Phumtham Wechayachai

Phumtham „Uan“ Wechayachai (thailändisch ภูมิธรรม เวชยชัย, RTGS: Phumtham Wetchayachai, Aussprache: pʰūːm.tʰām wêːt.tɕʰá.já.tɕʰāj; * 5. Dezember 1953 in Phasi Charoen, Bangkok) ist ein thailändischer Politiker der Kommunistischen Partei, der Demokratischen Partei, der Thai-Rak-Thai-Partei und seit 2007 der Pheu-Thai-Partei, der mehrmals Minister sowie zwei Mal kommissarischer Ministerpräsident (14. August bis 18. August 2024, 3. Juli bis 7. September 2025) war.

Leben

Phumtham „Uan“ Wechayachai trat nach dem Besuch der Taweethapisek-Schule 1969 in das Freiwilligenkorps zur Territorialverteidigung ein und diente in diesem bis 2004, woraufhin er zuletzt zum Oberstleutnant befördert wurde. Zugleich absolvierte er ein Studium der Politikwissenschaft an der Chulalongkorn-Universität, das er 1975 mit einem Bachelor beendete. Er war zudem Absolvent der Hochschule für nationale Verteidigung und begann ein postgraduales Studium der Politikwissenschaft an der Chulalongkorn-Universität, welches er 1984 mit einem Master abschloss. Nachdem er von 1976 bis 1977 kurzzeitig Mitglied der Kommunistischen Partei KPT (Phak Khommionit haeng Prathet Thai) war, gehörte er von 1977 bis 1997 der Demokratischen Partei (Phak Prachathipat) an. Er war als Unternehmer tätig und zuletzt von 1997 bis 1998 Vorstandsvorsitzender des 1983 von Thaksin Shinawatra[1] gegründeten Telekommunikations- und Mischkonzerns Shin Corporation, eines der größten Unternehmen in Thailand.

1998 trat Phumtham der von Thaksin gegründeten Thai-Rak-Thai-Partei TRT (Phak Thai Rak Thai) als Mitglied bei und bekleidete vom 11. März 2005 bis zum 19. September 2006 im Kabinett des nunmehrigen Ministerpräsidenten Thaksin, der 55. Regierung Thailands, den Posten des stellvertretenden Verkehrsministers. Nach dem Putsch am 19. September 2006 und der Absetzung der Regierung Thaksin wurde die TRT aufgelöst und 111 Parteifunktionäre, darunter Phumtham, für die nächsten fünf Jahre von der Ausübung politischer Ämter ausgeschlossen. Er soll am sogenannten „Finnland-Komplott“ beteiligte gewesen sein, ein angeblicher Plan des ehemaligen Premierministers von Thailand Thaksin Shinawatra und linksgerichteter Studenten gemeint, der auf die Abschaffung der Monarchie in Thailand abzielte und vom PAD-Politiker Sondhi Limthongkul behauptet wurde. Nach dem Ende des politischen Betätigungsverbots trat er der ebenfalls von Thaksin Shinawatra gegründeten Pheu-Thai-Partei (Phak Phuea Thai) fungierte er zwischen 2012 und 2013 als deren Generalsekretär, wurde aber als Minister nicht in die von dieser gestellten Regierungen von Yingluck Shinawatra (5. August 2011 bis 7. Mai 2014)[2] beziehungsweise Niwatthamrong Boonsongphaisan (7. bis 22. Mai 2014) berufen.[3]

Am 1. September 2023 wurde Phumtham Wechayachai als stellvertretender Premierminister in das Kabinett Srettha Thavisin, die 63. Regierung, berufen und bekleidete diese Funktion bis zum 14. August 2024. Zugleich übernahm er in diesem Kabinett zwischen dem 1. September 2023 und dem 3. September 2024 auch den Posten des Handelsministers und war nach dem Rücktritt von Parnpree Bahiddha-nukara[4] am 28. April 2024 bis zum Amtsantritt von Maris Sangiampongsa[5] am 30. April 2024 zudem auch kommissarischer Außenminister. Am 14. August 2024 entließ das Verfassungsgericht (San Ratthathammanun) Ministerpräsident Srettha Thavisin[6] wegen Verstoßes gegen ethische Standards bei der Ernennung eines zuvor inhaftierten Ministers (Pichit Chuenban), woraufhin Phumtham Wechayachai als Vize-Premierminister kommissarisch das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Am 16. August 2024 wählte das Parlament Paetongtarn Shinawatra[7] mit 319 zu 145 Stimmen zur neuen Premierministerin. Am 18. August 2024 wurde sie vom König bestätigt und trat ihr Amt an.[8][9][10]

