Penstemon hartwegii

Penstemon hartwegii

Penstemon hartwegii

Systematik
Klasse: Asteriden
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Gattung: Bartfaden (Penstemon)
Art: Penstemon hartwegii
Wissenschaftlicher Name
Penstemon hartwegii
Benth.

Penstemon hartwegii, auch Hartwegs Bartfaden genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Bartfaden (Penstemon) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Er ist in Mexiko beheimatet und wird als Zierpflanze verwendet.[1]

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Penstemon hartwegii ist eine ist eine ausdauernde, krautige und oft halbstrauchige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 80 (selten bis zu 150 Zentimetern) erreicht.[1] Ihre aufrechten Stängel sind in zwei Reihen dicht behaart.[2]

Die Laubblätter sind gegenständig am Stängel verteilt angeordnet. Die unteren Stängelblätter sind schmal lanzettlich. Die oberen Stängelblätter sind breiter und im mittleren Stängelabschnitt am größten. Sie sind bei einer Länge von 3,5 bis 7,5 Zentimetern und einer Breite von 1 bis 1,5 Zentimetern lanzettlich bis eiförmig lanzettlich. Die Blattspreiten sind kahl und glänzend, manchmal am unteren Rand und an der Mittelrippe kurz behaart. Ihre Basis ist stängelumfassend, ihr Rand ganzrandig und oft schmal zurückgerollt. Die Blattspitze ist spitz, selten zugespitzt.[2]

Generative Merkmale

Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August.[1] Der endständige, lange und lockere, thyrsoide Blütenstand ist zweireihig behaart oder vollständig mit kurzen, manchmal etwas drüsigen Haaren bedeckt. Die zymösen Teilblütenstände besitzen nach oben kleiner werdende Tragblätter, aufsteigende, etwas ausgebreitete Stiele und Blütenquirle mit einer bis drei (meist drei, selten vier) gestielten Einzelblüten.[2]

Die zwittrige, zygomorphe und fünfzählige Blüte hat eine doppelte Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind an ihrer Basis verwachsen. Die am Grund drüsig-behaarten Kelchlappen sind bei einer Länge von 7 bis 10 Millimetern und einer Breite von 4 bis 5 Millimetern breit elliptisch mit spitzer oder kurz zugespitzter Spitze. Die fünf Kronblätter sind zu einer 4 bis 5 Zentimeter langen, röhrenförmigen Blütenkrone verwachsen, die sich allmählich von der Basis zum zweilippigen, fast regelmäßigen Rand erweitert. Die fünf Kelchlappen sind abgerundet und ausgebreitet.[2] Die Blütenkrone ist außen und innen auf den Kelchlappen scharlachrot oder dunkel-purpurfarben,[1] im Schlund oft abrupt weiß mit kräftigen Saftmalen. Die weißen Staubfäden und die kahlen, dunklen Staubbeutel sind eingeschlossen. Das Staminodium ist kahl oder mäßig behaart.[2]

Die kahle, eiförmige, zugespitzte Kapselfrucht enthält viele kantige, ein bis zwei Millimeter lange, schwarze Samen.[2]

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl ist x = 8; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 16.[2]

Ökologie

Penstemon hartwegii gehört zu den großblütigen Arten der Gattung Penstemon. Ihre weit geöffnete, röhrenförmige Blütenkrone wird sowohl von Kolibris als auch von Bienen, insbesondere von Hummeln, besucht.[2] Im Vergleich zur verwandten Art Penstemon gentianoides mit ihren an Bienen angepassten, blauvioletten Blüten verfügt Penstemon hartwegii über Merkmale, die eher für Kolibris geeignet sind: eine stärkere Rotfärbung, eine längere Kronröhre, stärker hervorstehende Staubbeutel und Stempel, eine kleinere Landeplattform, etwas geneigtere Blüten mit flexibleren Blütenstielen, eine höhere Produktion von weniger konzentriertem Nektar sowie leichter zugängliche Pollen.[3]

Vorkommen

Penstemon hartwegii kommt im nordöstlichen, zentralen und südwestlichen Mexiko vor.[4] Er besiedelt dort Uferbereiche und lichte Kiefern- und Eichenwälder (Madrean Pine-Oak Woodlands) in kalttropischen, submontanen Höhenlagen von 2100 bis 2800 Metern.[2][5]

