Pfarrkirche Dornbirn-St. Martin
Die römisch-katholische Pfarrkirche Dornbirn-St. Martin (auch: Marktkirche oder Pfarrkirche Dornbirn-Markt) steht im zentralen Stadtteil Markt in der Gemeinde Dornbirn im Bezirk Dornbirn in Vorarlberg. Sie ist dem heiligen Martin geweiht und gehört zum Dekanat Dornbirn in der Diözese Feldkirch. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz.[1]
Lagebeschreibung
Die Kirche steht im zentralen Stadtteil Markt am Marktplatz.
Geschichte
Eine erste Erwähnung der St. Martins-Kirche ist auf 1130 datiert. Mit dem Jahre 1266 ist ein Pfarrer nachweisbar und mit dem Jahre 1401 ist eine Kirche beurkundet. 1453 entstand eine gotische Kirche, deren Turm in seiner Grundsubstanz bis heute erhalten ist. Nach einem Brand wurde die Kirche in den Jahren 1669 bis 1670 vergrößert und barockisiert. In den Jahren 1751 bis 1753 wurde ein Neubau nach den Plänen von Kaspar Koller errichtet, der Turm von 1453 beibehalten und 1767 auf die jetzige Höhe von 64 Metern aufgestockt.
In den Jahren 1839 bis 1840 erfolgte der heutige klassizistische Neubau des Kirchenschiffs, wiederum unter Erhalt des rund 60 m[2] hohen, gotischen Turms,[3] nach den Plänen des k.k. Kreisingenieurs Martin von Kink.[2] Die Weihe vollzog am 3. September 1857 der Brixener Fürstbischof Vinzenz Gasser.[2] Der klassizistische Neubau war nun mit Apsis und Chor nach Westen ausgerichtet und erhielt nach Osten zum Marktplatz den Hauteingang mit einer monumentalen ionischen Tempelfassade aus sechs Freisäulen und einem klassischen Giebeldreieck. Der städtebaulich-architektonische Bruch ist bemerkenswert: „Fremdartig wirkt der tempelartige Vorhallenbau inmitten dieser Gartenstadt, umgeben von heimischen Hausformen“.[4]
Der ursprünglich um die Kirche liegende Friedhof wurde 1842 anlässlich des Neubaus der Kirche etwa 300 Meter Luftlinie östlich hinter dem Rathaus neu errichtet, wo er noch heute als Friedhof Markt besteht. Der bisherige „alte“ Friedhof wurde aufgelassen, teilweise mit Bäumen bepflanzt und ist heute ein Teil des sogenannten Martinsparks. 1854 wurde beim alten Friedhof vom damaligen Pfarrer ein Missionskreuz errichtet.[5]
Architektur
- Kirchenäußeres
Die Pfarrkirche St. Martin ist ein mächtiger klassizistischer Saalbau mit sechs monumentalen ionischen Säulen unter einem Satteldach und mit Rundchor, der an der Hauptgiebelfassade zum in der Stadt zentralen Marktplatz einen Säulenportikus über die gesamte Breite aufweist. Nördllich angefügt steht ein freistehender Kirchturm mit Giebelspitzhelm, der noch vom Vorgängerbau stammt. Das Tympanon des Portikus schmückt ein Mosaik mit dem Einzug Jesu in Jerusalem von Josef Huber aus dem Jahr 1924. An der Eingangswand über den drei Portalen ist ein Fresko Christus der Weltenrichter, davon links Einzug der Krieger in den Himmel mit Heiligen Martin und Maria und rechts die Kirchenlehrer Augustinus, Hieronymus und Chrysostomus und die Dichter Dante und Milton und Künstler Michelangelo, Dürer, Rubens, Signorelli und oben Kampf der bösen Geister ist ebenfalls von Josef Huber und aus dem Jahr 1923.[6]
Kircheninneres
Ausstattung
Der weite, breitgelagerte Saalraum wird von einer Segmentbogentonne überspannt. Pilaster und Gurte gliedern Wände und Gewölbe. Wandpfeiler trennen den eingezogenen, erhöhten Chorraum mit Apsis vom Schiff. Dort steht der Hochaltar von Johann Kaspar Rick (1808–1888).[3]
Im Inneren befindet sich an der Decke ein Fresko Anbetung der Könige und Hirten, mit Vertretern des Alten und Neuen Testamentes aus 1849 vom Maler Johann Kaspar Rick.[7] Weitere Fresken stammen von Franz Plattner aus den Jahren 1876 bis 1877.
