Petrus Frederikus Antonius Hoefsloot
Petrus Frederikus Antonius Hoefsloot, auch Piet (* 6. Januar 1893 in Arnheim; † 9. Juli 1942 in der Festung Rijnauwen in Bunnik, nahe Utrecht, heute Gedenkstätte) war ein niederländischer Möbelhändler und Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische deutsche Besatzungsmacht. Er wohnte zeitlebens in Arnheim.
Familie und Beruf
Vater: Petrus Michael (1854–1942), Mutter: Johanna Wilhelmina Hendrika Herr (1860–1903), Ehefrau: Hendrica (Riek) Wilhelmina Maria Jansen (1894–1953), Heirat am 3. August 1920 in Zevenaar bei Arnheim. In seinem Abschiedsbrief an seine Familie zählt er seine Angehörigen auf: Vater, Mutter, Brüder, Schwestern, Schwäger, Schwägerinnen, Neffen, Nichten und seine elf Kinder: Petrus/Piet (1921–2020), Miep, Connie, Maria, Hannie, Anneke, Fransje, Thea/Theodora (1929–1949), Jantje, Pauwke/Paula, Juleke/Juul.[1][2]
Er war Kaufmann und Möbelhändler und übernahm 1931 in zweiter Generation das Möbelhaus seines Vaters, der dieses 1889 in Arnheim gegründet hatte.
Widerstand
Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande am 10. Mai 1940 kapitulierte das Land vor der erdrückenden Übermacht am 14. Mai 1940. Hoefsloot war der Befehlshaber der Bürgergarde in Arnheim, die zeitgleich verboten wurde. Schon im Juni 1940 gründete er die Widerstandsgruppe Oranjewacht und organisierte deren Aufteilung in Kleingruppen, geheime Kommandostrukturen und Kommunikation. Er sammelte und verteilte Waffen, unternahm Aufklärungs- und Sabotageaktionen.[1]
Verhaftung, Prozess und Hinrichtung
Als der sozialistische Widerstandskämpfer Bernardus IJzerdraat verhaftet wurde (25. November 1940), hatte er ein Notizbuch mit einigen Namen von Mitgliedern der Oranjewacht bei sich. Wenige Tage später wurden 40 Mitglieder der Oranjewacht festgenommen, neun von ihnen wurden erschossen, die anderen wurden in Gefängnisse verbracht, darunter auch Hoefsloot, der am 12. Dezember 1940 zu Hause festgenommen und ins Gefängnis Arnheim gebracht wurde. Danach wurde er nach Scheveningen in das berüchtigte Oranjehotel verlegt, denn der Prozess fand vor dem deutschen Feldkriegsgericht im Gebäude des obersten Gerichtshofs, des Hohen Rats, in Den Haag, statt (27. Oktober – 15. November 1941). Vierzehn Männer wurden angeklagt, neun wegen verbotenen Waffenbesitzes und Spionage am Flughafen Leeuwarden zum Tode verurteilt. Die Gefangenen wurden danach in das Durchgangslager Amersfoort verlegt und der Prozess in Amsterdam fortgesetzt (4. – 6. Juni 1942), wo das vorangegangene Urteil bestätigt wurde. In der Festung Rijnauwen wurde das Urteil durch ein Erschießungskommando vollstreckt (9. Juli 1942).
Gedenken
- Grabstein auf dem Friedhof: Begraafplaats Moscowa, Waterbergseweg 18, Arnheim.
- Denkmal mit Name auf dem Erschießungsplatz in der Festung Rijnauwen, Rhijnauwenselaan 5, Bunnik.
- Abschiedsbrief an seine Familie, geschrieben (4.30 Uhr) kurz vor der Hinrichtung (6 Uhr): „Blieb heute nacht mit den andern zum Tode Verurteilten wach und hörte, dass das Urteil bestätigt wurde … Ich sitze selbst im Sprechzimmer mit meinem Pfarrer und bin vollständig vorbereitet für die letzte Reise … Alle Sachen, die mir gehören, sind schon an dich, mein Frauchen, abgesandt worden. Nur mein Trauring ist im Lager Amersfoort in einem gelben Umschlag geblieben. Gewiss wird sich der Oberschütze W. Engbrocks dort die Mühe machen und auf Anfrage hin nach dem gelben Umschlag sehen, in dem der Ring wahrscheinlich geblieben ist.“
Literatur
- Hoefsloot. In: Lettere di condannati. Einaudi, Turin 1954, S. 413–416 (übersetzt: Und die Flamme soll euch nicht verbrennen, Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer. Volk und Welt, Berlin-Ost 1956, S. 422–423: Überblick über den niederländischen Widerstand mit weiteren Quellenangaben).
Weblinks
- Gedenkseite mit Kurzbiographie und Bildern auf oorlogsgravenstichting.
- Grabstein oorlogsgravenstichting.
- Genealogie der Familie genealogieonline.nl.
- Möbelhaus Hoefsloot, Geschichte über fünf Generationen, Kurzbiographie von Piet Hoefsloot mit Bildern auf hoefsloot.nl.
Einzelnachweise
- ↑ a b Und die Flamme soll euch nicht verbrennen, Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer. Berlin 1956, S. 422–423.
- ↑ Genauere Angaben zur Genealogie auf genealogieonline.nl.