Pfarrkirche Höflein bei Bruck an der Leitha

BW

Die Pfarrkirche Höflein steht weithin sichtbar am Ausläufer des Oberen Heidenberges in der Gemeinde Höflein im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich. Die dem Patrozinium Ulrich von Augsburg unterstellte römisch-katholische Pfarrkirche des Seelsorgeraums Carnuntum gehört zum Dekanat Bruck an der Leitha im Vikariat Unter dem Wienerwald der Erzdiözese Wien. Die Kirche steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte

Die Kirche war um 1100 eine Filiale der Pfarrkirche Petronell-Carnuntum und ging im Anfang des 12. Jahrhunderts an das Stift Göttweig. Im 15. Jahrhundert ein Vikariat wurde die Kirche in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Pfarrkirche erhoben. Mit Schäden im Türkenkrieg wurde die Kirche nach 1683 erneuert. Im 18. Jahrhundert erfolgte eine weitere Barockisierung. 1947/1948 wurde das Turmobergeschoß wiederaufgebaut. 1960/1963 war eine Restaurierung mit Umbauten der Decke, des Daches und von Teilen der Einrichtung. 1967 war eine Außenrestaurierung.

Architektur

Die barockisierte Saalkirche mit einem etwas eingezogenen flach korbartig schließenden Chor und einem vorgestellten im unteren Bereich romanischen Westturm ist von einer wehrhaften Friedhofsmauer mit Bruchsteinmauerwerk und zahlreichen Spolien umgeben.

Ausstattung

Der breite hochbarocke Hochaltar aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts hat einen Säulen- und Pilasteraufbau und einen zusammengesetzten Konkavgiebel und seitliche Opfergangsportale, das Altarbild hl. Ulrich malte Lena Wallerin, der Altar trägt die seitlichen Statuen der Heiligen Franziskus und Antonius sowie Florian und Leopold.

Orgel

Im Jahre 1857 errichtete der Tiroler Orgelbauer Alois Hörbiger eine mechanische Orgel für St. Ulrich mit 12 Register auf einem Manual und Pedal.[1]

Im Zweiten Weltkrieg wurde Höfleins Kirchturm regelrecht weggeschossen und mit ihm große Teile der Orgel. Die historische Brüstungsorgel wurde zerstört. In der Nachkriegszeit wurde aus dem Material von drei alten Orgeln ein neues Instrument für die Kirche in Höflein konzipiert. Philipp Eppel erbaute die pneumatische Orgel 1963 mit 17 Registern auf 2 Manualen und Pedal.[1]

Diese Lösung wurde im Laufe der Zeit zunehmend unbefriedigend. So entschloss man sich 2023 anstelle einer ansonsten dringend erforderlichen Restaurierung zu einem Neubau durch Orgelbaumeister Pius Erler aus Schlitters. Die vorhandene Orgel wurde einer Pfarrei in Polen als Geschenk überlassen. Die Erbauer der neuen Orgel hatten einige Schwierigkeiten der bauseits vorgegebenen Akustik zu meistern. Denn die Bestandsorgel stand hinter einer schallschluckenden massiven Emporenbrüstung. Ebenso machen die nach dem Kirchenbrand im Jahre 1945 eingezogenen vielen und tief in den Raum ragenden Decken-Querbalken die akustischen Verhältnisse schwierig. Letzteres war kaum abzumildern, jedoch konnte man durch den Einbau einer neuen Balustrade als Emporenbegrenzung, ebenfalls durch die Firma Erler, die Brüstung akustisch öffnen und auch durch Platzierung des Hauptwerks direkt auf der Brüstung, die akustische Situation erheblich verbessern. Hinter dem Hauptwerk stehen im Abstand von rund 4 Metern Schwellwerk und Pedal. Dazwischen befindet sich der frei stehende Spieltisch mit Blickrichtung zum Altar, wobei der Organist erst durch einen Monitor und zwei Kameras Sicht auf das Geschehen im Altarraum erhält.[2][3][4]

Die neue Schleifladen-Orgel hat 24 Register verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Spiel- und Registertraktur sind mechanisch ausgeführt, wobei die Register auch elektrisch angesteuert werden können, um eine Setzeranlage zu ermöglichen. Die gleichstufige Stimmung ist auf eine Stimmtonhöhe von 438 Hz bei 15 °C ausgelegt. Der Winddruck beträgt 70 mmWS.

Mit einem feierlichen Festgottesdienst wurde die neue Orgel am 21. September 2025 von Christoph Schönborn geweiht.[5]

Disposition der Erler-Orgel:
I Hauptwerk C–g3
Principal 8′
Liebl. Gedeckt 8′ [Anm. 1]
Gamba 8′
Octave 4′
Spitzflöte 4′
Quint 223
Superoctav 2′
Terz 135
Mixtur IV 113
Trompete 8′
Sesquialtera II [Anm. 2]
Cornett V [Anm. 3]
II Schwellwerk C–g3
Salicional 8′
Bordun 8′ [Anm. 4]
Vox celestis 8′
Carnuntum Flöte 8′ [Anm. 5]
Principal 4′
Rohrflöte 4′
Principal 2′
Quint 113[Anm. 6]
Scharff 113
Oboe 8′
Pedal C–f1
Subbass 16′ [Anm. 4]
Octavbass 08′ [Anm. 4]
Gedecktbass 08′ [Anm. 4]
Coralbass 04′ [Anm. 7]
Posaune 16′ [Anm. 8]

Anmerkungen

  1. C-H neu, ab c0 von Alois Hörbiger 1857.
  2. Kombizug 223135′.
  3. Kombizug 8′ 4′ 223′ 2′ 135′.
  4. a b c d Fichte.
  5. Nach Carnuntum, dem lokalen Weinbaugebiet.
  6. Auszug Scharff.
  7. Prospekt.
  8. Metallbecher.

Glocken

Vier Glocken goss die Glockengießerei Josef Pfundner 1948.

Literatur

Commons: Pfarrkirche Höflein bei Bruck an der Leitha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Orgeln in Niederösterreich. In: web.archive.org. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  2. Kerstin Schäfer-Zimmermann: Am Weg zur neuen Orgel. In: noen.at. 15. Januar 2023, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  3. Brigitta Trsek: Neue Orgelklänge für die Höfleiner Kirche. In: noen.at. 7. Februar 2025, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  4. Brigitta Trsek: Die neue Höfleiner Orgel nimmt Gestalt an. In: noen.at. 7. März 2025, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  5. Birgit Bachhofner: Neue Orgel in der Höfleiner Pfarrkirche. In: meinbezirk.at. 25. September 2025, abgerufen am 30. Oktober 2025.

Koordinaten: 48° 3′ 55,1″ N, 16° 47′ 20,7″ O