Phokas (Bildhauer)

Phokas war ein (wahrscheinlich griechischer) Bildhauer, der in den ersten Jahrhunderten n. Chr. tätig war.

Bronzestatuen und Datierung

Phokas ist nur von einer in Griechisch verfassten Signatur bekannt, die sich auf einer überlebensgroßen Statue befindet, die durch eine weitere Inschrift als Darstellung des Tha'ran, Sohn des Dhamar'ali Yuhabirr, ausgewiesen wird. Auch von Dhamar'ali Yuhabirr selbst fand sich eine überlebensgroße Bronzestatue, die durch eine darauf angebrachte Inschrift identifizierbar ist und vermutlich ebenfalls von Phokas stammt. Beide Statuen wurden 1931 in An-Nachlat al-Hamra gefunden; sie befinden sich im Nationalmuseum des Jemen in Sanaa und tragen dort die Inventarnummern YM 196 und YM 306.[1] Bei den zwei dargestellten Personen handelt es sich den Namen nach um Könige des altsüdarabischen Reiches von Himyar.

Weder die Inschrift noch die Fundumstände erlauben eine Datierung der Stücke, sodass ihre zeitliche Einordnung von der stilistischen Beurteilung und der genauen Identifikation der dargestellten Könige abhängt. Wenn die frühere Datierung zutrifft, wären Dhamar'ali Yuhabirr und sein Sohn Tha'ran I. dargestellt und die Statuen des Phokas würden aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts stammen.[2] Wenn die spätere Datierung zutrifft, wären Dhamar'ali Yuhabirr II. und sein Sohn Tha'ran II. dargestellt und die Statuen würden vom Ende des 3. Jahrhunderts oder aus dem frühen 4. Jahrhundert stammen.[3]

Signatur und Arbeitsweise

Die Signatur des Phokas befindet sich auf dem Knie der Statue des Tha'ran und lautet in Übersetzung: Phokas machte (sie). Eine weitere Inschrift besagt: Lahay'amm hat (sie) zusammengefügt. Demnach war Phokas ein griechischer Bildhauer, der beide Werke im Auftrag des Herrschers und seines Sohnes schuf, während Lahay'amm ein lokaler Schmied war, der die wahrscheinlich im östlichen Mittelmeerraum in Einzelteilen geschaffenen Werke vor Ort zusammenfügte. Eine andere Möglichkeit ist, dass Phokas vor Ort arbeitete und Lahay'amm sein lokaler Gehilfe war.

Beide Statuen sind in einem vorwiegend griechisch-römischen Stil gehalten. Zudem wurden sie mit einer Methode für die Verschweißung der separat gegossenen bronzenen Eisenteile gefertigt, die im Mittelmeerraum sehr verbreitet war, sich aber außer auf den zwei Statuen des Phokas nur bei einer einzigen weiteren altsüdarabischen Bronzearbeit findet – auch diese Besonderheit lässt sich vermutlich durch die Beteiligung eines griechischen Künstlers erklären.[4]

Literatur

  • Konrad Weidemann: Könige aus dem Yemen. Zwei spätantike Bronzestatuen. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 1983, ISBN 3-88467-004-2.

Einzelnachweise

  1. Zu Aufbewahrungsort und Inventarnummern: Benoît Mille: The Casting Techniques of Antique South Arabian Large Bronze Statues. In: Paul Jett, Blythe McCarthy, Janet G. Douglas (Hrsg.): Scientific Research on Ancient Asian Metallurgy. Proceedings of the fifth Forbes Symposium at the Freer Gallery of Art. Archetype Publications, London 2012, ISBN 978-1-904982-72-2, S. 225–247 (online), hier S. 236.
  2. So Paul Yule: 'Decadence', 'Decline' and Persistence: Zafar and Himyar. Online-Veröffentlichung auf Propylaeum-Dok vom 11. September 2008 (DOI:10.11588/propylaeumdok.00000128), S. 7–8.
  3. So Konrad Weidemann: Könige aus dem Yemen. Zwei spätantike Bronzestatuen. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 1983, ISBN 3-88467-004-2.
  4. Benoît Mille: The Casting Techniques of Antique South Arabian Large Bronze Statues. In: Paul Jett, Blythe McCarthy, Janet G. Douglas (Hrsg.): Scientific Research on Ancient Asian Metallurgy. Proceedings of the fifth Forbes Symposium at the Freer Gallery of Art. Archetype Publications, London 2012, ISBN 978-1-904982-72-2, S. 225-247 (online), hier S. 235–236.