Petruskirche (Gerlingen)

Die evangelische Petruskirche steht in Gerlingen, einer Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte

Zur Baugeschichte des 19. Jahrhunderts der spätgotischen, 1463–1496 gebauten Saalkirche mit nördlich angebautem Chorflankenturm sind Details nur aus wenigen Renovierungsunterlagen (1890) von Oberbaurat Heinrich Dolmetsch bekannt.[1] Eine Innenrenovierung 2012 leitete Architekt Joachim Appinger; 2018 erfolgte eine Außenrenovierung.

Architektur

Die Petruskirche besteht aus einem Langhaus, einem eingezogenen, von Strebepfeilern gestützten Chor mit Fünfachtelschluss im Osten. Als Sakristei diente ursprünglich das mit einem Kreuzrippengewölbe bedeckte Erdgeschoss des Chorflankenturms. Sie wurde an seiner Südwand durch einen spätgotischen Anbau ersetzt. Dort sind der Vater und die Schwester von Friedrich Schiller begraben.

Der Innenraum des Langhauses ist mit einer Flachdecke überspannt. Nach 1495 wurde der Chor innen mit einem Netzgewölbe bedeckt, dessen Schlusssteine von Hans Wunderer gestaltet wurden. Für die nach der Reformation größer gewordene Gottesdienstgemeinde wurde im Jahr 1581 eine West- und Nordempore eingebaut.

Ausstattung

Eine Steinskulptur des Apostels Petrus, die ursprünglich das Westende des Langhausfirstes zierte, dürfte wohl bauzeitlich aus dem 15. Jahrhundert stammen und steht nun auf einer Konsole neben dem Kanzel-Südwandfenster. 1610 spätestens wurde eine Kanzel aufgestellt. Die aktuelle Kanzel von 1941 ist über einen kurzen Quergang direkt aus der Sakristei zugänglich und ist mit Holzreliefs in den fünf Füllungen der Kanzelbrüstung versehen. Ihr Schalldeckel wurde im Jahre 1662 von den Schreinern Gall. Bohm sen. (1605–1681) und Gall. Bohm jun. (1645–1689) geschaffen, ebenso wie 1673 die Psalmentafel innen neben der Eingangstür. Für die Brüstung der Westempore stifteten 1678 „Rath und Gericht“ acht Bildtafeln und ein Jahr später Männer aus der Gemeinde weitere achtzehn Bilder für die Nordempore, gemalt von Wolfgang Buchenau (Leben Jesu von seiner Verkündigung bis zu Himmelfahrt und Pfingsten). Im Chor haben sich Reste des ehemaligen Chorgestühls, verziert mit Flachschnitzerei, erhalten. Die obere Maßwerkverglasung des Chormittelfensters ist eines der ganz frühen Werke des Stuttgarter Glaskünstlers Wolf-Dieter Kohler von 1951 (Werkstatt V. Saile, Stuttgart) und zeigt zwei Engel: den einen mit Noten als Sinnbild für Kirchenmusik, den anderen mit Räucherfass als Sinnbild der aufsteigenden Gebete (Offbg. 8, 3-4). Die übrigen Chorfenster verzichten auf farbige Glasgestaltung zugunsten des Barockprospekts der Chororgel.

Die Orgel im Chor wurde 1968 von Orgelbau Friedrich Weigle in das historische Gehäuse eines unbekannten Erbauers von 1678 gebaut. Sie verfügt über 26 Register (und eine Windabschwächung) auf zwei Manualen und Pedal. Eine Sanierung und Überarbeitung erfolgte 2013.[2]

Literatur

  • Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Neckarkreis – Inventar; Stuttgart 1889, S. 284 und 289
  • Otto Schopfer: Das Bauwerk und seine Ausstattung; in: Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit. 500 Jahre Petruskirche in Gerlingen; Hg. Evangelische Petruskirchengemeinde Gerlingen, 1963
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 257–258.
  • Evangelische Petruskirchengemeinde Gerlingen: Petruskirche Gerlingen. Führung durch ein Wahrzeichen der Stadt. 2014 (PDF-Datei)
Commons: Petruskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters; Stuttgart 2008, Seite 236
  2. Über unsere Kirchen. Abgerufen am 13. Februar 2024 (deutsch).

Koordinaten: 48° 47′ 59,5″ N, 9° 3′ 55,3″ O