Plutonium Management and Disposition Agreement

Das Plutonium Management and Disposition Agreement (PMDA) ist ein bilateraler Abrüstungs- bzw. Rüstungskontrollvertrag bezogen auf Kernbrennstoffe (genauer: nur Plutonium) aus dem Jahr 2000 zwischen den USA und Russland.[1] Beide Nationen werden im folgenden Text und in den Verträgen als Seite oder Partei bezeichnet.

Der offizielle englische Name des Vertrag (angepasste Fassung) ist das englisch AGREEMENT BETWEEN THE GOVERNMENT OF THE UNITED STATES OF AMERICA AND THE GOVERNMENT OF THE RUSSIAN FEDERATION CONCERNING THE MANAGEMENT AND DISPOSITION OF PLUTONIUM DESIGNATED AS NO LONGER REQUIRED FOR DEFENSE PURPOSES AND RELATED COOPERATION.

Der Vertrag deckt auch den am 23. September 1997 geschlossenen Vertrag englisch Agreement Between the Government of the United States of America and the Government of the Russian Federation Concerning Cooperation Regarding Plutonium Production Reactors (PPRA) ab. Dabei geht es um die Stilllegung und Dekommissionierung der alten Produktionsreaktoren, z. B. die Hanford- oder ADE-Kernreaktoren.

Inhalte

Das PMDA-Abkommen regelt die Umwandlung (Verbrennung und damit Entsorgung) von waffenfähigem, nicht mehr benötigtem Plutonium aus den Beständen der Atomstreitkräfte der beiden Nationen in sogenannten MOX-Brennelemente, die zur Stromproduktion verwendet werden. In Russland kommt dafür der BN-600 Brutreaktor in Frage. Jede Seite bzw. Partei soll so 34 Tonnen Plutonium entsorgen.[2] Damit könnten schätzungsweise 17.000 Kernwaffen hergestellt werden. Insgesamt besitzen die USA ca. 90 Tonnen waffenfähiges Plutonium und Russland ca. 128 Tonnen.[3][4] Die USA haben im Namen der National Nuclear Security Administration (NNSA) dazu ein eigenes Programm Surplus Plutonium Disposition (SPD) aufgesetzt.[5] In Russland ist die zuständige Dachorganisation Rosatom.

Die Anhänge des PMDA-Abkommens regeln in Einzelform die verschiedene Aspekte der Plutonium-Abrüstung, z. B.

  • Mengen, Formen, Standorten und Entsorgungsmethoden
  • Technischen Spezifikationen
  • Wichtigen Programmelemente
  • Überwachung und Inspektionen
  • Unterstützung
  • Geistiges Eigentum

Hintergrund

Das PMDA-Abkommen befasst sich primär mit der Entsorgung des Kernbrennstoffs Plutonium. Die Großproduktion des Spaltstoffs Plutonium, welcher als Ausgangsmaterialien für den Bau von Atomwaffen gilt, fand im Allgemeinen zwischen 1945 und etwa 1996 statt. Mit dem Ende der Sowjetunion wurde ein weiteres Atomwaffen-Test-Moratorium, der CTBT-Vertrag, unterzeichnet, welcher den gesamten Entwicklungsbetrieb der Herstellung seit den 1990er Jahren in einen sogenannten Laborbetrieb verwandelte. Atomwaffen werden nicht mehr aktiv unter der Erde (vgl. die Nevada Test Site) getestet, sondern durch Erhaltungsmaßnahmen in ihrer Funktionalität bzw. der Erfüllung von Spezifikationen erhalten. Dies bedeutet jedoch nicht das vollständige Ende der Entwicklung und Produktion, wie es der TPNW-Abrüstungsvertrag fordert, aber bisher nicht erreicht hat.

Seit dem Ende des Kalten Kriegs wurden Produktionskapazitäten wie die Anlagen Hanford und Rocky Flats gestoppt, dekommissioniert und in großen Teilen bereits entsorgt. In Russland fand die Materialproduktion an mehreren Orten statt, darunter in den Anlagen Mayak, Schelesnogorsk und Tomsk. In diesem Zusammenhang können auch die Bestände an hochangereichertem Uran (HEU) erwähnt werden, die jedoch nicht im Vertrag erfasst oder geregelt werden. HEU wird beispielsweise im US-amerikanischen Y-12-Komplex sicher gespeichert und verwaltet.

Erwähnt sei auch, dass weitere Kernwaffenstaaten, darunter Frankreich und das Vereinigte Königreich, die allesamt auch als die fünf Besitzstaaten von Atomwaffen nach dem Atomwaffensperrvertrag bekannt sind, ihre Produktionskapazitäten und Arsenale im Zuge des CTBT-Moratorium heruntergefahren bzw. in Teilen deaktiviert haben (z. B. die britische V-Flotte). Auch die Volksrepublik China, ebenfalls ein Kernwaffenstaat nach dem Atomwaffensperrvertrag oder Nichtverbreitungsvertrag, hat seine Produktionskapazitäten Ende der 1990er Jahre gestoppt.[6] Die USA haben dem neuen Russland kurz nach dem Ende der Sowjetunion (und des Warschauer Pakts) mit einer umfassenden monetären (vgl. auch Nunn-Lugar Cooperative Threat Reduction Act und der 1998 Moskauer Gipfel[7]) und wissenschaftlichen Unterstützung („Lab to Lab“ unter Leitung von Sig Hecker) dabei geholfen, das Spaltmaterial, die Technologie und das Wissen dazu bestmöglich zu sichern. So wurde beispielsweise die Fissile Material Storage Facility (FMSF) in Majak errichtet, ein Hochsicherheitsspeicher für das Material, vgl. das nebenstehende Foto.