Systematik

Die Erstbeschreibung unter dem Artnamen Pentstemon hartwegi erfolgte im Jahr 1840 durch George Bentham in Plantas Hartwegianas, S. 48.[6] Später wurde der Artname an den früher veröffentlichten Gattungsnamen Penstemon angeglichen und zu Penstemon hartwegii korrigiert. Der artspezifischen Namensteil hartwegii ehrt den deutschen Botaniker Karl Theodor Hartweg. Penstemon hartwegii wird der Sektion Fasciculus der Untergattung Penstemon innerhalb der Gattung Penstemon zugeordnet.[2]

Verwendung

Penstemon hartwegii wird gelegentlich als Zierpflanze verwendet. Er scheint sehr widerstandsfähig gegen Mehltau zu sein,[7] benötigt dazu aber vollsonnige Standorte auf durchlässigen, eher frischen als trockenen, mehr oder weniger neutralen Böden. Gute Nachbarn mit ähnlichen Standortansprüchen sind beispielsweise Rittersporne, Duftnesseln und Garten-Margeriten.[1] Penstemon hartwegii gilt als mäßig winterhart bis −7 °C (Zone 9)[7] und kann nur in sehr warmen Lagen mit gutem Winterschutz mehrjährig kultiviert werden. Meist werden die Pflanzen nur zweijährig gehalten.[1]

Zusammen mit Penstemon campanulatus und Penstemon cobaea ist Penstemon hartwegii eine der Elternarten vieler großblumiger, reichblütiger Bartfaden-Hybriden. Diese werden manchmal als Penstemon gloxinioides hort. oder Penstemon hartwegii var. hybridus hort. bezeichnet. Sie haben meist große, über fünf Zentimeter lange, glockenförmige Blüten mit verschiedenfarbigen Blütenkronen (rosa, rot, karmin, weiß, purpurn, blau, violett) und einem hellem, oft gepunktet-gestreiften Schlund. Da die Winterhärte der angebotenen Hybridmischungen unsicher ist, werden diese meist im Gewächshaus vorgezogen und wie einjährige Sommerblumen kultiviert.[8] In den USA sind sehr viele Sorten von Penstemon hartwegii verbreitet. In Europa werden vor allem großblütige Farbmischungen wie ‘Giganteus’ und ‘Sensation’ angeboten, aber auch einige reinfarbige Sorten, wie:[1]

  • ‘Paul Schönholzer’ (Syn.: ‘Schoenholzeri’): Diese Sorte hat besonders große, scharlachrote Blüten.
  • ‘Friedhelm Hahn’: Diese Sorte hat große, weinrote Blüten.
  • ‘Southgate Gem’: Diese Sorte große, leuchtend rote Blüten.
  • ‘White Bedder’: Diese Sorte hat reinweiße Blüten.

Literatur

  • Richard M. Straw: The Penstemons of Mexico II. Penstemon hartwegii, Penstemon gentianoides, and their allies. In: Botanical Sciences (bis 2011: Boletín de la Sociedad Botánica de México). Band 27, Nr. 1, 1962, S. 1–36, doi:10.17129/botsci.1073 (Online).
  • Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 697–701, Kapitel Penstemon.
Commons: Hartwegs Bartfaden (Penstemon hartwegii) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, Abschnitt P. hartwegii Benth. auf S. 699.
  2. a b c d e f g h i j Richard M. Straw: The Penstemons of Mexico II. Penstemon hartwegii, Penstemon gentianoides, and their allies. In: Botanical Sciences (früher: Boletín de la Sociedad Botánica de México). Band 27, Nr. 1, 1962, S. 1–36, Beschreibung von Penstemon hartwegii auf S. 11–13, Chromosomenzahl auf S. 20, doi:10.17129/botsci.1073 (Online).
  3. James D. Thomson, Paul Wilson, Michael Valenzuela, Maria Malzone: Pollen presentation and pollination syndromes, with special reference to Penstemon. In: Plant Species Biology. Band 15, Nr. 1, 2000, S. 11–29, Table 2: Comparisons of pollination syndrome characters auf Seite 21 und Comparison 6: Penstemon section Fasciculus auf S. 23, doi:10.1046/j.1442-1984.2000.00026.x (Online bei University of Toronto [PDF]).
  4. Datenblatt Penstemon hartwegii Benth. bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  5. Datenblatt Penstemon hartwegii mit Detailfotos bei Wolfe Lab, The Ohio State University.
  6. George Bentham: Plantas Hartwegianas, imprimis mexicanas adjectis nonnullis Grahamianis enumerat novasque. Hrsg.: Linnean Society of London. London 1840, S. 48 (Digitalisat).
  7. a b The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie. Dorling Kindersley, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, Abschnitt P. hartwegii auf S. 362.
  8. Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, Schmuck-Bartfaden, Penstemon-Hybriden, S. 465.