewicht von 1,6 kg und eine Länge von 24,6 cm, während Weibchen durchschnittlich 5,6 kg wiegen und eine Carapaxlänge von 37 cm aufweisen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei rund 15 Jahren in freier Wildbahn, in Gefangenschaft können sie teils deutlich älter werden.[5]

Paarung

Männchen erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis vier Jahren, Weibchen mit fünf bis sechs Jahren. Die Weibchen bauen ihre Nester in sandigen Flussufern im Flachwasser. Es gibt zwei Brutsaisons: eine von Dezember bis Januar und eine von Juni bis Juli. Ob einzelne Weibchen im selben Jahr in beiden Saisons brüten, ist nicht bekannt. Die meisten Eier werden in der zweiten Brutsaison gelegt.

Ein Gelege besteht durchschnittlich aus 22 Eiern, die jeweils 40 Millimeter lang und 34 Millimeter breit sind. Das Geschlecht wird durch die Temperatur bei der Brut beeinflusst. Bei einer Temperatur von 33,4 °C entwickeln sich gleich viele Männchen und Weibchen. Bei höheren Temperaturen entwickeln sich mehr Weibchen, bei niedrigeren Temperaturen schlüpfen mehr Männchen.[2]

Ernährung

Die Glattrand-Schienenschildkröte ernährt sich hauptsächlich von Pflanzen, frisst aber gelegentlich auch kleine Wirbellose wie Insekten. Jungtiere sind dafür bekannt, gelegentlich Fische zu fressen. Die Schildkröte kann außerdem Nahrung von der Wasseroberfläche aufnehmen, indem sie ihren Rachen weitet und Wasser einsaugt. Anschließend wird das Wasser wieder ausgestoßen und die Nahrung geschluckt.[2]

Schwimmverhalten

Die Glattrand-Schienenschildkröte verlässt das Wasser nur selten und kommt lediglich zum Eierlegen und Sonnenbaden an Land. Im Vergleich zu anderen Süßwasserschildkröten legt sie im Wasser große Strecken zurück. Ihr Streifgebiet umfasst 10,3–14,6 Hektar. Die zurückgelegten Strecken hängen von Geschlecht, Körpergröße, Nahrungsangebot, Lebensraumqualität, Jahreszeit, Alter und Lebensphase ab. Saisonale Wanderungen finden aufgrund des schwankenden Wasserstands oft statt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Glattrand-Schienenschildkröte immer mehr in tiefere Regionen schwimmt, vermutlich als Folge des Klimawandels.[1]

Erhaltungsstatus

Die Art wurde 2015 von der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft und gilt als die am stärksten gefährdete Art der Familie Podocnemididae. Innerhalb von weniger als 25 Jahren ist ihr Bestand um über 80 % zurückgegangen. Im Jahr 2018 galten 37 % aller in Kolumbien vorkommenden Süßwasser- und Landschildkrötenarten als gefährdet. Der Rückgang von Podocnemis lewyana wird auf Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung, übermäßige Entnahme von Eiern und Wildtieren zum Verzehr, kommerzielle Nutzung, durch Staudammbau bedingte Veränderungen des Flusspegels und den Klimawandel zurückgeführt.[1]

Schutzmaßnahmen

Die gängigste Schutzmaßnahme für die Glattrand-Schienenschildkröte, welche aktuell genutzt wird, ist das Sammeln von Eiern und die Aufzucht der Jungtiere in Gefangenschaft. Dies erhöht ihre Überlebenschancen in freier Wildbahn nach der Auswilderung deutlich. Das Tier wird weltweit zum Artenschutz auch in einigen Zoos gehalten.[1]

Commons: Podocnemis lewyana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies: Podocnemis lewyana – Artenverzeichnis

Einzelnachweise

  1. a b c d e Vivian Páez, Adriana Restrepo, Natalia Gallego-Garcia: IUCN Red List of Threatened Species: Podocnemis lewyana. In: IUCN Red List of Threatened Species. 1. Juli 2015 (iucnredlist.org [abgerufen am 27. November 2025]).
  2. a b c Conservation Biology of Freshwater Turtles and Tortoises (= Chelonian Research Monographs. Band 5). Chelonian Research Foundation, 2014, ISBN 978-0-9653540-9-7, doi:10.3854/crm.5.000.checklist.v7.2014 (iucn-tftsg.org [abgerufen am 27. November 2025]).
  3. Podocnemis lewyana. Abgerufen am 27. November 2025.
  4. a b Franck Bonin, Bernard Devaux, Alain Dupré: Turtles of the World. JHU Press, 2006, ISBN 978-0-8018-8496-2 (google.de [abgerufen am 27. November 2025]).
  5. Turtles of the World: Podocnemis lewyana. Archiviert vom Original am 6. September 2025; abgerufen am 27. November 2025 (englisch).