Pfarrkirche Fügen
Die Pfarrkirche Fügen im Zillertal steht mittig im Ort in der Gemeinde Fügen im Bezirk Schwaz im Bundesland Tirol. Die dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt unterstellte römisch-katholische Pfarrkirche gehört zum Dekanat Fügen-Jenbach in der Diözese Innsbruck. Die Kirche steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).
Geschichte
Urkundlich wurde 1183 eine Kirche und 1212 eine Pfarrkirche genannt. Die Kirche war zumeist von Domherren aus Brixen besetzt. Die Chor- und Langhausmauern wurden 1330 genannt. Das Langhaus wurde 1494/1497 verändert, mit Lisenen an der Südwand und zwei gekehlten Portalen. Nördlich am Langhaus ist eine hölzerne Vorhalle angebaut. Der Nordturm mit einem Spitzhelm entstand 1495.
Architektur
Der gotische Kirchenbau auf romanischem Ursprung hat einen Nordturm und ist von einem Friedhof umgeben. Das Turmportal zeigt ein Wappen mit 1605.
Das Kircheninnere zeigt ein vierjochiges Langhaus unter einer Stichkappentonne, ursprünglich hatte das Langhaus eine Flachdecke. Der zweijochige gotische Chor mit einem ehemals gotischen Gewölbe erhielt im 17. Jahrhundert ein Gewölbe mit Stuckrippen.
Es gibt Wandmalereien mit Resten von architektonischen Fresken an der Langhausnordwand und am Chorbogen, im Westen mit Szenen aus der Sebastians- und Nikolauslegende um 1330/1350, im Chor zwei weibliche Heilige um 1370, im Langhaus an der Südwand Auferweckung ds Lazarus 1597, hinter der Orgel Wappenfresko Bischof Kaspar Künigl von Brixen aus dem 18. Jahrhundert. Die Deckenfresken aus dem Marienleben schuf Toni Kirchmayr 1943. Die Glasmalereien schuf Karl Hauk 1943.
Orgel
1747 baute Andreas Mitterreiter aus Altötting für das Haller Damenstift eine zweimanualige Orgel mit kurzer Großer Oktave in Manual und Pedal. Auf dieser spielte dort, laut eines Briefes seines Vaters, auch Wolfgang Amadeus Mozart. Jene Orgel wurde 1787 von Fügen für die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt angekauft. Sie wurde äußerlich mehrmals restauriert, 1880 mit neugotischem Orgelprospekt, und im Jahre 1965 von der Firma Rieger aus Schwarzach (Vorarlberg) komplett umgestaltet. Das Orgelwerk selbst blieb dabei weitgehend erhalten. Der Spieltisch dieser sogenannten Mozartorgel kann heute noch im Fügener Heimatmuseum besichtigt werden. Die umgebaute Orgel verfügte über 24 Register auf 2 Manualen und Pedal und hatte auch ein Brüstungspositiv.[1][2][3]
In einem komplett neuen Gehäuse baute 1980 wiederum Rieger Orgelbau unter Verwendung seines Vorgängerinstruments die aktuelle Orgel. 20 Register stehen auf mechanischen Schleifladen von 2 Manualen und Pedal. Manual II ist schwellbar über einen gewöhnlichen Schwelltritt, der die Türen zum Brustwerk bedient.[4][5][6]
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P (Tritte)
Anmerkungen
Glocken
Nach den Wirren der beiden Weltkriege mit Beschlagnahmungen von Glocken hatte Fügen 1947 wieder ein neues Geläut. Gegossen wurden die 5 neuen Glocken von der Gießerei Oberascher aus Salzburg und am 30. März 1947 geweiht. Für den Guss wurde von der Pfarre Fügen folgendes geliefert:
Kanonen 4.505 kg / Zinn 80%ig 240 kg / Zinn 87%ig 402 kg, 10 kg Fett, 5 kg Hanf und 7 kg Bienenwachs.
