Piotr Nowina-Konopka
Piotr Nowina-Konopka (* 27. Mai 1949 in Chorzów; † 13. Juni 2025 in Nowa Iwiczna, Powiat Piaseczyński) war ein polnischer Hochschullehrer und Politiker (UD, UW). Er engagierte sich in den 1980er Jahren in der Solidarność-Bewegung und war von 1991 bis 2001 Mitglied des Sejm in der der I., II. und III. Wahlperiode. Von 1989 bis 1990 war er Staatsminister beim polnischen Präsidenten, von 1999 bis 2004 Vizerektor des College of Europe und von 2013 bis 2016 polnischer Botschafter beim Heiligen Stuhl.
Leben
Ausbildung, Wissenschaft und Persönliches
Piotr Nowina-Konopka schloss 1972 ein Studium der Verkehrwirtschaft an der Wirtschaftshochschule Sopot der Universität Danzig ab und wurde dort 1978 in Wirtschaftswissenschaft promoviert. Von 1972 bis 1974 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Danzig und von 1978 bis 1989 war er Assistenzprofessor am Institut für Außenhandelsökonomie der Universität Danzig. Er leitete von 1976 bis 1978 das Zentrum der Seerechtskammer in Gdynia. Sodann war er von 1988 bis 1989 Professor für katholische Sozialwissenschaft am Theologischen Institut Danzig.[1]
Von 1999 bis 2004 war er Vizerektor des College of Europe und als dieser besonders verantwortlich für den Campus Natolin.
2006 lehrte er als Professor am Giedroyć-College in Warschau und unterrichtete dort Verhandlungsführung und Mediation in internationalen Konflikten. Von 2006 bis 2010 war er Co-Direktor des Europäischen Zentrums für Parlamentarische Wissenschaft und Dokumentation.
Nowina-Konopka verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit und wurde auf dem Waldfriedhof in Laski beigesetzt.[2] Er war verheiratet und hatte zwei Kinder. Seine Schwägerin Halina Nowina Konopka war ebenfalls Sejm-Abgeordnete.
Werdegang und Wirken
Nowina-Konopka gründete Anfang der 1980er den Klub der katholischen Intelligenz in Danzig und war Generalsekretär des Klubs. Zudem trat er der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność bei und brachte sich dort als Wirtschaftsexperte ein. Während der 1980er Jahre arbeitete er mit dem Solidarność-Vorsitzenden Lech Wałęsa zusammen und fungierte als dessen Pressesprecher. So begleitete er auch die Arbeit am Runden Tisch.[3]
Auf Vorschlag von Solidarność war er von 1989 bis 1990 Staatsminister in der Kanzlei des polnischen Präsidenten, Wojciech Jaruzelski. Zu seinen Aufgaben gehörten die Reform der Kommunalverwaltung sowie Kontakte zu politischen Parteien, dem Parlament, Kirchen und Gewerkschaften.
Nowina-Konopka war von 1991 bis 2001 Mitglied des polnischen Sejm für den Wahlkreis der damaligen Woiwodschaft Radom. Bei den Parlamentswahlen 1991[4] und 1993[5] wurde er für die Unia Demokratyczna (UD), die er mitbegründet hatte, gewählt. Nach der Fusion der UD mit dem Kongres Liberalno-Demokratyczny zur Unia Wolności wurde er 1997 für diese gewählt.[6] Er war zudem Generalsekretär der UD. Außerdem war er Vorsitzender und später stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für europäische Integration und Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des Sejm.[7]
Während der Regierung von Jerzy Buzek war Nowina-Konopka Staatssekretär und stellvertretender Vorsitzender des Komitees für europäische Integration. Außerdem fungierte er als stellvertretender Chefunterhändler für Beitrittsverhandlungen Polens zur Europäischen Union. Aufgrund eines Konflikts mit Ryszard Czarnecki wechselte er als Staatssekretär in die Kanzlei des Premierministers und blieb dort bis März 1999 Mitglied des Beitrittsteams. Nach 2001 zog er sich aus der aktiven Politik zurück, unterstützte jedoch noch 2005 die Gründung der Partia Demokratyczna – demokraci.pl.[8]
Im Jahr 1991 initiierte er die Gründung der polnischen Robert-Schuman-Stiftung zur Förderung der europäischen Integration mit und war Mitglied im Gründungsvorstand, Vorsitzender des Programmbeirates und schließlich von 2005 bis 2006 Präsident der Stiftung. Sodann beriet er von 2005 bis 2006 das Parlament Georgiens als führender internationaler Experte bei der europäischen Integration. Ab 2006 arbeitete er als erster Pole in Führungsposition im Europäischen Parlament; zunächst war er Direktor für die Beziehungen zu den nationalen Parlamenten und ab 2009 übernahm er Leitung der Beziehungen zum US-Kongress. Er organisierte das Büro des Europäischen Parlamentes (EPLO) in Washington, D.C., das 2010 offiziell eröffnet wurde er bis 2012 leitete.
Nowina-Konopka war von 2013 bis 2016 Botschafter Polens beim Heiligen Stuhl und beim Malteserorden und trat anschließend in den Ruhestand ein.
Auszeichnungen (Auswahl)
- polnischer Orden Polonia Restituta (Offizer)
- französische Ehrenlegion (Ritter)
- französischer Ordre national du Mérite (Ritter)
- Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (1. Verdienstkreuz)
- belgischer Orden Leopolds II. (Großkreuz)
- päpstlicher Piusorden (Großkreuz)
Weblinks
- Piotr Nowina-Konopka auf der Website des polnischen Parlamentes (polnisch)
- Piotr Nowina-Konopka in der Solidarność-Enzyklopädie (polnisch)
Einzelnachweise
- ↑ Zmarł Piotr Nowina-Konopka, poseł na Sejm I, II i III kadencji. Sejm, abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Zmarł Piotr Nowina-Konopka, b. ambasador RP przy Stolicy Apostolskiej. niedziela.pl, 13. Juni 2025, abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Nowina-Konopka Piotr. Solidarność-Enzyklopädie, abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Ergebnis in Monitor Polski 1991, Nr. 41, S. 440.
- ↑ Ergebnis in Monitor Polski 1993, Nr. 50, S. 715.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ Piotr Nowina-Konopka. Sejm, abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Piotr Nowina-Konopka. Człowiek, któremu było za mało. weiz.pl, 18. Juni 2025, abgerufen am 27. Dezember 2025.