Plagiophthalmosuchus

Plagiophthalmosuchus

Holotypus von Plagiophthalmosuchus gracilirostris.

Zeitliches Auftreten
Unterjura (Toarcium)
182,7 bis 174,1 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Archosauria
Pseudosuchia
Crocodylomorpha
Thalattosuchia
Plagiophthalmosuchus
Wissenschaftlicher Name
Plagiophthalmosuchus
Johnson et al., 2020
Arten
  • Plagiophthalmosuchus gracilirostris

Plagiophthalmosuchus (von altgr. plágios = "seitlich", ofthalmos = "Auge" und soukhos = "Krokodil") ist eine Gattung ausgestorbener Meereskrokodile (Thalattosuchia) aus dem Unterjura von Europa. Die einzige bekannte Art ist Plagiophthalmosuchus gracilirostris.[1]

Beschreibung

Plagiophthalmosuchus ist von mindestens einem zusammenhängenden Skelett und drei weiteren Schädeln aus dem Alum Shale bei Whitby sowie einem weiteren Schädel aus Bettemburg bekannt.[1] Ein weiteres Skelett aus dem Posidonienschiefer von Baden-Württemberg könnte ebenfalls zur Gattung gehören.[2] Die Schnauze von Plagiophthalmosuchus war im Vergleich zu den meisten anderen Meereskrokodilen stark verlängert, die Augenhöhlen waren zur Seite hin ausgerichtet. Die Gattung ähnelt hierbei dem frühen Metriorhynchoid Pelagosaurus.

Weitere charakteristische Merkmale von Plagiophthalmosuchus sind das recht große Antorbitalfenster, sowie einige Besonderheiten des Hirnschädels und Unterkiefers[1]

Systematik

Die Fossilien wurden von Frank Westphal 1961 zuerst als Steneosaurus gracilirostris benannt.[3] Die Gattung Steneosaurus wird mittlerweile allerdings als "Papierkorb-Taxon" gesehen.[4] Die Art wurde von Johnson et al. im Jahr 2020 entsprechend in eine eigene Gattung gestellt.[1]

Plagiophthalmosuchus stand nahe an der Basis der Thalattosuchia und dabei wohl außerhalb der Neothalattosuchia. Nach einigen anderen Analysen könnte er auch an der Basis der Teleosauroidea gestanden haben.[5]

Gekürztes Kladogramm nach Young et al. (2024):[5]

 Thalattosuchia 

Turnersuchus


   

Plagiophthalmosuchus


 Neothalattosuchia 

Teleosauroidea


   

Metriorhynchoidea





Alternatives Kladogramm aus der gleichen Quelle mit Plagiophthalmosuchus an der Basis der Teleosauroidea:

 Neothalattosuchia 

Metriorhynchoidea


 Teleosauroidea 

Plagiophthalmosuchus


   

Teleosauridae


   

Machimosauridae





Paläobiologie

Plagiophthalmosuchus wird im Vergleich zu anderen Meereskrokodilen aufgrund seiner verlängerten Schnauze, seitlich angeordneten Augen und Zahnform als spezialisierter Fischfresser gesehen.[1][6] Ähnlich den meisten Teleosauriden und frühen Machimosauriden konnte Plagiophthalmosuchus wahrscheinlich schnell, aber nur relativ schwach zubeißen. Beutetiere wurden schnell gefangen, es dauerte aber wohl eine gewisse Zeit bis diese überwältigt und verschluckt werden konnten.[6]

Fossilien von Plagiophthalmosuchus sind häufiger in den britischen Toarcium-Schichten als in den gleichalten Gesteinen von Kontinentaleuropa zu finden. Dort kann stattdessen oft der wahrscheinlich ökologisch ähnliche Metriorhynchoid Pelagosaurus nachgewiesen werden.[2]

Referenzen

  1. a b c d e Johnson, M. M., Young, M. T., & Brusatte, S. L. (2020). The phylogenetics of Teleosauroidea (Crocodylomorpha, Thalattosuchia) and implications for their ecology and evolution. PeerJ, 8, e9808. doi:10.7717/peerj.9808
  2. a b Johnson, M. M., Sachs, S., Young, M. T., & Abel, P. (2025). A re-description of the teleosauroid Macrospondylus bollensis (Jaeger, 1828) from the Posidonienschiefer Formation of Germany, PalZ, 99(2), 151-176. doi:10.1007/s12542-024-00712-x
  3. Westphal, F. (1961). Zur Systematik der deutschen und englischen Lias-Krokodilier. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, 113, 207-218.
  4. Johnson, M. M., Young, M. T., & Brusatte, S. L. (2020). Emptying the wastebasket: a historical and taxonomic revision of the Jurassic crocodylomorph Steneosaurus. Zoological Journal of the Linnean Society, 189(2), 428-448. doi:10.1093/zoolinnean/zlaa027
  5. a b Young, M. T., Wilberg, E. W., Johnson, M. M., Herrera, Y., de Andrade, M. B., Brignon, A., Sachs, S., Abel, P., Foffa, D., Fernàndez, M. S., Vignaud, P., Cowgill, T., & Brusatte, S. L. (2024). The history, systematics, and nomenclature of Thalattosuchia (Archosauria: Crocodylomorpha). Zoological Journal of the Linnean Society, 200(2), 547-617. doi:10.1093/zoolinnean/zlad165
  6. a b Johnson, M. M., Foffa, D., Young, M. T., & Brusatte, S. L. (2022). The ecological diversification and evolution of Teleosauroidea (Crocodylomorpha, Thalattosuchia), with insights into their mandibular biomechanics. Ecology and Evolution, 12(11), e9484. doi:10.1002/ece3.9484