Place Saint-Louis (Metz)
| Place Saint-Louis | |
|---|---|
| Platz in Metz | |
Ensemble an der Place Saint-Louis im Jahr 2014 | |
| Basisdaten | |
| Ort | Metz |
| Ortsteil | Metz Centre |
| Einmündende Straßen | Rue Royale, Rue du Grand Clerf, Rue de la Tête d'Or, Rue du Change, Place Saint-Simplice, Rue de l'Abreuvoir |
Koordinaten: 49° 6′ 58,7″ N, 6° 10′ 44″ O
Die Place Saint-Louis (deutsch veraltet auch: Ludwigsplatz) ist ein Platz in der französischen Stadt Metz im Département Moselle in der Region Grand Est.
Lage
Die Straße liegt unterhalb des Hügels Sainte-Croix, wo die Hauptachsen der Metzer Fußgängerzone zusammenlaufen. Sämtliche Häuser sind durch einen Zinnenkranz gekrönt und besitzen Balkonvorsprünge aus der Zeit der Renaissance.
Markant an dem Platz sind auch die Arkaden im Parterre, die seit dem Mittelalter bestehen. Dadurch entsteht eine Galerie, die beidseitig den Platz säumt. Innerhalb dieser befinden sich bis heute diverse Gastronomiebetriebe und Geschäfte.
Namensherkunft
Der Platz ist nach dem Französischen König Ludwig IX., der sich selbst mit dem Beinamen Saint Louis betitelte, benannt.
Geschichte
Die römische Stadtmauer von Divodurum passierte im 3. Jahrhundert die heutige Place Saint-Louis. Im 13. Jahrhundert wuchs die Stadt aber über die historischen Anlagen und Stadtgrenzen, und es entstand eine neue Vorstadt, die Teil von des von einer neuen mittelalterlichen Stadtmauer umgebenen Metz war. In dieser Zeit siedelten sich auch Bankiers in Metz nieder, die in der Mehrzahl aus der Lombardei stammten, sodass sie sich Häuser errichten ließen, die an ihre römisch-italische Heimat erinnerten und entsprechend mit Arkaden ausgestattet waren. Insgesamt soll es hier im 14. Jahrhundert über 60 Bankiers gegeben haben. Dank dieser entwickelte sich der Platz zunächst zum wichtigen Marktplatz und später auch zu einem über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Standort für Jahrmärkte und Messen.
In den nachfolgenden Jahrhunderten ließ der Pfarrer der einst angrenzenden Kirche Saint-Simplice, die im Zuge der Französischen Revolution zerstört wurde, eine Statue zu Ehren des französischen Königs Ludwig XIII. errichten. Da sie später als Darstellung von Saint Louis fehlinterpretiert wurde, wurde der Platz anschließend nach eben diesem benannt und trägt diesen Namen so bis heute.
1867 ließ der Bildhauer Charles Pêtre eine neue Statue von Louis IX auf dem Platz realisieren, um die Symbolik und historische Traditionen deshalb miteinander zu vereinen. Sie steht an einem der Ausläufer des Platzes, wo die Rue du Change beginnt.
Im 20. Jahrhundert diente die Place Saint-Louis lange Zeit als Parkplatz. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde der Platz jedoch umgestaltet und restauriert, wobei die Arbeiten im Jahr 2007 abgeschlossen wurden. Der Platz wurde damit Teil der großen neuen Metzer Fußgängerzone. In unmittelbarer Nähe entstand allerdings eine Tiefgarage, die über das städtische Parkleitsystem gut erreichbar ist.
Im Winter und zur Weihnachtszeit findet auf der Place Saint-Louis ein Teil des Metzer Weihnachtsmarktes statt, der sich über die ganze Stadt verteilt.[1]
Außerdem entstand 2007 ein Quartiersverein.[2]
Gebäude und Denkmäler am Platz
Wie viele Gebäude in Metz aus der Zeit des Mittelalters Metz haben auch die Gebäude an der Place Louis niedrige Dächer, ihre Neigung bleibt in der Regel unter 30 Grad, da sie meist mit Hohlziegeln gedeckt sind. Aufgrund der Ähnlichkeit durch ihre vierkantige Form werden sie als „Diamantspitzen“ bezeichnet; allerdings sie sind von der Place aus kaum sichtbar. Zudem liegen die Dächer leicht zurückversetzt hinter den Dachrinnenwänden, die eine Art Schirm zwischen Boden und Himmel bilden. Diese Fassaden, die höher aufragen als die Dächer, verleihen den Gebäuden ein monumentales Aussehen, zu dem häufig auch ein Zinnenkranz beiträgt, der hier allerdings nur rein dekorativen Charakter hat.
