Pfarrhaus (Achsheim)
Das Pfarrhaus Achsheim lag unmittelbar südwestlich der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Achsheim, einem Gemeindeteil von Langweid am Lech im Landkreis Augsburg. Es war bis zu seinem Abbruch im Jahr 1999 nach einer vorsätzlich herbeigeführten Explosion als Baudenkmal gelistet und zählte zu den ältesten erhaltenen Wohngebäuden in bayerisch Schwaben.[1]
Geschichte
Der Bau ging im Kern auf das Jahr 1430 zurück.[1] 1762 erfolgte eine größere Reparatur durch Franz Kleinhans aus Unterpinswang und 1789 eine Erneuerung durch den Augsburger Baumeister Johann Stephan Gelb.[2]
Nach längerem Leerstand stellte die Kirchenverwaltung 1997 einen Antrag auf Abbruch des zu diesem Zeitpunkt baufälligen Gebäudes. Geplant war ein Neubau an gleicher Stelle. Der Abbruchantrag wurde aufgrund der Denkmaleigenschaft von der zuständigen Behörde allerdings abgelehnt, sodass ein Sanierungskonzept erarbeitet wurde. Die Finanzierung sollte weitgehend durch öffentliche Gelder erfolgen.[1]
In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1999 drang ein 62-jähriger Dorfbewohner und Mitglied der örtlichen Kirchenverwaltung in das Pfarrhaus ein und verursachte durch das Einleiten großer Mengen Propangas und einen anschließenden Zündversuch eine Explosion, die nahezu die gesamte Nord- und Westfassade einstürzen ließ. Zudem brach ein Brand in dem Gebäude aus. Bedingt durch die massiven Schäden musste der Pfarrhof wenig später vollständig abgebrochen werden.[1] Der Täter stellte sich und gestand die Tat. Er gab an, dass er gegen den Erhalt des Gebäudes war und einen Neubau für sinnvoller hielt. Er wurde anschließend wegen Herbeiführens einer Explosion in Tateinheit mit Brandstiftung zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.[1] Die Explosion und das folgende Gerichtsurteil schafften es bundesweit in die Schlagzeilen.[3]
Baubeschreibung und Ausstattung
Der zweigeschossige Massivbau mit steilem Satteldach hatte auf der Giebelseite drei und auf der Traufseite vier Achsen. Eine Erweiterung nach Westen, ebenfalls von 1762, war durch eine Baufuge und ein angeschlepptes Dach erkennbar.[2]
Im Pfarrhaus befand sich ursprünglich (Stand 1970) eine kleine, kunsthistorisch bemerkenswerte Ausstattung.[2] Zum Inventar gehörten ein Ölbild des hl. Johannes des Täufers aus dem 17./18. Jahrhundert sowie mehrere qualitätvolle Holzfiguren, darunter Darstellungen des hl. Jakobus, der Muttergottes und eines Auferstehungschristus, die jeweils in die Mitte des 18. Jahrhunderts datieren. Ergänzt wurde der Bestand durch ein Kruzifix aus dem 17./18. Jahrhundert und ein um 1510 entstandenes Relief der Vierzehn Nothelfer.
Literatur
- Wilhelm Neu, Frank Otten: Landkreis Augsburg. Hrsg.: Torsten Gebhard, Anton Ress (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 30). Deutscher Kunstverlag, München 1970.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Zusammenfassung Tathergang und Urteilsbegründung Amtsgericht Augsburg, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ a b c W. Neu, F. Otten, S. 24.
- ↑ Achsheim: Ruhiger Ort mit großem Knall, abgerufen am 20. Dezember 2025.
Koordinaten: 48° 28′ 46″ N, 10° 48′ 55″ O