Philipp Sigismund Stosch
Philipp Sigismund Stosch, nach 1717 Philipp Sigismund Freiherr von Stosch (auch Philipp Sigismund Stossius, * 10. Juni 1656[1] in Küstrin/Preußen; † 6. November 1724[1] ebenda) war ein deutscher Arzt, Bürgermeister und Mitglied der Gelehrtenakademie „Leopoldina“.
Leben
Philipp Sigismund Stosch war kurfürstlich brandenburgischer Leibarzt, Militär- und Civilarzt, desgleichen Garnisonarzt in Küstrin. Er war auch Ratsherr dieser Stadt. Im Jahr 1717 wurde Philipp Sigismund Stosch nobilitiert und nannte sich ab diesem Zeitpunkt Philipp Sigismund Freiherr von Stosch (Stossius).
Am 10. Juni 1698 wurde Philipp Sigismund Stossius mit dem akademischen Beinamen Androcydes als Mitglied (Matrikel-Nr. 232) in die Leopoldina aufgenommen. Er gehörte der Sektion Medizin an.
Im Winter 2013 wurden auf dem Grundstück seines ehemaligen Hauses in Berlin, das im Bereich des sogenannten Großen Jüdenhofs gestanden hat, fünf Skelette, ein geleertes Grab und ein einzelner menschlicher Knochen freigelegt. Erste Vermutungen, dass es sich hierbei um Reste eines Friedhofes der nahe gelegenen Französischen Kirche handelt, konnten durch Recherchen entkräftet werden, da diese Kirche dort keinen Friedhof hatte. Auch wurden in den kirchlichen Aufzeichnungen keine Ereignisse aus dem Dreißigjährigen Krieg gefunden, die eine Erklärung für die Toten an dieser Stelle bieten würden. Osteologische und traumatologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass zwei der Verstorbenen eines gewaltsamen Todes gestorben sind und alle fünf Verstorbenen zu Lebzeiten in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen gelebt haben.[2] Ob Sigismund von Stosch als Besitzer des Grundstückes und des darauf stehenden Gebäudes und in seiner Funktion als medizinischer Assistent am brandenburgischen Kurfürstenhof in Berlin beteiligt war, ist nicht bewiesen, wird aber unter anderem durch die damalige Grabungsleiterin und heutige Leiterin des Stadtmuseums Brandenburg an der Havel als durchaus möglich angesehen.[3]
Familie
Philipp Sigismund Stosch war verheiratet mit Louisa (Luise) Vechner (* etwa 1660; † 1704). Der Sohn des Ehepaares, Baron Philipp von Stosch, wurde im Jahr 1691 in Küstrin geboren. Er lebte als Erwachsener überwiegend als Diplomat in Italien und betätigte sich als Kunsthistoriker und Antiquar. Er verstarb 1757. Im Jahr 1692 wurde die Tochter Luise Hedwig Stosch geboren.[1]
Literatur
- Andreas Elias Büchner: Academiae Sacri Romani Imperii Leopoldino-Carolinae Natvrae Cvriosorvm Historia. Litteris et impensis Ioannis Iustini Gebaueri, Halae Magdebvrgicae 1755, De Collegis, S. 483 Digitalisat
- Johann Daniel Ferdinand Neigebaur: Geschichte der kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Friedrich Frommann, Jena 1860, S. 201 Digitalisat
Einzelnachweise
- ↑ a b c gedbas.genealogy.net, abgerufen am 1. November 2019.
- ↑ Six Skeletons in the Shadow of the Garden Wall – A Berlin Medical Doctor under Suspicion | CHNT Archiv. Abgerufen am 17. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Guido Kleinhubbert: (S+) Deutschlands düstere Geheimnisse: Der Leibarzt von Friedrich Wilhelm und sein Garten des Grauens. In: Der Spiegel. 17. Dezember 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. Dezember 2025]).
Weblinks
- Mitgliedseintrag von Philipp Sigismund Stossius bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 1. November 2019.
- Deutsche Biographie: Stosch, Philipp Sigismund, abgerufen am 1. November 2019.
- Porträt Philipp Sigismund Stosch ÖNB: bildarchivaustria.at, abgerufen am 1. November 2019.