Pietro Melandri

Pietro Melandri (* 24. Juli 1885 in Faenza; † 25. Oktober 1976 ebenda) war ein italienischer Keramiker, Maler und Dekorateur.

Leben

Pietro Melandri war der Sohn von Agostino und Colomba Grilli. Er schrieb sich in Faenza für die Abendkurse der Kunst- und Handwerksschule von Antonio Berti ein und arbeitete gleichzeitig als Lehrling in der Keramikfabrik der Brüder Minardi, Venturino und Virginio. Dort beschäftigte er sich zwischen 1897 und 1905 mit Glasuren und Lüsterfarben, die für die Keramikproduktion in Mittelitalien zu Beginn des 20. Jahrhunderts typisch waren. Zur gleichen Zeit lernte er Domenico Baccarini kennen und schloss sich dessen Zirkel an. Nach einem Aufenthalt in Salerno, wo er Wanddekorationen anfertigte, ging er 1906 nach Mailand. Dort besuchte er Abendkurse in Bühnenbildgestaltung an der Accademia di Brera sowie Kurse in Angewandter Kunst am Castello Sforzesco. Er finanzierte sein Studium durch die Mitarbeit an der Dekoration von Bühnenbildern. 1906 debütierte er auch als Maler und Pastellzeichner bei einer von der „Società per il risveglio cittadino“ organisierten Ausstellung in Faenza. 1908 schickte er Gemälde zur Esposizione Torricelliana. 1916 wurde er zum Militärdienst einberufen, diente im Bersaglieri-Korps, geriet in Gefangenschaft und wurde in ein Lager an der Grenze zu Ungarn deportiert.

Die Keramikfabriken und die ersten Ausstellungen

Ende 1918 kehrte er nach Faenza zurück und wurde zunächst Direktor der Fabrik „Minardi“. Im Jahr 1919 gründete er zusammen mit Paolo Zoli, Francesco Nonni und dem Chemiker Ottorino Poli die Kunstkeramikwerkstatt „La Faience“. Diese spezialisierte sich auf vom Jugendstil und der Wiener Secession inspirierte, mit Metallglanz verzierte Objekte. Das Markenzeichen dieser Firma ist ein vierteiliger Kreis mit den Initialen „M“ und „Z“ sowie vier Schlangenlinien.

1919 präsentiert Melandri auf einer von der Gesellschaft „Arte e Cultura“ organisierten Ausstellung im Palazzo Strozzi in Florenz Keramiken mit Metallglanz. Nachdem sich Paolo Zoli aus dem Unternehmen zurückgezogen hatte, übernahmen Melandri und Francesco Nonni im Jahr 1920 die „Calzi Ceramiche“ von Achille Calzi in der Via Roma Nuova in Faenza und sicherten sich die Zusammenarbeit mit Arturo Martini. In dieser Zeit fertigte Nonni schlanke und geschmeidige Tänzerinnen aus Keramik im reinen Art-déco-Stil. Pietro hingegen schuf von Baccarini inspirierte Objekte und übertrug die Modelle La meretrice (Die Dirne) und Il cavallino innamorato (Das verliebte Pferdchen), die Arturo Martini während seines Aufenthalts in Faenza geschaffen hatte, in Majolika.

1921 nahm Melandri mit seinen Keramiken an der I. Biennale in Rom teil und kontaktierte den Industriellen Umberto Focaccia aus Ravenna. Dieser erwarb 1922 Räumlichkeiten, die zuvor der Firma „Minardi“ gehört hatten, um dort eine neue Fabrik namens „Melandri & Focaccia“ zu gründen. Er übertrug Melandri die künstlerische Leitung. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Faenza in der Via Baccarini 29/a und produziert die sogenannten senatoriali sowie Teller im traditionellen Stil mit klassischen Renaissance-Dekorationen.

Die hergestellten Keramiken sind mit einem in einem Kreis eingeschlossenen Falken sowie den Initialen „F M.“ gekennzeichnet. Melandri nahm 1923 und 1925 an den Biennalen von Monza teil. Zwischen 1924 und 1925 schuf er den pompejanischen Tempel „Fonte Littoria“ im Park der Thermen von Castrocaro sowie eine große Keramikvase mit Meeresmotiven für das Krankenhaus von Faenza. Dort war 1929 auch Melandris großes Dekorationspanel Madonna del Roseto zu sehen. 1924 erhielt er die Goldmedaille bei der I. Biennale der Kleinindustrie und des Handwerks in Florenz. Im Jahr 1929 restaurierte er außerdem die Rocca delle Camminate für Benito Mussolini und kreierte für Gabriele D’Annunzio Geschenke für seine Gäste.

1925 waren Melandris Keramiken auf der Exposition Arts Décoratifs in Paris ausgestellt, 1930 waren sie auf der Triennale in Mailand und der Weltausstellung in Barcelona zu sehen.

1931 beginnt die Zusammenarbeit mit Gio Ponti für die Innenausstattung von Transatlantikschiffen und Villen in der Lombardei. Keramikvasen von Melandri wurden von Gabriele D’Annunzio für den Stanza del Mascheraio im Vittoriale erworben.

1931 verkaufte Focaccia das Fabrikgebäude. Melandri war nun alleiniger Eigentümer des Unternehmens, zahlte dem neuen Eigentümer Miete, gab die Kommerzielle Produktion auf, und stellte von diesem Zeitpunkt an ausschließlich innovative und experimentelle Keramiken her. Sein Markenzeichen wurde ein Habicht in einen Kreis, mit dem Initial „M“ oder der Aufschrift „P. Melandri Faenza“. Im Jahr 1932 musste das Unternehmen schließen. Melandri setzte seine Tätigkeit jedoch fort, indem er ein casa-atelier in der Via Salvolini in Faenza eröffnete.

