Paul Sunder-Plassmann
Peter Paul Sunder-Plassmann (* 8. Februar 1905 in Förde;[1] † 29. September 1984[2]) war ein deutscher Chirurg und Hochschullehrer. Als Nachfolger von Hermann Coenen war er von 1946 bis 1973 Inhaber des Lehrstuhls für Chirurgie in Münster und Chefarzt der dortigen Chirurgischen Universitätsklinik.[3]
Leben
Sunder-Plassmann wurde in Förde (heute Lennestadt, Kreis Olpe) als fünftes Kind von Maria Sunder-Plassmann (geb. Huckestein) und dem Bauleiter Anton Sunder-Plassmann geboren.[4] Sein Abitur legte er 1924 am humanistischen Gymnasium Attendorn ab. Anschließend nahm er ein Studium der Architektur in Hannover und Karlsruhe auf. Nach dem dritten Semester wechselte er nach Münster und begann dort ein Studium der Biologie und Humanmedizin. Letzteres schloss er 1931 mit der ärztlichen Staatsprüfung ab und wurde im gleichen Jahr mit einer Arbeit über den bulbus carotidis promoviert. Im folgenden Jahr trat er eine Stelle als Assistenzarzt an der von Coenen geführten Chirurgischen Universitätsklinik Münster an. Seine Habilitation und Erteilung der venia legendi erfolgten 1939.[3]
Sunder-Plassmann wurde 1946 als Nachfolger von Hermann Coenen auf den Lehrstuhl für Chirurgie berufen. Aufgrund des endenden Zweiten Weltkriegs und den politischen Umwälzungen der frühen Nachkriegszeit verlief das Berufungsverfahren schleppend, bei der Auswahl der Kandidaten spielten politische Gründe ebenso eine Rolle wie die Stärkung der Universitätsmedizin in Münster als prägende Größe im Raum Westfalen.[3]
Wirken
In die Zeit Sunder-Plassmanns fällt insbesondere der Wiederaufbau der Chirurgischen Universitätsklnik Münster nach dem Zweiten Weltkrieg.[3]
Zudem führte er verschiedene wegweisende Operationen durch, darunter die Implantation eines Aortenbogenimplantats aus Kunststoff bei einer 7-jährigen Patientin mit peripherer Pulslosigkeit 1960[5], die zweite Implantation eines Herzschittmachers 1961[6] sowie die Transplantation einer Leichenniere 1965[7]. Diese Eingriffe galten zum damaligen Zeitpunkt als wegweisende Meilensteine in der Herz- und Transplantationschirurgie.[3]
Einzelnachweise
- ↑ Sunder-Plassmann, Paul. In: Handbuch der deutschen Wissenschaft. Band 2. Koetschau, Berlin 1949, S. 1374.
- ↑ Prof. Dr. Sunder-Plaßmann in aller Stille beigesetzt. In: Westfälische Nachrichten. Nr. 233, 5. Oktober 1984, S. R MS 5.
- ↑ a b c d e Jannik Winkelmann: Paul Sunder-Plassmann als Pionier: Herzschrittmacher und Nierentransplantation in der Chirurgischen Universitätsklinik der 1960er-Jahre. In: Hans-Georg Hofer, Vina Zielonka (Hrsg.): Die Universitätsmedizin Münster im 20. Jahrhundert. Grundlagen und Entwicklungen. 1. Auflage. Aschendorff Verlag, Münster 2025, ISBN 978-3-402-15907-1, S. 447–455.
- ↑ Walter Stupperich: Prof. Dr. Paul Sunder-Plassmann (1905-1984). Pionier der Herz- und Transplantationschirurgie. In: Südsauerland. Band 94, 2023, S. 379–386.
- ↑ P. Sunder-Plassmann: [Arc and isthmus stenosis of the aorta]. In: Langenbecks Archiv Fur Klinische Chirurgie ... Vereinigt Mit Deutsche Zeitschrift Fur Chirurgie. Band 298, 1961, ISSN 0174-4542, S. 351–354, PMID 13918423 (nih.gov [abgerufen am 28. Oktober 2025]).
- ↑ P. Sunder-Plassmann, H. Portheine, G. Menges: [Artificial pacemakers of the heart for Adams--Stokes attacks]. In: Medizinische Klinik. Band 58, 12. April 1963, ISSN 0025-8458, S. 581–586, PMID 13979287 (nih.gov [abgerufen am 28. Oktober 2025]).
- ↑ P. Sunder-Plassmann: [14. Significance of the adrenal gland and immunity for organ transplantation]. In: Langenbecks Archiv Fur Chirurgie. Band 319, 1967, ISSN 0023-8236, S. 137–141, doi:10.1007/BF02659245, PMID 5587265 (nih.gov [abgerufen am 28. Oktober 2025]).
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Hermann Coenen | Professor für Chirurgie und Leiter der Chirurgischen Universitätsklinik Münster 1946–1973 | Hermann Bünte |