Philipp S. Rhaesa
Philipp S. Rhaesa (eigentlich Philipp Schmidt-Rhaesa, * 14. Juli 1970 in Leer/Ostfriesland) ist ein deutscher Autor und Liedermacher.
Leben und Werk
Rhaesa wuchs mit drei Brüdern als Sohn einer Apothekerin und eines Lehrers in Osnabrück auf. Er lebt in Ostwestfalen-Lippe und ist Studiendirektor an einer Gesamtschule.
In seinem Studium an der Universität Osnabrück beschäftigte er sich intensiv mit dem Lübecker Komponisten Hugo Distler und wirkte an einem Band über dessen Leben und Wirken in der Zeit des Dritten Reichs mit ("Hugo Distler im Dritten Reich[1]", Osnabrück, 1997). Seine Examensarbeit verfasste er unter dem Eindruck seiner Mitgliedschaft in der Poetenschule SAGO zum Thema "Von der Werkstatt zur Akademie - Fort- und Weiterbildung bei deutschen 'Liedermachern'"[2].
Rhaesa begann als Jugendlicher, eigene Lieder zu schreiben und wurde 1988 beim Wettbewerb "Schüler machen Lieder" (heute "Treffen junge Musik-Szene") der Berliner Festspiele ausgezeichnet. 1989 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Liedermacherschule SAGO von Christof Stählin (heute SAGO – Mainzer Akademie für Musik und Poesie), deren Namen er auf dem ersten Seminar als Reaktion auf einen Vortrag Stählins vorschlug. Er gehörte der Schule bis Ende der 1990er Jahre als Schüler an. Seit Christof Stählins Tod 2015 engagiert er sich in der Christof-Stählin-Gesellschaft, die den Nachlass des Poeten verwaltet. Rhaesa verfasste einen 2022 erschienenen Sammelband mit Inhalten aus der Liedermacherschule, in dem auch Weggefährten, Schülerinnen und Schüler Christof Stählins über ihre Erfahrungen berichten ("SAGO - Alles, was ein Lied braucht"[3], Zeuys Books, Neuhofen/Ybbs 2023). 2025 beteiligte er sich an der Neuherausgabe von Christof Stählins 1972 erschienener erster Langspielplatte "Privatlieder" [4]. Auf den CD-Kompilationen "Die Versammlung der Inseln - Sago singt Stählin"[5] und "Nur meine Lieder - Weggefährten und Liedgenossen singen Christof Stählin"[6] ist Rhaesa mit Liedern seines Lehrers vertreten.
Mit dem niederrheinischen Liedermacher und Kabarettisten Günter Gall tourte Rhaesa ab 1991 bis Anfang der 2000er Jahre mit verschiedenen literarischen Kabarettprogrammen, z.B. nach Texten von Ringelnatz und Fritz Graßhoff oder Mascha Kaléko.[7]
Ein wichtiger Teil von Rhaesas Lehrtätigkeit sind multiprofessionelle künstlerische Schulprojekte, die sich in Zusammenarbeit mit örtlichen Museen und künstlerischen Partner*innen um Themen aus der (Stadt-) Geschichte drehen. Hierbei ermöglicht er Schülerinnen und Schülern, Tanz, Film, Theater, Dokumentation, museale Objekte und den Kontakt mit Zeitzeugen und Expert*innen in künstlerischen Darstellungen zu verbinden. Über die Arbeit an entsprechenden Projekten zur Biografie der Holocaust-Überlebenden Karla Raveh berichtete er unter anderem 2019 auf dem Symposion "Activist Pedagogy for Shared Life and World Betterment" in Tel Aviv. Sein Vortrag "Arts as a Sphere for the Study of History" erschien auch in dem Sammelband "Activist Pedagogy and Shared Education in Divided Societies. International Perspectives and Next Practices"[8]
Rhaesa ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Einzelnachweise
- ↑ Hugo Distler im Dritten Reich: Vorträge des Symposions in der Stadtbibliothek Lübeck am 29. Sept. 1995. 1. Auflage. Univ.-Verl. Rasch, Osnabrück 1997, ISBN 978-3-930595-75-4.
- ↑ Philipp Schmidt-Rhaesa: Von der Werkstatt zur Akademie - Fort- und Weiterbildung bei deutschen 'Liedermachern', Examensarbeit, Universität Osnabrück, 1996, unveröffentlicht
- ↑ SAGO - alles, was ein Lied braucht: Unterweisungen aus der Schule für Musik und Poesie von Christof Stählin. 2., korrigierte und überarbeitete Auflage. ZEUYS BOOKS, Neuhofen/Ybbs 2023, ISBN 978-3-903893-11-5.
- ↑ Christof Stählin: Privatlieder und ihre Verwandten. Das Frühwerk 1960-1974, Christof-Stählin-Gesellschaft 2025, LC 05658
- ↑ CD "Die Versammlung der Inseln - Sago singt Stählin". Text und Ton Records (Broken Silence) 2013. Herstellerreferenz: BSCD 12715
- ↑ CD "Nur meine Lieder - Weggefährten und Liedgenossen singen Christof Stählin". Buschfunk 2022, ISBN 978-3949681196
- ↑ Deele Brosen: Das Programm von 1996. In: Kulturkreis Kalletal e.V. Abgerufen am 3. Januar 2026.
- ↑ Philipp Schmidt-Rhaesa: Arts as a Sphere for the Study of History. In: Activist pedagogy and shared education in divided societies: international perspectives and next practices (= Moral development and citizenship education). volume 17. Brill, Leiden ; Boston 2022, ISBN 978-90-04-51273-3, S. 320–334.