Pearl Blauvelt

Pearl Blauvelt (* 25. Juni 1893 in Pennsylvania; † 1987 in Scranton) war eine amerikanische Künstlerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.

Werdegang

Pearl Blauvelt stammt aus einer Familie mit niederländischen Wurzeln. Ihre Vorfahren hatten sich im Hudson Valley nördlich von New York City niedergelassen und waren 1694 an der Gründung der Ersten Niederländisch-Reformierten Kirche in der Region beteiligt. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zog Pearl Blauvelt mit ihrem Vater in ein Fachwerkhaus in einer abgelegenen Kleinstadt im Nordosten Pennsylvanias, das sie bis in die 1950er Jahre bewohnte. Von den Dorfbewohnern wurde sie „die Village Witch“ (Dorfhexe) genannt. Ihr im 19. Jahrhundert erbautes Haus beheizte sie mit einem Kohleofen und hatte zur Wasserversorgung nur eine Pumpe in der Küche, die Wasser aus einem Brunnen im Garten förderte.[1][2][3]

Wie Pearl Blauvelt ihren Lebensunterhalt bestritt, ist nicht bekannt, aber sie zeichnete, wie ihre später gefundenen Arbeiten belegen. Als sie nicht mehr ohne Unterstützung leben konnte und für geschäftsunfähig erklärt wurde, übersiedelte sie in ein nahegelegenes betreutes Wohn- und Pflegeheimheim, wo bis zu ihrem Tod weiter zeichnete. Ihre Zeichnungen überdauerten in einer Holzkiste, bis sie zufällig während der Restaurierung ihres ehemaligen seit fünfzig Jahren leerstehenden und baufälligen Hauses entdeckt wurden.[1][2][3]

Werk

Pearl Blauvelts Werk umfasst etwa 800 Zeichnungen, die vermutlich in den 1940er Jahren entstanden. Für ihre zarten Arbeiten verwendete sie die begrenzten ihr zur Verfügung stehenden Zeichenmaterialien und arbeitete mit Blei- und Farbstiften auf liniertem Notizbuchpapier, Briefkuverts und Papiertüten. „Ihre Bilder zeugen von der Fantasie einer Frau, die ein bescheidenes Leben am Rande der Gesellschaft führte“,[2] dienten ihr aber möglicherweise auch als „viktorianische Alltags-Erinnerungen“.[1][3]

Pearl Blauvelt verknüpfte oft biblische Bezüge mit alltäglichen Ereignissen, zeichnete Menschen und Landschaften aus ihrer Umgebung als auch Dinge, bei denen sie auf Abbildungen von Produkten aus Versandhauskatalogen der Mitte des 20. Jahrhunderts zurückgriff. Zu ihren Motiven zählten Landschaftsdarstellungen, Menschen auf der Landstraße, Pferdekutschen, Eisenbahnschienen, Banknoten, Häuser, Möbel und Kleidungsstücke, wie etwa Damenunterwäsche. Oft beschriftete sie die dargestellten Dinge präzise und bemühte sich um eine genaue Wiedergabe von Proportionen, Formen und Oberflächenstrukturen ihrer vielfältigen Motive.[1][2]

Werke von Pearl Blauvelt befinden sich seit 2021 im Kontext der 921 Werke umfassenden „Donation d´Art Brut de Bruno Decharme“ in der Sammlung des Centre Georges Pompidou in Paris, dem Museum of Everything in London, dem Museum of Modern Art in New York, der Schweizer Sammlung Dammann, der Sammlung Hannah Rieger in Österreich[1] und der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia.[2]

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2025/2026: 519 – The City May Now Scatter. Museum of Modern Art, New York
  • 2020: Pearl Blauvelt. Andrew Edlin Gallery, New York (Einzelausstellung)
  • 2018: Leben in Art Brut: Sammlung Hannah Rieger. Bildraum Bodensee, Bregenz
  • 2019: Memory Palaces: Inside the Collection of Audrey B. Heckler. American Folk Art Museum, New York
  • 2010: Museum of Everything, Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli, Turin
  • 2009/2010: Compass in Hand: Selections from The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection. Museum of Modern Art, New York
  • 2008: Glossolalia: Languages of Drawings. Museum of Modern Art, New York[4]
  • 2005: Pearl Blauvelt: Home Sweet Home. John Michael Kohler Arts Center, Sheboygan (Einzelausstellung)
  • 2005: Art on Paper. Weatherspoon Art Museum, Greensboro[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Pearl Blauvelt. In: Hannah Rieger: Living in art brut. Abgerufen am 9. Januar 2026
  2. a b c d e f Pearl Blauvelt. In: Andrew Edlin Gallery. Abgerufen am 9. Januar 2026
  3. a b c Donna und Dennis Corrigan: Pearl Blauvelt: The Village Witch. In: Raw Vision. Ausgabe 39, Sommer 2002 (eingeschränkte Vorschau ohne Seitenzahl)
  4. Pearl Blauvelt. In: Museum of Modern Art. Abgerufen am 9. Januar 2026