Von 1967 bis 1969 erfolgte eine Innenrestaurierung und durchgreifende Umgestaltung unter Architekt Emil Steffan.[3][8] Seitdem ist die Apsis nicht mehr das Orientierungsziel des Kirchenraumes, sondern dient nur noch als räumlicher Anhang. Liturgischer bedeutsam ist nun die neu gestaltete Raummitte, an der sich auch die Schritte der Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche (Taufe, Firmung, Eucharistie) ablesen lassen.[3] Volksaltar und Taufstein sind Werke des Bildhauers Herbert Albrecht aus dem Jahr 1969.
Orgeln
Die jetzige Kirche erhielt 1845 eine zweimanualige Orgel mit 30 Registern von Remigius Haaser (Immenstadt/Allgäu). Ab etwa 1925 sammelte die Gemeinde Geld für eine größere Orgel. Diese wurde 1927 von Josef Behmann (Sohn von Anton Behmann) aus Schwarzach mit zunächst 67, auf Kegelladen stehenden Registern erbaut. Der ungewöhnlich breit ausladende Prospekt mit insgesamt über 200, davon vielen stummen und überlangen klingenden, Pfeifen wurde nach einem Plan vom Bildhauer Thomas Mennel gefertigt. Eine Besonderheit stellen die 1928 durch Behmann ergänzten fünf, auf Schleifladen gestellten Hochdruckstimmen dar. Das Instrument verfügt somit über 72 Register auf drei Manualen und Pedal. Sie ist die mit Abstand größte Orgel Vorarlbergs und, von erneuerten Verschleißteilen abgesehen, original erhalten. Die Trakturen sind elektro-pneumatisch.
Die Orgel war bereits 1964 stark reparaturbedürftig. Ein Ersatz durch einen Neubau stand im Zuge der von 1967 bis 1969 vorgenommenen Kirchenumgestaltung zur Debatte. Verschiedene Gutachter kamen zu gegensätzlichen Ergebnissen, so dass man die Orgel stehen ließ und stattdessen 1970 die Chororgel baute. Nachdem Martin Haselböck 1984 deutlich für einen Erhalt des Behmann-Werkes votierte[9], führte die Firma Kuhn (Männedorf/CH) 1986 eine Restaurierung durch und stellte die durch die Abnutzung geringfügig veränderte Intonation wieder auf die des Erbauers ein.[10] 2020/21 waren eine aufwendige Schimmelsanierung und erneute Ausreinigung von Haupt- und Chororgel fällig, welche Fa. Kuhn erledigte.[11]
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- Koppeln: Normalkoppeln, Effektkoppeln
- Spielhilfen: sieben feste Kombinationen (u. a. pp, p, mf, f, pleno, tutti), drei freie Kombinationen, Crescendowalze
- Winddrücke: zwischen 75 und 85 mm WS[12], Hochdruckstimmen 200 mm WS[13]
Die Chororgel aus dem Jahre 1970 ist vom Orgelbauer Johannes Karl (Aichstetten) gebaut[14], verfügt über 15 Register auf zwei Manualen und Pedal und hat vollmechanische Trakturen.
Konzerte
An Samstagen im Mai und Juni findet jeweils vormittags eine halbstündige „Orgelmusik zum Dornbirner Markt“ statt,[15] im Herbst gibt es das „Internationale Festival Symphonische Orgelkunst“.[16]
Glocken
Im Turm hängen insgesamt sechs Glocken. Nachdem zwei Glocken von 1600 und 1814 im Ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke beschlagnahmt wurden,[3] sind noch zwei historische Bronzeglocken vorhanden: Die kleinste, das ehemalige Sterbeglöckchen, wurde 1731 von Johann Baptist Aporta in Bregenz gegossen und hat den Ton h2, die größere mit dem Ton ges1 stammt von Hans Malin aus Lothringen aus dem Jahr 1548. Vier Glocken wurden vom Böhlerwerk in Kapfenberg 1922 aus Gussstahl gegossen.
