Paula Aronsohn
Paula Aronsohn (hebräisch פאולה אהרונסון; geboren am 27. November 1908 in Hamburg als Paula Sealtiel; gestorben am 9. Oktober 1998 in Tel Aviv) war eine in Deutschland geborene israelische Keramikerin und Dozentin.
Werdegang
Aronsohn wurde als Tochter des Kaufmanns Joseph Sealtiel (1877–1936) und seiner Ehefrau Elsa geb. Frank (1878–1947) in einer alteingesessenen sephardischen Familie in Hamburg geboren. Sie absolvierte ab 1928 eine Kunstgewerbe-Ausbildung bei Friedrich Adler an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Hamburg.[1] Im Anschluss lernte sie in der Keramikwerkstatt von Otto Douglas Douglas-Hill in Berlin und studierte anschließend an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in Halle.[2]
Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers verließ Paula Aronsohn Deutschland, reiste zu ihren in Stockholm lebenden Eltern und setzte ihre Studien in Uppsala in der Keramikfabrik Upsala-Ekeby AB fort, während sie auf ein Visum zur Einreise in das Völkerbundsmandat für Palästina wartete, das sie als überzeugte Zionistin beantragt hatte. Im Juni 1933 wanderte sie im Zuge der fünften Alija in das Völkerbundsmandat für Palästina aus und heiratete 1934 Rudi Aronsohn (1907–1962).[1] Zusammen mit der 1932 aus dem Ruhrgebiet eingewanderten Zionistin Eva Samuel gründete sie 1934 in Rischon LeZion die Töpferei und Werkstatt „Kad we Sefel“ (Krug und Becher).[2] Da ihnen die Verständigung auf Hebräisch oder Arabisch schwer fiel, stellten sie vor allem deutschsprachige Assistentinnen an, darunter die in Russland geborene deutsche Immigrantin Mira Liebes, die später selbst als Keramikerin Karriere machte. Sie begründeten so zusammen mit anderen aus Deutschland kommenden jüdischen Keramikerinnen die moderne Kunsttöpferei in Israel.[3][4]
Von 1960 bis 1971 lehrte Paula Aronsohn an der Mittelschule der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) das Fach Keramik.[1][2] Sie starb 1998 in Tel Aviv.
Werk
„Die Arbeiten der eingewanderten deutschen Keramikerinnen standen in scharfem Kontrast zu der in Palästina bis dahin gefertigten Keramik. Die Immigrantinnen waren mit der modernen Bauhaus-Ästhetik und -Philosophie vertraut. Funktionelle Gegenstände konnten schlicht und schön sein. Darauf aufbauend wollten viele Künstlerinnen etwas Neues schaffen – einen in Erez Israel verwurzelten, jüdischen Stil“.[4]
Auch Paula Aronsohns Alltagskeramiken waren grundlegend von den Lehren des Bauhauses bestimmt. Diese schlichten und funktionalen Keramikformen fertigen sie und Eva Samuel in ihrer Keramikwerkstatt und machen sie in der Region bekannt.[2] Sie bemalten sie jedoch häufig mit Motiven, die sie der neuen Umgebung entlehnten. Trotz der hohen Kosten importierten sie in Palästina nicht erhältliche Glasuren aus Deutschland und unternahmen weite Wege mit dem Pferdekarren, um besseren Ton zu beschaffen.[4] Paula Aronsohn und Eva Samuel trugen dazu bei, den Grundstein einer neuen Tradition der Atelierkeramik in Israel zu legen.[5]
Ausstellungen
- 2013/2014: Ton in Ton. Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933. Kabinettausstellung im Libeskind-Bau UG, Jüdisches Museum Berlin[3][4]
- 2025: Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Kuratorin Michal Friedlander, Jüdisches Museum Berlin[6][7][8]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Frank Schütze: Paula Aharonson. In: Vergessene Kunst. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ a b c d Aronsohn, Paula. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ a b Ton in Ton. Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ a b c d Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933. In: Jüdisches Museum Berlin auf Google Arts & Culture. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 259
- ↑ Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ Gesine Borcherdt: Diese Ausstellung in Berlin zeigt, wie jüdische Designerinnen die Moderne formten – trotz Flucht und Verfolgung. In: Architectural Digest vom 16. November 2025. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ Nicola Kuhn: Die Ausstellung „Jüdische Designerinnen der Moderne“: Verdrängt, vergessen, endlich wiederentdeckt. In: Tagesspiegel vom 25. Juli 2025. Abgerufen am 29. November 2025