Pinhas Delougaz

Pinhas Pierre Delougaz (* 30. Juni 1901 in Kiew, Russisches Kaiserreich; † 10. Januar 1975 in Los Angeles, Vereinigte Staaten) war ein US-amerikanischer vorderasiatischer Archäologe französisch-russischer Herkunft. Er war bekannt für seine architektonischen Analysen und akribischen Ausgrabungen in der Diyala-Region im Irak, die halfen, eine grundlegende chronologische und typologische Abfolge für Mesopotamien im dritten Jahrtausend v. Chr. zu erstellen.

Leben und Karriere

Delougaz wurde in eine jüdische Familie geboren.[1] Seine Mutter war Französin, sein Vater Russe.[2] Während der Oktoberrevolution floh die Familie nach Istanbul und später, 1921, nach Paris. Delougaz, der bereits ein Architekturstudium in Moskau begonnen hatte, setzte dieses an der Beaux-Arts de Paris fort.[1] 1923 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, wo er später eingebürgert wurde. Hier schloss er 1928 sein Architekturstudium an der University of California, Berkeley ab.[2][1] Ursprünglich wollte er sich auf das Theater spezialisieren, wurde aber durch einen Vortrag des Ägyptologen Herbert E. Winlock für die Archäologie begeistert.[1] Ein Stipendium ermöglichte ihm 1930 die Teilnahme an den Ausgrabungen in Tell Billah (bei Baschiqa) im Irak, wo er den Direktor des Projekts, Henri Frankfort, mit seinen zeichnerischen Fähigkeiten beeindruckte. Frankfort holte ihn daraufhin 1931 als Architekten und Surveyor zu den bahnbrechenden Iraq Expedition (OI Chicago) des Oriental Institute der University of Chicago im Diyala-Gebiet.[2][1] Diese Arbeit bildete die Grundlage für seine lebenslange Forschung zur frühen Urbanisierung und Architektur Mesopotamiens.

Während des Zweiten Weltkriegs diente Delougaz in der U.S. Army und war unter anderem für die Erstellung von Geländemodellen für die Invasion in der Normandie verantwortlich.[1] Nach dem Krieg kehrte er zum Oriental Institute zurück. 1955 wurde er dort Assistenzprofessor und später Associate Professor. 1965 wechselte er an das Department of Near Eastern Languages and Cultures der University of California, Los Angeles (UCLA), wo er bis zu seinem plötzlichen Tod durch einen Herzinfarkt im Jahr 1975 lehrte und forschte.[2][1]

Archäologische Arbeit und Bedeutung

Delougaz’ größter Beitrag zur Vorderasiatischen Archäologie war die Verbindung seiner architektonischen Expertise mit der archäologischen Feldarbeit. Seine Ausbildung ermöglichte es ihm, detaillierte und genaue Rekonstruktionen antiker Gebäude aus ihren oft fragmentarischen Grundrissen zu erstellen. Er legte Wert auf Präzision, vollständige Dokumentation und die Publikation der Grabungsergebnisse.[1]

Als rechte Hand von Henri Frankfort war Delougaz für die gesamte architektonische Aufnahme der Fundorte Tell Asmar (Ešnunna), Ḫafāǧī und Tell Agreb verantwortlich. Seine stratigraphischen Beobachtungen und die minutiöse Dokumentation von Architektur und Keramik waren entscheidend für die Etablierung der frühdynastischen Abfolge I–III in Mesopotamien.[1] Sein Buch Pottery from the Diyala Region von 1952 wurde ein Standardwerk für die Keramiktypologie Nordmesopotamiens.

Gemeinsam mit Thorkild Jacobsen führte er den ersten systematischen, archäologischen Survey im Irak durch. Diese Studie, die Siedlungsmuster einer gesamten Region über Jahrtausende hinweg erfasste, wurde zum Vorbild für viele spätere landschaftsarchäologische Projekte.[2]

Seine Arbeiten zur mesopotamischen Architektur gelten als sein Hauptwerk. In The Temple Oval at Khafajah (1940) analysierte er einen der besterhaltenen frühdynastischen Tempelkomplexe. Sein monumentales, zweibändiges Werk The Architecture of the Diyala Region (1967–68) bietet eine umfassende typologische und historische Analyse der ausgegrabenen Bauwerke und ist ein Referenzwerk.[2][1]

In seinen späteren Jahren widmete er sich der Publikation der Tontafeln aus Tell Asmar und leitete Ausgrabungen in Tell al-Wilaya. An der UCLA beeinflusste er eine neue Generation von Archäologen durch seine akribische Lehre und forderte seine Studenten stets zu höchster Genauigkeit und klarer Argumentation auf.[1]

Schriften (Auswahl)

  • Pinhas Delougaz: The Temple Oval at Khafājah (= Oriental Institute Publications 53). Chicago: Chicago University Press, 1940. (online)
  • Pinhas Pierre Delougaz & Helene J. Kantor: Chogha Mish. Volume I. The First Five Seasons of Excavations 1961–1971. (= Oriental Institute Publications Bd. 101). Oriental Institute of the University of Chicago, Chicago 1996 Text, PDF Plates, PDF
  • Pinhas Delougaz: Pottery from the Diyala Region (Oriental Institute Publications 63), Chicago: University of Chicago Press, 1952.
  • Pinhas Delougaz & Seton Lloyd: Pre-Sargonid Temples in the Diyala Region (Oriental Institute Publications 58), Chicago: University of Chicago Press, 1942.
  • Pinhas Delougaz & Thorkild Jacobsen: The Reconnaissance of the Central Diyala Basin, Chicago: University of Chicago Press, 1960.
  • Pinhas Delougaz: The Architecture of the Diyala Region (2 Bände), Chicago: University of Chicago Press, 1967–1968.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k Nachruf
  2. a b c d e f Encyclopædia Iranica
Commons: Pinhas Delougaz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien