Pfarrkirche Nestelbach bei Graz
Die römisch-katholische Pfarrkirche Nestelbach bei Graz steht in der Gemeinde Nestelbach bei Graz im Bezirk Graz-Umgebung der Steiermark. Die dem Patrozinium Heiliger Jakobus der Ältere unterstellte Pfarrkirche gehört zur Region Steiermark Mitte (Dekanat Graz-Land) der Diözese Graz-Seckau. Die Kirche steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Nestelbach, an der Stelle des karolingischen Weilers, genannt 860, stammt aus dem Jahr 1446. Von 1779 bis 1783 wurde an dem Standort eines Vorgängerbaus die heutige Kirche nach dem Vorbild der Pfarrkirche Laxenburg errichtet. Umfassende Restaurierungen fanden 1979 und 1993 statt.
Lage
Die Kirche liegt in einem Osthang, dem vorgelagerten Kirchweiler, im Zentrum Nestelbachs. Die Hauptfassade mit Turm und Haupteingang befindet sich (unten) im Osten, der Chor mit dem Hochaltar (oben) im Westen.
Architektur
An der östlichen Front der Kirche steht ein Giebelturm. Weiters hat diese Seite einwärts schwingende und durch Riesenpilaster untergliederte Seitenteile. Beidseitig des dekorativ gerahmten Eingangsportals ist in die Außenmauer jeweils eine kleine Nische eingelassen und mit spätbarocken Statuen des heiligen Florian und des heiligen Johannes Nepomuk bestückt.
Der eingezogene, einjochige Chor hat eine Apsis mit einem Halbkreisschluss. Zwischen dem Chor und dem schmäleren Eingangsjoch ist ein ausladendes, von außen aber nicht erkennbares, quadratisches Mitteljoch vorhanden. Dieses überspannt ein auf Pfeilern sitzendes Platzlgewölbe mit Scheidbogen. Über der ursprünglichen über dem Eingangsjoch liegenden und in den Raum vorschwingenden Empore wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine weitere Empore eingefügt, die im Zuge von Renovierungsarbeiten 2010/2011 entfernt wurde.
Ausstattung
An der Außenwand des Chores befindet sich ein Marienmonogramm von Adolf Osterider.
Die Gestaltung der Gewölbe mit Fresken erfolgte relativ spät im Jahre 1934. Für die Ornamente sorgten die Brüder Walter aus Ilz und für die Figuren der Grazer Maler Franz Mikschowsky (1873–1936) nach den Entwürfen des ebenfalls aus Graz stammenden Malers Ludwig Ritter von Kurz zum Thun und Goldenstein (1850–1939). Über dem Hochaltar befindet sich eine Darstellung Gott Vaters, Jesu Christi, der Gottesmutter Maria und Josef. Im Gewölbe des Mitteljochs sind die vier Kirchenväter und im Gewölbe des Chorjochs die vier Evangelisten abgebildet. Weitere Fresken befinden sich an den Balkonbrüstungen mit den Darstellungen der Heiligen Margareta Alacoque, des Heiligen Aloisius und über dem Hauptportal die des Heiligen Konrad von Parzham.
Einrichtung
Der Hochaltar aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts schuf der Bildhauer Johann Jacob Schoy für das Klarissenklosters im Paradeis in Graz. Nach der Auflassung des Klosters im Jahr 1784 wurde der Hochaltar hierher übertragen und erheblich verkleinert. Ein Altarteil wurde in die Welsche Kirche übertragen. Er trägt erneuerten Figurenschmuck von 1913. Das Hochaltarbild zeigt den hl. Jakobus der Ältere, gemalt vom Grazer Maler Felix Barazutti. Den Abschluss des Hochaltars bildet die Figurengruppe mit der Darstellung der Hll. Dreifaltigkeit: Gottvater, Sohn und Heiliger Geist. Der Tabernakel aus dem Rokoko befindet sich an der Basis des Hochaltars und wurde bei der letzten umfassenden Kirchenrestaurierung 1993 eingefügt. Er stammt ursprünglich aus der Kirche Mürzhofen. Die Schnitzerei an der Tür stellt die Kreuzigungsszene Christi dar, umgeben von Maria, Maria Magdalena und dem Heiligen Johannes. Im Zentrum des Hochaltars steht eine Hochplastik mit der Darstellung von Maria mit dem Kinde. Diese wird „Maria Schutz“ genannt und war Ende des 18. Jahrhunderts das Ziel vieler Wallfahrten. Die beiden großen Seitenfiguren am Rand des Hochaltars wurden 1913 vom Bildhauer Peter Neuböck (1865–1928) gestaltet. Auf der linken Seite steht der Heilige Klemens Maria Hofbauer, auf der rechten Seite die Statue der Heiligen Notburga.
Die Kanzel wurde 1764 von Veit Königer für die Grazer Klarissinenkirche angefertigt. Am Korb ist eine Inschrift angebracht, die Erzherzogin Maria von Österreich als Stifterin des Kunstwerks ausweist. An der Vorderseite ist ein Wappen der Stifterin mit der Inschrift „Stifterin Maria Erzherzogin von Österreich, geborene Herzogin aus Bayern 1602“ angebracht. Diese weist auf das Gründungsjahr des Klarissenklosters im Paradeis durch Erzherzogin Maria von Bayern hin. An der Kanzelbrüstung stellen drei Figuren die Paulinischen Tugenden „Glaube, Hoffnung und Liebe“ dar. Den oberen Abschluss am Dach der Kanzel bildet der Heilige Bernhardin von Siena mit dem von goldenen Sonnenstrahlen umrahmten Monogramm „IHS“.
Die beiden Seitenaltäre im Seitenschiff der Kirche stammen aus Graz-St. Peter. Sie wurden 1648 vom Bildhauer Sebastian Erlacher geschaffen. Die neugotischen Figuren sind nur mehr zum Teil erhalten. An der Basis des rechten Seitenaltars befinden sich links die Statue des Heiligen Florian, im Zentrum das Herz Marias und rechts die Heilige Margarethe. Oberhalb ist ein Gemälde des Heiligen Leonhard eingearbeitet, welches links von der Heiligen Katharina und rechts von der Heiligen Barbara flankiert wird. Den Abschluss bildet der Erzengel Michael im Kampf mit Luzifer. Am linken Seitenaltar bildet das Zentrum der Basis die Darstellung des Herzen Jesu. Links davon befindet sich die Heilige Elisabeth und rechts die Heilige Theresia vom Kinde Jesu. Das Bild oberhalb, gemalt von Felix Barazutti, zeigt Maria und ihre Mutter Anna. Der linke Seitenaltar wird mit den drei Pestheiligen Sebastian, Rochus und Judas Thaddäus abgeschlossen.
In der Kirche stehen auch Statuen der heiligen Barbara und der Mater Dolorosa aus der Zeit um 1720 bis 1730, die dem Künstler Johann Jacob Schoy zugeschrieben werden. An der südlichen Mauer hängt ein überlebensgroßes, spätgotisch gestaltetes Kruzifix aus der Zeit um 1520, das früher an der Kirchenaußenwand angebracht war. In der Kirche wird ein bei den Renovierungsarbeiten 1993 durch Zufall vom ehemaligen Pfarrer Friedrich Tieber entdeckter romanischer Taufstein verwendet, der vermutlich aus der Vorgängerkirche stammt.
In der Vorhalle steht eine umkleidete Marienstatue aus dem 18. Jahrhundert, die 1700 aus Graz-St. Leonhard nach Nestelbach gebracht wurde. Dieser Figur wurden zwischen 1745 und 1782 insgesamt 244 Mirakel zugeschrieben, die in einem Mirakelbuch verzeichnet sind. Das Kirchengestühl stammt aus der Bauzeit der Kirche und die Glasfenster wurden teilweise 1904 und 1911 eingesetzt. Die alte Orgel wurde 1909 von Konrad Hopferwieser senior errichtet und inzwischen durch eine neue, digitale Orgel ersetzt.
Literatur
- Nestelbach bei Graz. Pfarrkirche hl. Jakobus der Ältere. In: Dehio Steiermark (ohne Graz) 1982, S. 314.
Weblinks
Koordinaten: 47° 3′ 41,8″ N, 15° 36′ 31,3″ O