Diese zinnenbekrönten Mauern zeigen den Reichtum und die gesellschaftlichen Ansprüche ihrer Besitzer und eine Orientierung an aristokratischen Vorbildern. Wahrscheinlich wurden die Gebäude hinsichtlich ihrer Gestaltung hierbei von den Palästen der italienischen Gotik inspiriert. In Siena oder San Gimignano übernahmen Fürsten und Mächtige das architektonische Motiv der Zinne von den Wehrburgen, um es als ornamentales Schmuckelement in ihren repräsentativen Palästen zu verwenden. Und auf ähnliche Weise hat sich die Metzer Bürgerschaft an diesen Gebäuden orientiert, insbesondere beim Hôtel Saint-Livier und dem Getreidespeicher von Chèvremont.
Die meisten Häuser verfügen nicht über mehr als zwei Fensterachsen. Dass sie so schmal sind, lässt sich auf die begrenzte Spannweite der Arkaden der überdachten Galerie zurückzuführen. Im Allgemeinen sind die Gebäude viergeschossig: Dabei befinden sich im Erdgeschoss die Läden (heute zumeist Cafés), in den ersten beiden Stockwerken die Salons und im dritten Stock die Schlafräume, die durch kleinere Fenster beleuchtet werden.
Die Fassaden wurden im 16. Jahrhundert verändert, daher die rechteckige Form der Öffnungen, die oft von einem flachen Bogen überfangen werden. Dennoch sind noch einige Fenstertympanions mit Dreipassform zu erkennen, die das ursprüngliche Aussehen erahnen lassen.[3] Ebenfalls in dieser Zeit wurde die Rue de la Tête-d’Or angelegt.[4]
-
Platz im Jahr 2007, nach einer Neugestaltung
-
Mittelalterliche Arkadenfassaden im Februar 2009
-
Cafés am Platz im März 2014
-
Nordteil des Platz mit Gebäuden mit Renaissance-Balkonen
-
Die markanten Travées an den Fensteröffnungen der Gebäudefassaden stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die Dächer sind in „Diamantspitzen“-Form gestaltet. Man erkennt die Gestalt eines Turms, der an der Rückseite der dritten Fassade sichtbar ist und Spuren der alten römischen und mittelalterlichen Mauer trägt.
-
Statue des Namensgebers Saint-Louis.
Trivia
An einem der Häuser ist in der Wand eine Hand eingraviert. Diese Hand zeigt auf das Haus des Handschuhmachers, welcher von einem Deutschen während eines Treffens geohrfeigt wurde. Im Prozess gewann er schließlich, und der Deutsche wurde verurteilt, ihm 300 Mark zu zahlen. Der Franzose lehnte das Geld ab, aber bat um die Erlaubnis, in Erinnerung an das Ereignis eine Hand an seinem Haus anzubringen.[5]
Literatur
- Auguste Prost: «Inscription antique de la place Saint-Louis et plaque de cheminée du XVII. siécle», «Le monument de Juvenalia Juvenca dans l’ancienne maison du notaire Bounac, place Saint-Louis», In: Bulletin de la Société d’archéologie et d’histoire de la Moselle, 1870, Seiten 81–83.
- André Jeanmaire: «10. En flânant sur la place Saint-Louis», In: Vieux Metz, Zalc, Band 12, 1968–1983.
Einzelnachweise
- ↑ Weihnachtliche Inspiration. In: Office de Tourisme Metz. Abgerufen am 23. Februar 2025.
- ↑ Site de l’association Quartier Saint-Louis
- ↑ La place Saint-Louis – Mairie de Metz. In: Mairie de Metz – « Découvrir > Quartier Centre > Saint-Louis ». Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Rue de la Tête-d’Or – Autour des Arènes de Metz Sablon. In: Promenade Temporelle. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Metz au Moyen Âge — La place Saint-Louis