1933 schickte Melandri seine Keramiken zur V. Triennale in Mailand, wo er 1936 auf der Triennale d’Arte ausgezeichnet wurde. In diesen Jahren begann er eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Ponti und dem Architekten Melchiorre Bega. Es folgten zahlreiche Aufträge. Parallel dazu entwickelte sich Melandri auch als Bildhauer weiter. Ein Beispiel dafür ist zweifellos die 1933 für die Konditorei Motta in Mailand geschaffene Komposition Venere moderna oder die riesige Tafel Perseus und Medusa für die Triennale in Mailand 1936. Dank dieser Arbeiten wurde Melandri 1937 auf der Weltausstellung in Paris als der innovativste unter den ausgestellten italienischen Keramikern ausgezeichnet und erhielt den Großen Preis für Skulptur auf der Ausstellung für dekorative Künste. Darüber hinaus erhielt er die Goldmedaille beim Premio Gaetano Ballardini in Faenza. 1938 gewann er mit der Vase mit der goldenen Rose und 1939 mit dem Panel Verkündender Engel den ersten Preis beim Concorso Nazionale della Ceramica in Faenza. Im selben Jahr schuf er die architektonische Dekoration Il Mito di Orfeo ed Euridice (Der Mythos von Orpheus und Eurydike) für das Teatro Eliseo in Rom. Zwischen 1939 und 1940 schuf er die Dekoration für die Konditorei Flamigni in Forlì. Von 1942 bis 1943 schuf er die Dekoration für die Sparkasse von Imola sowie 1942 die Taufe Christi für die Kirche San Domenico in Faenza.

1944 wurde der Betrieb von Melandri bei einem Bombenangriff so stark beschädigt, dass die Produktion eingestellt werden musste.

Nachkriegszeit und letzte Periode

Im Jahr 1946 öffnete Melandris Werkstatt wieder ihre Türen und die Zusammenarbeit mit Architekten führte zu neuen Projekten. Aus dieser Zeit stammen die Dekoration des Kinos Apollo und der Konditorei Zanarini (beide 1948) in Bologna sowie die Kapelle Santa Umiltà in der Dom von Faenza (1949). Im Jahr 1949 nahm Melandri erneut Kontakt zu Giò Ponti auf, um dekorative Keramikplatten für die Transatlantikliner „Conte di Biancamano“, „Giulio Cesare“ und „Conte Grande“ zu entwerfen. An diesem Projekt arbeitete er von 1949 bis 1952. Im Laufe der Zeit arbeitete Melandri mit vielen Künstlern zusammen, darunter Francesco Di Cocco, Ercole Drei, Carlo Corvi, Giovanni Guerrini, Bruno Innocenti, Enrico Mazzolani, Giuseppe Mazzullo und Giuseppe Tampieri. So war er in der Lage, ein künstlerisches Werk zu schaffen, das sich durch sehr moderne Formen und Dekore auszeichnet und sich von traditionellen Mustern entfernt. Zwei große Tafeln, die 1956 für das Hotel Bauer in Venedig angefertigt wurden, zeigen einen Hl. Georg mit dem Drachen sowie einen Löwen von San Marco. Im selben Jahr schuf er das Denkmal für die Gefallenen der Freiheit auf dem Friedhof von Faenza. Er führte Arbeiten für Kardinal Gaetano Cicognani und Papst Johannes XXIII. aus. Anschließend kümmerte er sich um die Dekorationen für die Sparkasse von Reggio Calabria und für die Banca Popolare di Faenza; letzteres Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Nonni durchgeführt. Kurz darauf folgten die Tafeln für das Hotel Roma in Bologna. Dieses Werk, das heute im Internationalen Keramikmuseum in Faenza aufbewahrt wird, ist auf das Jahr 1959 datiert. 1951 stellte er in der Galleria del Naviglio in Mailand aus und 1954 hatte er eine Einzelausstellung auf der X. Triennale in Mailand.

Im Jahr 1966 widmete ihm die Biennale d’Arte Ceramica in Gubbio eine Retrospektive. 1969 gab Melandri aus Altersgründen die Leitung seines Unternehmens ab, hörte aber nicht auf zu arbeiten. Faenza widmete ihm ein Jahr nach seinem Tod am 25. Oktober 1976 eine Ausstellung. Die Keramikmanufaktur von Melandri stellte unter der Leitung seiner Frau Antonietta Fossa (geheiratet am 6. Oktober 1937) bis 1983 Keramiken nach seinen Formen her und wurde dann endgültig geschlossen.[1]

Literatur

  • Lucia Stefanelli Torossi (Hrsg.): Pietro Melandri. De Luca Editore, Rom 1987 (italienisch, Beitrag von Vittorio Sgarbi).
  • Vittorio Sgarbi (Hrsg.): Scultura italiana del primo Novecento. Grafis Edizioni, Bologna 1993, S. 160–161 (italienisch, Beitrag von Mario De Micheli).
  • Emanuele Gaudenzi: Pietro Melandri (1885-1976). Gruppo editoriale Faenza, Faenza 2002 (italienisch).
  • Teresita Scalco: Paolo De Poli e Pietro Melandri. Corrispondenze di vita e smalti. In: Ceramica e arti decorative del Novecento. Band VIII, 2021, ISSN 2612-2553, S. 117–123 (italienisch).
Commons: Pietro Melandri – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Giovanni Fanti: Pietro Melandri. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 73: Meda–Messadaglia. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2009.