Paula Loeb

Paula Loeb (geboren 19. Juni 1876 in Köln; gestorben 18. Mai 1941 ebenda[1]) war eine deutsch-jüdische Lehrerin.

Biographie

Paula Loeb war eine Tochter von Seligmann Loeb (ca. 1830–1906) und Regine Zons (1842/43–1907)[2]. Sie hatte zwei Schwestern – Emmy und Sarah – und zwei Brüder.[1] Der Vater unterrichtete ab 1856 Religion an der jüdischen Volksschule in Köln. Während er dort tätig war, entwickelte sich die zweigleisige private Schule (damals Schildergasse 32) zu der vielgleisigen „Städtischen Israelitischen Volksschule zu Köln“ in der Lützowstraße. Sie war eine der größten öffentlichen jüdischen Volksschulen in Deutschland.[3] In seiner Grabrede für Seligmann Loeb würdigte ihn Rabbiner Ludwig Rosenthal als „Lehrer und Jude in seinem Sein und Denken“. Laut dieser Rede war Loeb der Sohn streng-frommer Eltern und Enkel eines Rabbi.[4]

Paula Loeb wuchs in einem streng jüdischen Milieu auf, wo religiöse und allgemeine Bildung sowie soziales Engagement wichtige Rollen spielten. Sie entschied sich, ebenfalls Religionslehrerin zu werden, absolvierte ihre Ausbildung an der Lehrerinnenbildungsanstalt der Städtischen Höheren Mädchenschule in der St.-Apern-Straße und machte 1895 ihr Examen. 1899 nahm sie an der städtischen jüdischen Volksschule ihre Tätigkeit auf. 1901 wurde sie fest angestellt und in der Folge zur ersten weiblichen Konrektorin der Israelitischen Schule und von ganz Köln gewählt. Sie blieb unverheiratet und lebte mit ihrer Familie zusammen. Becker-Jàkli: „Paula Loeb war selbstbewusst und äußerst erfolgreich in ihrem Beruf.“[5] Die Schule wurde Anfang der 1930er Jahre von über 700 Schülerinnen und Schülern besucht.[3]

Privat war Loeb in jüdischen sozialen sowie politischen Bereichen aktiv. Sie zählte als eine der ersten zur kleinen Gruppe aktiver Zionisten in Köln um Max und Rosa Bodenheimer. 1911 meldete sie sich für ein Delegiertenmandat zur Teilnahme am Zionistenkongress 1913 in Wien. Sie gründete mit ihrer Lehrerkollegin Cilly Marx und weiteren Frauen der Gemeinde eine Gemeinschaft für Frauenrechte: Explizit trat sie für das Frauenwahlrecht innerhalb der Synagogengemeinschaft ein, da Frauen zu dieser Zeit von Wahlen jeglicher Art ausgeschlossen waren. Ihr Engagement führte 1930 zum Erfolg: Sie und Cilly Marx wurden als erste weibliche Mitglieder in die Repräsentanz der Gemeinde gewählt. 1934 ging sie in den Ruhestand, offenkundig zwangsweise gemäß dem von den Nationalsozialisten 1933 erlassenen „Gesetzes über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“.[5]

Mit Beginn der Zeit des Nationalsozialismus betreute Paula Loeb ab 1933 Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund der zunehmenden Judenverfolgung nach Palästina oder Großbritannien flüchten mussten. Der Unterricht in Englisch sowie in Hebräisch wurde daraufhin intensiviert. Ab 1934 lehrte sie in der „Vereinigung jüdisches Lehrhaus“, die zur Vorbereitung junger Jüdinnen und Juden auf die Auswanderung diente. Dort gehörte sie zum engeren Vorstand.[6]

Paula Loeb starb am 18. Mai 1941 im Israelitischen Asyl in Köln-Ehrenfeld im Alter von 64 Jahren an Krebs. Es ist zu vermuten, dass ihr Tod auf eine mangelhafte medizinische Versorgung für Juden zurückzuführen war.[1] Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Bocklemünd (Flur 20A, Nr. 162) bestattet. Ihre Schwester Emmy Loeb wurde im Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert und dort ermordet.[6] Ihre Schwester Sarah, die um 1910 den Kantor Abraham Reinhardt (1881–1937) geheiratet hatte, wanderte 1939 zu ihren Kindern nach Palästina aus, wo sie 1955 starb.[7]

1958 stiftete der in die USA emigrierte Kölner Unternehmer Meno Lissauer (1879–1958), der Paula Loeb noch zu Lebzeiten kennengelernt und ihre Arbeit geschätzt hatte, einen Stein aus Granit für ihr Grab.[7][8]

Literatur

  • Barbara Becker-Jàkli: Der jüdische Friedhof Köln-Bocklemünd: Geschichte, Architektur und Biografien. Emons Verlag, Köln 2016, ISBN 978-3-95451-889-0.

Einzelnachweise

  1. a b c Merlin Pfennig: Paula Loeb. In: Königin-Luise-Schule. 3. Februar 2019, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  2. Sterbeurkunde Nr. 97 vom 28. Januar 1907, Standesamt Köln IV. In: LAV NRW R Personenstandsregister. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
  3. a b Die Brauns und die Grünebaums - Online-Ausstellung - Jawne. In: jawne.de. 1. Oktober 2020, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  4. Becker-Jàkli, Der jüdische Friedhof, S. 285/86.
  5. a b Becker-Jàkli, Der jüdische Friedhof, S. 286.
  6. a b Becker-Jàkli, Der jüdische Friedhof, S. 287.
  7. a b Becker-Jàkli, Der jüdische Friedhof, S. 285, 287.
  8. Paula Loeb in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 21. Dezember 2025.