Es sei jedoch angemerkt, dass sich die internationale Sicherheitslage seit den großen Krisen und Kriegen (Coronapandemie, Russisch-Ukrainischer-Krieg und 12-Tage-Krieg) verändert hat, was einzelne der oben genannten Nationen zu neuen Maßnahmen, darunter auch Investitionen in die Sicherung des Erhalts der nuklearen Abschreckung, veranlasst (vgl. auch Aufrüstung). Diese Entwicklungen laufen neben dem PDMA-Abkommen ab bzw. bleiben davon unberührt. Eine Großproduktion wie damals ist ausgeschlossen bzw. nicht bekannt.

Stand und Entwicklungen

Der PMDA-Vertrag wurde am 1. September 2000 unterzeichnet.[8] Ein Abänderungsprotokoll wurde im April 2010 von den Außenministern unterzeichnet und trat am 13. Juli 2011 in Kraft. Zwei Protokolle zur Änderung des PMDA wurden am 15. September 2006 und am 13. April 2010 unterzeichnet. Diese beiden Protokolle traten ebenfalls am 13. Juli 2011 in Kraft.

Im Jahr 2016 plante die US-Regierung unter US-Präsident Obama aus Kostengründen, das eigene Plutonium nicht wie vereinbart in MOX-Brennelemente umzuwandeln, sondern mit nicht-radioaktivem Material zu verdünnen.[9] Einige Abrüstungsexperten kommentierten, dass die Verdünnung mit großem Aufwand rückgängig gemacht werden könnte.[3]

Am 3. Oktober 2016 ordnete der russische Präsident Putin an, das Abkommen zu suspendieren, da die US-amerikanische Seite ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sei.[10][11]

Nachdem der US-Präsident Trump im Jahr 2025 eine Reihe von Executive Orders (EO) zum Thema Kernenergie verabschiedet hat (siehe auch der Artikel Atomzeitalter), bietet das Department of Energy (DOE) rund 19,7 Tonnen Plutonium (oxidiert oder metallisch) kommerziellen Unternehmen an, die es als Brennstoff in Kernreaktoren der 3. oder 4. Generation verwenden möchten oder dafür Brennstoffe herstellen möchten.[12]

Siehe auch

Vertragstexte

Literatur

Primär

  • NAS Collective: Management and Disposition of Excess Weapons Plutonium: Reactor-Related Options. National Academies Press, Washington, D.C. 1995, ISBN 978-0-309-05145-3, doi:10.17226/4754 (englisch).
  • Anatoli Diakov: Disposition of Excess Russian Weapon HEU and Plutonium (= UNIDIR Resouces). UNIDIR, Geneva, CH 2012 (englisch, unidir.org [PDF]).

Sekundär

  • Sidney D. Drell: In the Shadow of the Bomb: Physics and Arms Control (= Masters of Modern Physics. Band 6). American Institute of Physics, New York, NY 1993, ISBN 978-1-56396-058-1 (englisch, archive.org).
  • Richard L. Garwin, Georges Charpak: Megawatts and Megatons. Alfred A. Knopf, New York 2001, ISBN 978-0-375-40394-1 (englisch, archive.org).
  • Richard Dean Burns: The Evolution of Arms Control: From Antiquity to Nuclear Age. Praeger Security International, Santa Barbara, CA 2009, ISBN 978-0-313-37574-3 (englisch, archive.org).
  • Simone Wisotzki, Ulrich Kühn: Crisis in arms control: an introduction. In: Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung. Band 10, Nr. 2, Oktober 2021, S. 183–194, doi:10.1007/s42597-022-00074-8 (englisch).

Einzelnachweise

  1. Russia, U.S. Sign Plutonium Disposition Pact. ACA, abgerufen am 18. Dezember 2025 (englisch).
  2. Labor Spiez: Plutonium – wohin damit? (Memento vom 5. Oktober 2016 im Internet Archive), August 2002.
  3. a b Pavel Podvig: Can the US-Russia plutonium disposition agreement be saved? (Memento des Originals vom 26. Oktober 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/thebulletin.org Bulletin of the Atomic Scientists, 28. April 2016.
  4. Anatoli Diakov: The History of Plutonium Production in Russia. In: Science & Global Security. Band 19, Nr. 1, 25. April 2011, ISSN 0892-9882, S. 28–45, doi:10.1080/08929882.2011.566459 (englisch, tandfonline.com [abgerufen am 18. Dezember 2025]).
  5. Surplus Plutonium Disposition fact sheet. DOE, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  6. Hui Zhang: China's HEU and Plutonium Production and Stocks. In: Science & Global Security. Band 19, Nr. 1, 25. April 2011, ISSN 0892-9882, S. 68–89, doi:10.1080/08929882.2011.566469 (englisch, tandfonline.com [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  7. Mayak Fissile Material Storage Facility - The 1998 Moscow Summit. In: James Martin Center for Nonproliferation Studies. 31. August 1998, abgerufen am 19. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. 2000 Plutonium Management and Disposition Agreement (Memento des Originals vom 4. Oktober 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.state.gov / State.gov, Office of the Spokesman, 13. April 2010
  9. Obama seeks to terminate MOX project at Savannah River. WNN, 10. Februar 2016, abgerufen am 18. Dezember 2025 (englisch).
  10. Указ Президента Российской Федерации от 03.10.2016 № 511 ∙ Официальное опубликование правовых актов. Archiviert vom Original am 15. Mai 2025; abgerufen am 18. Dezember 2025 (russisch).
  11. Russia suspends weapons-grade plutonium deal with US. In: BBC News. 3. Oktober 2016 (englisch, bbc.com [abgerufen am 18. Dezember 2025]).
  12. Surplus plutonium for power reactor fuel: What’s on offer. ANS, 27. Oktober 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025 (englisch).