Das Geläut (ohne Totenglocke) erklingt in der Disposition b0–des1−es1–ges1–b1.[17]
Tonträger
- Johannes Geffert: Bach's Memento - Orgelwerke von J. S. Bach in romantischer Bearbeitung, Label: Edition Lade EL CD 030
- Andreas Jetter: Franz Schmidt - Orgelwerke Vol. 1-3, Label: Ambiente Audio
Literatur
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Vorarlberg. Dornbirn. Hrsg. Bundesdenkmalamt. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1983, ISBN 3-7031-0585-2, S. 132–134.
Weblinks
- Internetpräsenz der Pfarre St. Martin
- Anton Ulmer: Kirche St. Martin - Architektur, auf lexikon.dornbirn.at
- Anton Ulmer: Kirche St. Martin - Ausstattung, auf lexikon.dornbirn.at
- Thomas Planinger: Kirche St. Martin - Geschichte auf lexikon.dornbirn.at
- Geschichte der Pfarrkirche St. Martin auf kath-kirche-vorarlberg.at (Mit Innenaufnahme aus der Zeit vor den 1960er Jahre-Veränderungen.)
- Pfarrkirche St. Martin auf der Internetpräsenz der Diözese Feldkirch
Einzelnachweise
- ↑ Vorarlberg – unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz. ( vom 26. Juni 2016 im Internet Archive; PDF) Bundesdenkmalamt, Stand: 21. Juni 2016.
- ↑ a b c Anton Ulmer: Kirche St. Martin - Architektur Kirche St. Martin - Architektur. In: lexikon.dornbirn.at. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ a b c d e Unsere Kirche und Kapellen. In: pfarre-st-martin.at. Pfarrgemeinde Dornbirn Markt, abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Reclams Kunstführer Österreich, Baudenkmäler, Band II: Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Kärnten, Steiermark. Bearbeitet von Franz Fuhrmann, Laurin Luchner, Karl Oettinger, Erwin Heinle. Karl Ginhart, Hans Riehl. Philipp Reclam Jun., Stuttgart (o. J.), S. 71.
- ↑ Hans Nägele: Wie das erste Gemeindeblatt in Vorarlberg entstanden ist. Feierabend Wochenbeilage zum Vorarlberger Tagblatt, 13. Jahrgang 1931, Folge 16, S. 184 f.
- ↑ Werner Matt: Wandgemälde St. Martin - „Die vier letzten Dinge“. In: Dornbirn Lexikon. Abgerufen am 1. Januar 2021.
- ↑ E. Tiefenthaler: Rick, Johann Kaspar (1808-1888), Maler. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 9, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, ISBN 3-7001-1483-4, S. 132.
- ↑ Anton Ulmer: Ausstattung Kirche St. Martin - Ausstattung. In: lexikon.dornbirn.at. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Orgel Dornbirn, St. Martin. Abgerufen am 5. Januar 2022.
- ↑ Nähere Informationen zur Orgel ( des vom 18. Dezember 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Zeitungsimport VN: Große Orgel in St. Martin wird um 360.000 Euro restauriert. Abgerufen am 6. April 2025.
- ↑ Dornbirn, St. Martin. Abgerufen am 5. Januar 2022.
- ↑ Orgeldetails - Orgelbau Kuhn AG. Abgerufen am 10. November 2020.
- ↑ Dornbirn – St. Martin Haupt- und Chororgel – Orgel Verzeichnis – Orgelarchiv Schmidt. Abgerufen am 3. August 2021 (deutsch).
- ↑ Orgelmusik zum Dornbirner Markt. Abgerufen am 29. August 2024.
- ↑ 31. Internationales Festival Symphonische Orgelkunst 2024 St. Martin - Dornbirn. Abgerufen am 29. August 2024.
- ↑ Arlberg09: Dornbirn (Vorarlberg) Geläute (alter Zustand) der Stadtpfarrkirche St. Martin auf YouTube, 2. August 2011, abgerufen am 25. Februar 2024 (Videoaufnahme des Vollgeläuts; Laufzeit: 7:00 min).
Koordinaten: 47° 24′ 49,1″ N, 9° 44′ 29,4″ O