Paul Riesenfeld

Paul Riesenfeld (geboren 29. Oktober 1880 in Breslau, Provinz Schlesien; gestorben 28. Mai 1965 in Zichron Jaʿakov, Israel) war ein deutscher Musikschriftsteller.

Leben

Paul Riesenfeld war ein Sohn des Mediziners Berthold Riesenfeld und der Anna Öttinger. Er besuchte die Schule in Breslau und in Glogau. Er studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte in Breslau und Heidelberg, unter anderem bei Emil Bohn und Max Koch.

1905 veröffentlichte er einen Artikel zur Bedeutung Friedrich Nietzsches für die moderne Musik. Er wurde 1909 in München mit einer Dissertation über Heinrich von Ofterdingen promoviert.

Riesenfeld wurde Musikredakteur beim Breslauer General-Anzeiger, bei der Breslauer Wochenzeitung Die freie Meinung und bei der Musikzeitschrift Signale für die musikalische Welt. Seine Artikel erschienen auch in der Allgemeinen Musikzeitung, in der Neuen Musikzeitung, in der Rheinischen Musik- und Theaterzeitung sowie beim Stuttgarter Neuen Tagblatt.

In zeitgenössischen Kompositionsfragen bezog er bezog Stellung für Richard Strauss und gegen Gustav Mahler. Den seit der Jahrhundertwende mit der Neuen Musik aufkommenden atonalen Neuerungen der Wiener Schule stand er ablehnend gegenüber, so auch der Neuen Sachlichkeit und dem Jazz und kritisierte 1920 die vorherrschende Musikszene im nunmehr demokratisch verfassten Deutschen Reich in einem Essay als „Musikbolschewismus“.

Obschon er in einer zum Protestantismus konvertierten jüdischen Familie aufwuchs, wurde Riesenfeld nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 als Jude verfolgt und wurde 1936 für einen Monat und 1937/38 für dreieinhalb Monate im Breslauer Gestapo-Gefängnis inhaftiert. Erneut wurde er Anfang 1938 im KZ Dachau inhaftiert und später in das KZ Buchenwald verlegt. Möglicherweise nach Fürsprache von Ludwig Wüllner, Carl Graf von Pückler-Burghauß, Heinz Tietjen und Robert Heger wurde er nach siebenmonatiger Haft entlassen.

Ende 1938 gelang ihm die Flucht in die Tschechoslowakei und von dort nach Palästina, wo er in seinem Kritikerberuf keinen Fuß fassen konnte und sich als Hilfsarbeiter durchschlagen musste. Er schrieb Gelegenheitsbeiträge für deutschsprachige Exilzeitungen und für die von Arnold Zweig und Wolfgang Yourgrau in Haifa herausgegebene Zeitschrift Orient. Nach dem Krieg wurde er im Nachkriegsdeutschland nicht mehr angenommen. In seinen letzten Lebensjahren positionierte er sich zusammen mit Alois Melichar gegen die Musik Arnold Schönbergs und den Serialismus. Im Jahr 1959 erhielt Riesenfeld als Sozialhilfe eine Ehrengabe aus dem Künstlerfonds des Süddeutschen Rundfunks (SDR).

Schriften (Auswahl)

  • Nietzsches Bedeutung für die moderne Musik, in: Allgemeine Musikzeitung, 1905
  • Heinrich von Ofterdingen in der deutschen Literatur. Göttingen, 1911
  • Mozart, der Tondichter. Jerusalem, 1949
  • Politik und Musik. Von grossen Zeitaltern zu kleinen Gleichschaltern: von Plato und Aristoteles bis zu Stalin und Hitler. Tel Aviv: Chasit Haruach, 1958