Peter Štih
Peter Štih (* 27. November 1960 in Ljubljana) ist ein slowenischer Mediävist und seit 2020 Präsident der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Ljubljana.
Leben
Bis zum Ende der Mittelschule wohnte er in Tolmin. Im Jahr 1983 hat er sein Studium der Geschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana abgeschlossen. Im Jahr 1984 hat er eine Stelle am Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät in Ljubljana angenommen und sein Postgraduiertenstudium fortgesetzt. Unter anderem hat er von 1990 bis 1992 am Institut für Österreichische Geschichtsforschung in Wien Historische Hilfswissenschaften studiert. Im Jahr 1993 schloss er sein Doktoratsstudium in Geschichte an der Philosophischen Fakultät in Ljubljana ab. Im Jahr 1987 wurde er Assistent für Geschichte der Slowenen im Mittelalter, 1994 Dozent, 1999 außerordentlicher und 2004 ordentlicher Professor für slowenische mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften. Er unterrichtet in Ljubljana und an der Philosophischen Fakultät der Universität Maribor. Im Jahr 2007 wurde er zum außerordentlichen und 2015 zum ordentlichen Mitglied der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste gewählt.
Von 2011 bis 2017 war er Sekretär der I. Klasse für Geschichts- und Sozialwissenschaften, dann wurde er zum Vizepräsidenten gewählt und Ende Mai 2020 zum Präsidenten der SAZU (erneut 2023). Seit 2008 ist er auch korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in der philosophisch-historischen Klasse, seit 2010 Mitglied des Istituto per gli Incontri Culturali Mitteleuropei in Gorizia in Italien. Weiterhin ist er Mitglied des Instituts für österreichische Geschichtsforschung und der Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa. 2018 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg gewählt.
Forschungsschwerpunkte
Er hat viele Werke über die mittelalterliche Geschichte des heutigen slowenischen Raums geschrieben, von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert. Er beschäftigt sich vor allem mit der slawischen Ethnogenese nach der Besiedlung der Ostalpen durch die Slawen, der Entstehung staatlicher Gebilde im frühen Mittelalter in den Ostalpen (Kärnten, Krain), der Geschichte des Adels und der Bildung von Ländern im slowenischen Raum. Außerdem untersucht er Stereotypen und Mythen in der slowenischen Geschichte und Geschichtsschreibung. Er hat auch mehrere viel beachtete Studien im Bereich der Diplomatik veröffentlicht. Für seine Arbeit „Villa quae Sclavorum lingua vocatur Goriza“: eine Studie über zwei Urkunden Kaiser Ottos III. aus dem Jahr 1001 für den Patriarchen von Aquileia Johannes und den friaulischen Grafen Werihen (MGH D O III, Nr. 402[1] und Nr. 412[2]) wurde er im Jahr 2000 als erster mit dem Preis Klio des Verbandes der historischen Gesellschaften Sloweniens.
Zusammen mit Vasko Simoniti hat er das populärwissenschaftliche Werk Slovenska zgodovina do razsvetljenstva (1995) geschrieben, das einem breiten Publikum auf synthetische Weise neue Sichtweisen auf die ältere Geschichte des slowenischen Raums vorgestellt hat und ins Kroatische und Deutsche übersetzt wurde. Im Jahr 2009 kam eine überarbeitete Ausgabe mit dem Titel „Na stičišču svetov: slovenska zgodovina od prazgodovinskih kultur do konca 18. stoletja“ (Am Schnittpunkt der Welten: Slowenische Geschichte von den prähistorischen Kulturen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts) raus. Seit 2000 ist er Chefredakteur der Zgodovinski časopis („Geschichtszeitschrift“). Er war dagegen, dass der Fürstenstein auf der slowenischen 2-Cent-Münze abgebildet wurde.
Seit 2020 ist er Präsident der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste.[3][4]
Auszeichnungen
- 2001: Gewinner des slowenischen Preises Klio für Geschichtsschreibung
- 2018: Goldplakette der Universität Ljubljana
Werke (Auswahl)
- (Hrsg. mit Oliver Jens Schmitt, Arnold Suppan und Peter Vodopivec) Beidseits der Alpen. Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften 2025. ISBN 978-3-7001-9396-8
- Ozemlje Slovenije v zgodnjem srednjem veku: osnovne poteze zgodovinskega razvoja od začetka 6. stoletja do konca 9. stoletja ("The territory of Slovenia during early Middle Ages: a basic outline of historical development from early 6th century to late 9th century", Ljubljana, 2001.
- (mit Vasko Simoniti) Slovenska zgodovina do razsvetljenstva. Ljubljana-Klagenfurt 1995).
- Carniola, patria Sclavorum Wien 1995.
- Studien zur Geschichte der Grafen von Görz. Wien-München 1996.
- (mit Igor Grdina): Spomini Helene Kottanner: ženski glas iz srednjega veka. Ljubljana 1999.
- Srednjeveške plemiške zgodbe ("Stories from Medieval Nobility"). Ljubljana 2001.
- (mit Vasko Simoniti und Peter Vodopivec) Slowenische Geschichte: Gesellschaft - Politik - Kultur. Graz, 2008.
- The Middle Ages between the Eastern Alps and the Northern Adriatic: Select Papers on Slovene Historiography and Medieval History. Brill, 2010. ISBN 978-90-04-18591-3.
Weblinks
- Department of History of the Faculty of Arts of the University of Ljubljana: Peter Štih
- Eintrag bei der ÖAW
Einzelnachweise
- ↑ Theodor Sickel (Hrsg.): Diplomata 13: Die Urkunden Otto des II. und Otto des III. (Ottonis II. et Ottonis III. Diplomata). Hannover 1893, S. 835 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
- ↑ Theodor Sickel (Hrsg.): Diplomata 13: Die Urkunden Otto des II. und Otto des III. (Ottonis II. et Ottonis III. Diplomata). Hannover 1893, S. 846 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
- ↑ STAznanost: Novi predsednik SAZU postal Peter Štih. In: znanost.sta.si. Abgerufen am 29. Oktober 2024 (slowenisch).
- ↑ Peter Štih. In: www.sazu.si. Abgerufen am 29. Oktober 2024 (englisch).