Paul Mellin

Paul Mellin (* 26. Februar 1920 in Berlin; † 26. März 1980) war ein deutscher Chirurg und Urologe. Von 1967 bis 1980 leitete er als Professor die Urologische Klinik am Universitätsklinikum Essen; 1978 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Werdegang

Paul Mellin wurde 1920 als Sohn eines Arztes in Berlin geboren. Er besuchte das Humanistische Gymnasium Berlin-Steglitz und leistete 1937 Wehrdienst. Ab dem Sommersemester 1939 studierte er Medizin an der Universität Greifswald, der Georg-August-Universität Göttingen und der Humboldt-Universität zu Berlin; 1944 bestand er das Staatsexamen in Berlin und wurde an der Universität Göttingen promoviert. 1944/45 war er Truppenarzt und in Kriegsgefangenschaft. Von 1945 bis 1950 wirkte er als Assistenzarzt an der Chirurgischen Klinik des St.-Josefs-Krankenhauses Potsdam, 1950/51 an der Neurochirurgischen Universitätsklinik der Freien Universität Berlin; 1951 bis 1956 war er wissenschaftlicher Assistent an der Chirurgischen Universitätsklinik der FU Berlin. 1956 erhielt er die Anerkennung als Facharzt für Chirurgie und Urologie. Von 1957 bis 1962 war Mellin Erster Oberarzt der Chirurgischen Klinik des Katharinenhospitals Stuttgart; 1962 wechselte er als Oberarzt an die Städtischen Krankenanstalten Essen und leitete ab 1963 an der Chirurgischen Universitätsklinik Essen die Urologische Abteilung. 1964 habilitierte er sich für Chirurgie und Urologie; 1967 wurde er auf den ordentlichen Lehrstuhl für Urologie am Klinikum Essen berufen und Direktor der Urologischen Universitätsklinik. 1967 bis 1972 amtierte er als Schriftführer der Arbeitsgemeinschaft der urologischen Lehrstuhlinhaber in der Bundesrepublik Deutschland, 1971/72 als Dekan der Abteilung Praktische Medizin (Klinikum Essen der Ruhr-Universität Bochum), 1972/73 als Vorsitzender der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie, 1975 als korrespondierendes Mitglied der Berliner Urologischen Gesellschaft und 1977/78 als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie.[1][2]

In Essen setzte Mellin klinische Schwerpunkte in der Kinderurologie und – in Kooperation mit dem Westdeutschen Tumorzentrum – in der urologischen Onkologie. Zeitgenössisch werden als seine „speziellen Arbeitsgebiete“ genannt: Urologie des Kindesalters, Fehlbildungen der Urogenitalorgane, plastische Urologie, Probleme der Solitärniere, urogenitale Tumoren, insbesondere Hodentumoren (Hodengeschwülste).[1] 1978 leitete er als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie den 30. Jahreskongress in Essen.[3]

Ehrungen

Die Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie benannte 1983 den Paul-Mellin-Gedächtnispreis nach ihm.[2]

Publikationen (Auswahl)

  • mit Hanns Hippius und Lutz Rosenkötter: Megaphenwirkungen im EEG des Kaninchens. In: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin 125 (1955), S. 128–135.
  • Kinderurologische Operationen: Atlas für die Praxis. Thieme, Stuttgart 1969.
  • Mißerfolge bei Eingriffen gegen den vesikorenalen Reflux. In: Reinhard Nagel (Hrsg.): 24. Tagung vom 13.–16. September 1972 in Hannover (Verhandlungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Bd. 24). Springer, Berlin/Heidelberg 1973, S. 43–44.
  • mit Nosrat Firusian, Carl Gottfried Schmidt und Gerd Kierfeld: Eigenes Verfahren der Therapie der Knochenmetastasen des Prostata-Carcinoms mittels des Beta-strahlenden 89Sr. In: Reinhard Nagel (Hrsg.): 25. Tagung vom 17.–20. Oktober 1973 in Aachen (Verhandlungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Bd. 25). Springer, Berlin/Heidelberg 1974, S. 359–364.
  • mit Gerd Kierfeld: Untersuchungen zur Nierenlangzeitkonservierung im Experiment am Miniaturschwein. Westdeutscher Verlag, Opladen 1975. ISBN 978-3-531-02484-4.
  • mit Hans Loew und Hermann Olbing: Nephrologie, Urologie. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1975. ISBN 978-3-540-07337-6.
  • mit Hans-Ulrich Eickenberg: Kalziummilchniere und Hydronephrose. In: G. Gasser, Winfried Vahlensieck (Hrsg.): Pathogenese und Klinik der Harnsteine V. Steinkopff, Heidelberg 1977, S. 173–177.
  • mit Berthold Schreiber: Auto- und Allotransplantationen an der Harnblase. Westdeutscher Verlag, Opladen 1978. ISBN 978-3-531-02789-0.
  • Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Urologie 20.–23. September 1978 in Essen. In: Wolfgang Mauermayer, Fritz Schultze-Seemann (Hrsg.): Deutsche Gesellschaft für Urologie 1907–1978. Eröffnungsreden der Präsidenten 1.–30. Kongreß. Springer, Berlin/Heidelberg 1979, S. 313–320.

Literatur

  • Hermann Olbing: Paul Mellin und die Internationale Refluxstudie bei Kindern. In: Der Urologe (Ausgabe A), 1985;24(2):62-3.

Einzelnachweise

  1. a b Wolfgang Mauermayer; Fritz Schultze-Seemann (Hrsg.): Deutsche Gesellschaft für Urologie 1907–1978. Eröffnungsreden der Präsidenten 1.–30. Kongreß. Springer, Berlin/Heidelberg 1979, S. 315–316.
  2. a b Preise & Preisträger – Paul-Mellin-Gedächtnispreis. In: Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie. Abgerufen am 11. November 2025.
  3. Deutsche Gesellschaft für Urologie: Kongressarchiv. (abgerufen am 11. November 2025).