Paul von Leutschau
Paul von Leutschau (slowakisch Majster Pavol z Levoče, ungarisch Lőcsei Pál mester, * 1460?–1465?; † 1537?–1542?) war ein mittelalterlicher Holzkünstler und Bildhauer des 15. und 16. Jahrhunderts, dessen Hauptwerke in Leutschau (damals Königreich Ungarn, Levoča in der Ostslowakei) entstanden sind. Am bedeutendsten ist sein Hauptaltar von 1507 in der Leutschauer Jakobskirche.
Dieser aus Lindenholz gefertigte Altar ist fast 19 Meter hoch und samt dem Gesprenge zur Gänze erhalten. Auch drei weitere Altäre in der Jakobskirche werden ihm zugeschrieben: die Altäre des Hl. Nikolaus, der Geburt Christi und jener der „vier Johannes“. Ebenso bekannt ist der Hauptaltar der Georgskirche in Georgenberg (slowakisch Spišská Sobota).
Leben
Der Lebenslauf von Paul von Leutschau ist nur fragmentarisch erhalten: seine Lebensdaten, Geburts- und Sterbeorte sowie sein Nachname sind unbekannt, auch weil die meisten Dokumente, die seine Herkunft und Tätigkeit erläutern hätten können, nach dem verheerenden Stadtbrand in Leutschau im Jahr 1550 verloren gegangen sind.[1] Über sein frühes Leben ist so gut wie nichts überliefert. Nach älteren Angaben soll Paul eine Ausbildung und Mitgliedschaft in der Krakauer Malergilde erhalten haben, in der sich seit 1490 neben Malern auch Schnitzer und Glasmacher vereinten. Nach überlieferten Satzungen aus den Jahren 1500–1508 war eine eigene Werkstatt Bedingung für die Meisterprüfung, somit müsste Paul bereits eine solche Werkstatt gehabt haben und Krakauer Bürger gewesen sein. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hielt sich Paul jedoch in Leutschau auf.
Der älteste Beleg ist ein Eintrag im Stadtbuch von Zeben (slowakisch Sabinov) aus dem Jahr 1503, die über die Vergoldung einer Monstranz durch einen Meister Paul berichtet. Nach dem Protokoll der Leutschauer Corpus-Christi-Bruderschaft aus dem Jahr 1506 wurde er dort als Paul [der] Schnitzer als Mitglied aufgenommen, somit müsste er bereits in Leutschau als Bürger mit einer eigenen Werkstatt im heutigen Haus Nr. 20 etabliert gewesen sein, auch weil ihm gerade der Auftrag für den Hauptaltar in der Jakobskirche erteilt worden war, zudem war er verheiratet mit seiner Frau Margit.
Weiter ist bekannt, dass Paul 1515 zu einem der Ältesten der Corpus-Christi-Bruderschaft gewählt wurde und diese Funktion bis 1517 ausübte. Im selben Jahr verkaufte er zehn Fässer alten Weins an die Stadt, daher ist nicht ausgeschlossen, dass er auch als Händler tätig war. 1522 wird er als Zeuge bei der Regelung des Nachlasses von Melchior Messingschläger genannt, möglicherweise sein Schwiegervater, der als Kirchvater maßgeblich bei der Aufstellung des Hauptaltars in der Jakobskirche beteiligt war. 1526 wurde er Mitglied des Stadtrates und besaß zu dieser Zeit Liegenschaften in Leutschau sowie für kurze Zeit auch in Eperies (Prešov) und Rosenau (Rožňava), dazu große Grundstücke rund um die Stadt, die er verpachtete. Der letzte Eintrag über Meister Paul stammt vom Leutschauer Chronist Konrad Sperfolgl aus dem Jahr 1537, als Pauls Sohn Lukas mit dem Sohn des Bürgers Jakub Lutzmann in eine Schlägerei verwickelt wurde, in der ein Geselle, der Sohn von Nikolaus Steyer aus Krakau, starb. Danach sind keine direkten Einträge über Meister Paul zu finden, seine Frau Margit wird 1542 in den Stadtaufzeichnungen als Witwe erwähnt.
Neben seinem Sohn Lukas hatte Paul auch drei Töchter: die älteste, Margit, war mit dem Steinmetz Wolfgang Klenn aus Hof in Franken verheiratet. Der Ehemann der zweiten Tochter, Dorota, war der lokale Tuchmacher Thomas Hölner. Der Name der dritten Tochter ist nicht zweifelsfrei bekannt (als Möglichkeit wird Katarina genannt), ihr Gatte war der Stadtbürger, Goldschmied und Kaufmann Thomas Schewerner, der unter anderem Wein nach Polen und Ulm in Schwaben exportierte.
Im Epitaph des Steinmetzes Martin Urbanowitz und seiner Frau Margita in der Leutschauer Jakobskirche aus dem Jahr 1621 findet sich ein Hinweis auf Meister Paul als Künstler des Hauptaltars: Margita wird dort als Enkelin des Meisters Paul bezeichnet, von dem der Hauptaltar dieser Kirche stamme. Danach geriet sein Name in Vergessenheit, bis ihn 1878 der ungarische Kunsthistoriker Imre Henszlmann in die wissenschaftliche Literatur einführte.
Werk
Aus dem Stil von Meister Paul geht hervor, dass er mit zeitgenössischen künstlerischen Trends im süddeutschen Raum (Nürnberg, Ulm, Augsburg, Würzburg), aber auch im Erzherzogtum Österreich (Wien, Wiener Neustadt) vertraut war. Es wird vermutet, dass er bei Veit Stoß oder dessen Umfeld gelernt hat, somit spielen dessen Hauptwirkungsstätten Nürnberg und Krakau wahrscheinlich eine Rolle. Künstlerisch ist eine Nähe zu Tilman Riemenschneider festzustellen.
- Altar der Hl. Barbara in Banská Bystrica
- Altar des Hl. Georg in Spišská Sobota (heute ein Teil von Poprad)
- Altäre in Hrabušice und Chyžné sowie der Kalvarienberg in der Basilika St. Ägidius in Bardejov
- gotischer Holzaltar in der St.-Jakobs-Kirche in Levoča (1517, 18,62 m hoch)
- andere Werke in Mlynica, Ľubica, Spišská Nová Ves, Slovenská Ves, Sabinov, Chmiňany, Lipany, Svinia, Okoličné, Liptovský Trnovec, Liptovský Mikuláš
Heute ist sein Werk in Levoča in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Im Haus Nr. 20 betreibt das Zipser Museum (slowakisch Spišské múzeum), eine Abteilung des Slowakischen Nationalmuseums, in der es eine Ausstellung über das Leben und Werk von Meister Paul zeigt.
Literatur
- Mária Novotná: Meister Paul und sein Altar. Hrsg.: IKAR. Bratislava 2022, ISBN 978-80-551-8265-0.
Einzelnachweise
- ↑ Kniha Majster Pavol z Levoče In: skn.sk, abgerufen am 22. Oktober 2022