Der Domkapellmeister zu Salzburg, Joseph Messner, welcher die Kollaudierung der Fügener Glocken vorgenommen hat, schrieb am 26. März 1947: Ein herrliches Geläute der Firma Oberascher, im Tonlichen weisen die Glocken eine selten gute Stimmung auf, im Klanglichen eine wunderbare Fülle und im Äußeren eine ungemein saubere Arbeit im Dekorativen. Die Dekanalpfarrkirche Fügen und die herstellenden Firma Oberascher ist zu dem herrlich gelungenen Geläute zu beglückwünschen; ich möchte nicht versäumen zu bemerken, dass mir namentlich der Zusammenklang aller fünf Glocken einen mächtigen Eindruck gemacht hat. Man glaubt eine vielhundertstimmige Orgel zu hören!
Die 5 neuen Glocken sind über zwei Etagen im Turm verteilt. Die beiden größeren Glocken in der unteren Glockenstube klingen etwas lauter als die drei kleinen in der oberen. Mitten im roten Turmspitz befindet sich zudem die kleine Sterbeglocke, die nur selten erklingt. Sie stammt noch aus dem Geläut von 1930 und wurde durch couragierte Fügener über den Krieg gerettet, indem man sie im Sägemehl vergrub.
Weiters gibt es auch im Widum der Pfarre eine kleine Glocke, die 1763 von Augustin Vital in Innsbruck gegossen wurde und eines seiner wenigen erhaltenen Werke darstellt. Ursprünglich hing diese Glocke in der Wallfahrtskirche am Marienberg in Fügen, fand aber ihren Weg ins Widum der Dekanatspfarrkirche.
Die elektrische Läutanlage von 1951 wurde in den Jahren 2022 bis 2023 erneuert.[7][8][9]
| Gussjahr | Gießer | Widmung | Ton | Gewicht/kg | Durchmesser/mm | Material | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1947 | Oberascher, Salzburg | Christus dem König | cis1 | 1954 | 1510 | Bronze |
| 2 | 1947 | Oberascher, Salzburg | Rosenkranzkönigin | e1 | 1172 | 1250 | Bronze |
| 3 | 1947 | Oberascher, Salzburg | hl. Josef | fis1 | 850 | 1120 | Bronze |
| 4 | 1947 | Oberascher, Salzburg | hl. Franziskus v. Assisi | a1 | 502 | 960 | Bronze |
| 5 | 1947 | Oberascher, Salzburg | heilige Schutzengel | cis2 | 250 | 780 | Bronze |
| 6 | 1930 | Grassmayr, Innsbruck | hl. Sebastian und hl. Barbara
(Sterbeglocke/Zügenglöckerl) |
a2 | 56 | 470 | Bronze |
| 7 | 1763 | Augustin Vital, Innsbruck | (Widumsglocke) | g3 | - | - | Bronze |
Literatur
- Fügen, Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt mitten im Dorf, mit Grundriss- und Gewölbedarstellung, Michaels- oder Hacklturnkapelle an der Nordseite der Kirche angebaut, Gruftkirche Hll. Philipp und Jakob unter dem Chor, Widum, Widumpfiste hinter dem Pfarrhof, Friedhof. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Tirol 1980. S. 262–263.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Aus der Pfarrgeschichte. Abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Die Fügener Mozartorgel. In: hmv-fuegen.at. Heimat- und Museumsverein Fügen, März 2010, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Die alte Rieger-Orgel auf der Internetseite des Herstellers. In: www.rieger-orgelbau.com. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Die neue Rieger-Orgel bei organindex.de. In: organindex.de. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Die neue Rieger-Orgel auf der Internetseite des Herstellers. In: www.rieger-orgelbau.com. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Die Interseite des Herstellers. In: www.rieger-orgelbau.com. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Aus der Pfarrgeschichte. Abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Geläut von Fügen bei Glocken-Finder. In: https://createsoundscape.de/glocken-finder-2/. Abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Geläut von Fügen bei YouTube. In: youtube.com. Abgerufen am 22. November 2025.
Koordinaten: 47° 20′ 45,2″ N, 11° 50′ 57,8″ O