Peter Schruth

Peter Schruth (* 1952) ist ein deutscher Sozialarbeiter, Berliner Jurist und Hochschullehrer in Magdeburg-Stendal.

Leben und Wirken

Hans-Peter Schruth absolvierte nach dem Abitur seinen Zivildienst beim DRK-Rettungsdienst. 1973 kam er nach West-Berlin zum Studium der Sozialen Arbeit an der Ev. Fachhochschule Berlin sowie der Rechtswissenschaften an der FU Berlin.

Von 1984 bis 1993 war Peter Schruth bei der Allgemeinen Jugendberatung e.V. beschäftigt und arbeitete zusammen mit Hannelore May in Projekten der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit – stadtteilbezogene Lernwerkstatt, gemeinnützige Jobbörse für dauerarbeitslose Jugendliche, Beratung des selbstverwalteten Tommy-Weisbecker-Hauses – in Berlin-Kreuzberg.

Von 1994 bis 1997 war er Assistent des Jugendhilferechtlers Johannes Münder am Institut für Sozialpädagogik der TU Berlin und promovierte ebendort bei Münder und Manfred Kappeler.

Peter Schruth wurde 1997 Professor für Recht in der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe und ist seit 1998 Professor für Recht in der Sozialen Arbeit des Fachbereiches Sozial- und Gesundheitswesen der Hochschule Magdeburg-Stendal mit den Themenschwerpunkten Jugendhilferecht, Soziale Schuldnerberatung und Materielle Grundsicherung.[1]

Er ist Mitbegründer und Ehrenvorsitzender des Berliner Rechtshilfefonds Jugendhilfe e.V., im Vorstand des Bundesnetzwerks Ombudschaft in der Jugendhilfe e.V. sowie Mitbegründer und im Vorstand des Vereins Gangway (Straßensozialarbeit in Berlin). Seit 2024 ist er Vorsitzender der Berliner Schiedsstelle Jugendhilfe nach § 78g SGB VIII.

Ehemalige Heimkinder

Peter Schruth war von 2009 bis 2010 Mitglied des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren und war von 2011 bis 2015 Ombudsmann der ehemaligen Heimkinder in Deutschland.[2] Zur Entschädigungssituation beklagte er, dass kein systematisches Unrecht anerkannt wurde, sondern lediglich ein zu begründender Folgeschaden gegenüber den Anlaufstellen des Fonds dargelegt werden musste.[3] Er fertigte das Rechtsgutachten vom 22. Februar 2010: „Juristische Bewertung: Das erlittene Unrecht ehemaliger Heimkinder im Lichte eines Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts“.[4]

In den Monaten Februar bis April 2014 kam es erneut zu heftigen Diskussionen, Vorhaltungen und Anfeindungen gegenüber den Fonds-Verwaltern, die den Bedarf wohl falsch berechnet hatten. Schruth wurde als Kronzeuge zu zahlreichen Presseinterviews geladen, so zum Spiegel,[5][6] in die Süddeutsche Zeitung, in der Frankfurter Rundschau, im Tagesspiegel auf Seite 1 sowie ins TV (MDR, WDR, ARD).[7] Peter Schruth drohte mit seinem Rücktritt als Ombudsmann bei Kürzung des DDR-Fonds.[8]

Schriften (Auswahl)

  • Machbarkeitsstudie "Jugendwohnagentur" für den Berliner Senat 2025
  • Schuldnerberatung in der sozialen Arbeit: sozialpädagogische, juristische und gesellschaftspolitische Grundkenntnisse für Theorie und Praxis; 2. Auflage Weinheim 2023
  • Ombudschaft in der Jugendhilfe, Grundlagen - Praxis - Recht, Weinheim 2022
  • Wörterbuch Soziale Arbeit, Stichwort: Zeugnisverweigerungsrecht, 9. Auflage Weinheim 2021
  • Beiträge in der Fachzeitschrift Forum Erziehungshilfen der IGfH seit 2018 (Mitglied der Redaktion)
  • (mit René Grummt und Titus Simon): Neue Fesseln der Jugendhilfe. Repressive Pädagogik, historische Bezüge, rechtliche Grenzen und aktuelle Diskurse, Baltmannsweiler 2010
  • (mit Thomas Pütz): Jugendwohnen: eine Einführung in die sozialrechtlichen Grundlagen, das Sozialverwaltungsverfahren und die Entgeltfinanzierung; Weinheim (Votum) 2009
  • (mit Thomas Pütz): Zur Abgrenzung und Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Jobcenter; in: Jugendsozialarbeit aktuell, Köln April 2006
  • Mädchennotdienste: Übergänge von der Inobhutnahme zu Anschlusshilfen, in: Fortschritt durch Recht (Hrsg. von Dieter Kreft u. a.) München 2004
  • Neuer Finanzierungsweg nach § 13 Abs. 1 SGB VIII, in: Paul Fülbier (Hrsg.) Handbuch Jugendsozialarbeit Votum Münster 2002
  • Junge Arbeitslose in der gemeinnützigen Jobvermittlung: eine sozialrechtliche Einordnung. Opladen 1999

Einzelnachweise

  1. Schruth auf der Seite der Hochschule (Memento des Originals vom 21. September 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hs-magdeburg.de
  2. Vortrag zu den Grenzen der Aufarbeitung 2011 (.pdf; 93 kB)
  3. vgl. "Opfer zweiter Klasse" in: "Regional" v. 23. Januar 2012 (Memento vom 1. Januar 2014 im Internet Archive)
  4. Schruth-Expertisen auf der Seite des "Heimkinder-Forums"@1@2Vorlage:Toter Link/heimkinder-forum.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2022. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., gesehen am 12. Mai 2014
  5. vgl. Spiegel Online
  6. vgl. EPD-Ost v. 2. Februar 2014 über das Spiegel-Heft 6/14 (Memento vom 12. Mai 2014 im Webarchiv archive.today)
  7. Hoelderlin-Blog über Schruth (Memento vom 12. Mai 2014 im Internet Archive)
  8. "Hilfe für traumatisierte Opfer soll stark eingeschränkt werden" - "Der Tagesspiegel" vom 3. Februar 2014