Im Kabinett Paetongtarn Shinawatra, der 64. Regierung, wurde Phumtham am 3. September 2024 abermals stellvertretender Premierminister und behielt diese Funktion bis zum 19. September 2025. Zugleich bekleidete er zwischen dem 3. September 2024 und seiner kommissarischen Ablösung durch den stellvertretenden Verteidigungsminister General Natthaphon Narkphanit am 30. Juni 2025 auch das Amt des Verteidigungsministers.[11] Am 3. Juli 2025 billigte König Vajiralongkorn die von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra vorgeschlagene Kabinettsumbildung, bei der Phumtham Wechayachai als Nachfolger von Anutin Charnvirakul[12] zum Innenminister ernannt wurde.[13] Am 1. Juli 2025 suspendierte das Verfassungsgericht Premierministerin Paetongtarn Shinawatra; Suriya Juangroongruangkit,[14] der ebenfalls stellvertretender Premierminister war, wurde kommissarischer Premierminister. Bei der Vereidigung der neuen Kabinettsmitglieder am 3. Juli 2005 übernahm jedoch Phumtham abermals das Amt des kommissarischen Premierministers.[15] Am 29. August 2025 wurde Premierministerin Paetongtarn vom Verfassungsgericht wegen eines Ethikverstoßes endgültig abgesetzt, woraufhin Vize-Premierminister Phumtham Wechayachai weiterhin kommissarisch das Amt des Premierministers übernahm.[16][17] Während seiner Amtszeit als kommissarischer Premierminister kam es im Juli 2025 zu einem Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand.

Am 3. September 2025 lehnté der Kronrat (Khana ongkhamontri thai) den Antrag des Übergangskabinetts auf Auflösung des Parlaments ab.[18][19] Es wurde stattdessen bekannt gegeben, dass das Parlament am 5. September 2025 einen neuen Premierminister wählen wird. An diesem Tag wurde Anutin Charnvirakul mit 311 Stimmen gewählt, sein Gegenkandidat Chaikasem Nitisiri[20] erhielt 152 Stimmen. Am 6. September 2025 ernannte Anutin Sihasak Phuangketkeow[21] zum Außenminister und Ekniti Nitithanprapas[22] zum Finanzminister. Am 7. September wurde Anutin vom König bestätigt und tritt sein Amt an. Am 16. September legt er dem König seine Kabinettsliste vor (mit Anutin zusätzlich als Innenminister und Natthaphon Narkphanit als Verteidigungsminister), die dieser am 19. September bestätigte, woraufhin die Vereidigung des Kabinetts am 24. September 2025 stattfand.[23]

Aus seiner 1980 geschlossenen Ehe mit Apinaya Wechayachai gingen drei Kinder hervor.

Commons: Phumtham Wechayachai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Thaksin Shinawatra. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  2. Yingluck Shinawatra. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  3. Niwattumrong Boonsongpaisan. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  4. Parnpree Bahiddha-Nukara. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  5. Maris Sangiampongsa. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  6. Srettha Thavisin. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  7. Paetongtarn Shinawatra. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  8. Thailand: Prime Ministers. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  9. Thailand: 14 August 2024. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  10. Panu Wongcha-um, Panarat Thepgumpanat: Thai politics braces for shakeup after court dismisses PM Srettha Thavisin. In: Reuters. 13. August 2024, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  11. Thailand: Defense Ministers. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  12. Anutin Charnvirakul. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  13. Thailand: Interior Ministers. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  14. Suriya Juangroongruangkit. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  15. Thailand: 1 July 2025. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  16. Thailand: 29 July 2025. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  17. Thailand swears in new Cabinet including suspended prime minister. In: AP News. 3. Juli 2025, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  18. Acting Thai government moves to dissolve parliament. In: France 24. 3. September 2025, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  19. Thailand set for vote on new PM amid power vacuum. The ruling Pheu Thai party has nominated former Attorney General Chaikasem Nitisiri. In: Al Jazeera. 4. September 2025, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  20. Chaikasem Nitisiri. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  21. Sihasak Phuangketkeow. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  22. Ekniti Nitithanprapas. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  23. Thailand: 3 September 2025. In: rulers.org. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).