Paul Krauß

Paul Krauß (* 22. Januar 1911 in Hasenthal; † in Colditz) war ein deutscher Keramikgestalter und in der DDR Wirtschaftsfunktionär

Leben und Werk

Krauß besuchte von 1925 bis 1930 die Staatliche Fachschule für Keramik zu Lichte. Danach arbeitete er bis 1931 als Modelleur in der Porzellanfabrik Martinroda Friedrich Eger & Co, von 1933 bis 1939 in der Steingutfabrik Thomsberger & Hermann in Colditz, der Steingutfabrik Colditz AG und der Annaburger Steingut-Fabrik AG. Er wurde zur Wehrmacht eingezogen, nahm am Zweiten Weltkrieg teil und geriet in Kriegsgefangenschaft.

Nach der Entlassung arbeitete er ab 1945 in der Steingutfabrik Colditz AG. Das Unternehmen wurde 1949 in Volkseigentum überführt und in der Folgezeit mehrfach umstrukturiert und umfirmiert. Es hieß ab 1949 VEB Steingutwerk Colditz, ab 1958 VEB Porzellanwerk Colditz, ab 1968 VEB Porzellankombinat Colditz und nach der Bildung des VEB Kombinat Feinkeramik Kahla ab etwa 1980 VEB Vereinigte Porzellanwerke Colditz. Das Unternehmen produzierte Haushalt-, Tafel- und Hotelporzellan, das in etwa 30 Ländern exportiert wurde, und war das leistungsstärkste und größte Porzellanunternehmen der DDR. Vor der Privatisierung im Zuge der deutschen Wiedervereinigung hatte es etwa 1800 Beschäftigte.[1]

Krauß war dort von 1945 bis 1947 Transportarbeiter und Modelleur, von 1948 bis 1958 Formgestalter und von 1959 bis zu seinem Eintritt in die Altersrente Künstlerischer Leiter bzw. ab 1980 Direktor für Erzeugnisgestaltung.

Krauß war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er wurde 1979 als Mitglied eines Kollektivs für Entwicklung des Kombinats Feinkeramik mit dem Designpreis der DDR geehrt. 

Selbstreflexion

„Keramische Erzeugnisse sollen nicht nur funktionieren, sie sollen zugleich den Menschen bilden, ihren Geschmack erziehen.… Neue Erzeugnisse sind aufs engste mit der installierten Technik, mit Fortschritten in der Technologie und auch mit neuen Materialien verbunden. Die Aufgabe des Gestalters ist es, daraus neue, höhere Gebrauchseigenschaften und neue ästhetische Qualitäten abzuleiten, sowie Gefäßformen und Dekors zu finden, die produktiver gefertigt werden können.“[2]

Beispiele für von Krauß gestaltete Produkte

  • Mokkakanne Colditz (vor 1961, Porzellan; mit Reinhard Richter; Produktion im VEB Porzellanwerk Colditz)[3]
  • Teeservice Modus; hier Teekanne (vor 1972, Steingut; mit Reinhard Richter; Produktion im Werk Colditz des VEB Vereinigte Porzellanwerke Colditz)[4]

Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der Zeit der DDR

  • 1962: Prag, Großer Pavillon des Julius-Fucik-Parks („Cèramique Internationale Praha 62“)
  • 1962 bis 1973: Dresden, Fünfte bis VII. Deutsche Kunstausstellung und VII. Kunstausstellung der DDR
  • 1965, 1972, 1974 und 1979: Leipzig, Bezirkskunstausstellung

Literatur

  • Heinz Hirdina: Gestalten für die Serie. Design in der DDR. 1949 – 1985. Verlag der Kunst, Dresden, 1988, S. 381
  • Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 480/481

Einzelnachweise

  1. Ehem. VEB Porzellanwerk Colditz. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
  2. In: Form und Zweck, Berlin, 5/1980, S. 21
  3. Mokkakanne „Colditz“ :: Museum Utopie und Alltag. Alltagskultur und Kunst aus der DDR :: museum-digital:brandenburg
  4. SKD | Online Collection. Abgerufen am 22. Dezember 2025.