Philippe d’Aquin
Philippe d’Aquin (* um 1578 in Carpentras; † 1650 in Paris) war ein französischer Arzt und Hebraist.
Leben
Philippe d’Aquin wurde um 1578 als Jude in Carpentras geboren und trug ursprünglich den Namen Mordekhaï Crescas (oder Mardochée Cresque). Schon früh verließ er seine Heimatstadt und studierte Medizin, ohne jedoch einen akademischen Grad zu erwerben. In Aquino im Königreich Neapel zum Christentum konvertiert, nahm er danach den Namen Philippe d’Aquin an. 1610 ging er nach Paris und wurde 1629 von Ludwig XIII. zum Professor für Hebräisch am College Royal ernannt.
Er wurde bekannt für seine philologischen Werke, die sich mit der hebräischen Sprache und den rabbinischen und kabbalistischen Traditionen befassen. Sie spiegeln die intellektuellen und religiösen Strömungen des 17. Jahrhunderts wider, insbesondere das Interesse an der hebräischen Mystik und ihrer Interpretation im christlichen Kontext. Er verfasste ein hebräisches und chaldäisches Lexikon und war Mitarbeiter an der Pariser Polyglotte (1629–1645). Einer seiner bedeutendsten christlichen Schüler, der französische Hebraist Plantavitius, Bischof von Lodève, verfasste einen detaillierten Bericht über seine Lehrmethoden.
Aquin wird unter den Zeugen in dem 1617 gegen Concino Concini, Marquis d’Ancre, und dessen Frau Leonora Galigaï, in deren Haushalt er eine untergeordnete Position innehatte, eingeleiteten Verfahren wegen „des Verbrechens des Judentums“ (frz. juiverie) erwähnt.[1]
Aquin war der Vater von Louis-Henri d’Aquin (oder Daquin) und begründete eine Dynastie, aus der insbesondere Leibärzte des Königs und Bischöfe hervorgingen. Besonders bedeutend war sein Enkel Antoine d’Aquin, der Leibarzt Ludwigs XIV. war.
Werke
- Primigenæ Voces, seu Radices Breves Linguæ Sanctæ (Paris, 1620)
- Pirḳe Aboth, Sententiæ Rabbinorum, Hebraice cum Latina Versione (Paris, 1620)
- "י"ג מדות, Veterum Rabbinorum in exponendo Pentateucho Modi tredecim (Paris, 1620)
- Dissertation du Tabernacle et du Camp des Israélites (Paris, 1623; 2d ed., 1624).
- Interpretatio Arboris Cabbalisticæ (Paris, 1625)
- Beḥinat 'Olam. (L'Examen du Monde) (Paris, 1629).
- Ma'arik ha-Ma'areket, Dictionarium Hebraicum, Chaldaicum, Talmudico-Rabbinicum (Paris, 1629).
- Ḳina, Lacrimæ in Obitum Cardinalis de Berulli, Hebrew and Latin (Paris, 1629).
Literatur
- Richard Gottheil, S. Kahn: The Jewish Encyclopedia. New York: Funk & Wagnalls, 1906
Einzelnachweise
- ↑ Léon Kahn: Les Juifs à Paris depuis le VIe siècle. Paris: A. Durlacher, 1889 , S. 40.