Paul Klemm (Botaniker)

Paul Klemm (* 19. April 1862 Großhennersdorf bei Herrenhut; † 9. Februar 1945 in Markkleeberg) war ein deutscher Botaniker, Chemiker, Papierfachmann und -fachschriftsteller sowie von 1897 bis 1931 Herausgeber des „Papier-Industrie-Kalender“. Er war von 1906 bis 1913 als Dozent an der papiertechnischen Abteilung[1] am Polytechnikum in Köthen tätig und betrieb ein eigenes Papierprüfungslaboratorium, das für Papiererzeuger, Handel und Papierverarbeiter bzw. Endverbraucher tätig war. Klemm wurde in vielfältiger Weise als Berater geschätzt.

Leben

Als Pfarrersohn zur Welt gekommen nahm er 1881 ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Leipzig auf. Nach seiner Promotion wurde Klemm 1885 Assistent am pflanzenphysiologischen botanischen Institut der Universität Leipzig. Ebenfalls ab 1885 wurde er wissenschaftlicher Berater der neugegründeten Papierprüfungs-Anstalt in Leipzig, die von Otto Winkler geleitet wurde, der als vereidigter Sachverständiger für Papier am Amtsgericht Leipzig wirkte. In Zusammenarbeit mit der Mechanikerwerkstatt von Louis Schopper entstanden wichtige Apparate zur exakten Papierprüfung.

Klemm setzte sich intensiv für die Präsentation des Themas Papier bei temporären und dauerhaften Ausstellungen ein. Dies war bei der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914 in Leipzig der Fall, wo er die Abteilung Papier konzipierte[2] und dafür von fachmännischer Seite großes Lob erhielt.[3] Die dort präsentierten technischen Einrichtungen aus der alten Papiermühle aus Haynsburg gelangten im Anschluss in die maßgeblich von Paul Klemm gestaltete Papierabteilung in der neuen Dauerausstellung des Deutschen Museums.[4] Ebenso war Klemm an der Konzipierung der „Jahresschau Deutscher Arbeit. Das Papier“[5] 1927 in Dresden und an der Ausstellung des Vereins deutscher Papierfabrikanten auf der „Pressa“ 1928 in Köln beteiligt.

Sein in drei Auflagen vorliegendes Handbuch der Papierkunde war „besonders für heranwachsende jüngere Generationen, die sich einem Zweige der Papierindustrie zugewandt haben, gedacht“, wobei der Ausdruck Papierkunde „das Gebiet der allgemeinen Fachwissenschaft vom Papier auf einfache Weise“ bezeichnen sollte.[6] Das Werk gliedert sich in die vier Teile Verwendung, Herstellung, Prüfung und Handel.

Ehrungen

  • 1914 Ernennung zum Professor

Nachlass

Teile des Nachlasses wurden von der Familie 1986 an das Deutsche Buch- und Schriftmuseum übergeben und dort in verschiedene Sammlungsbereiche eingearbeitet (Fachbibliothek, Papierprobensammlung, Kulturhistorische Sammlung, Archivalien).[7]

Weitere Nachlassteile hat sein Enkel Eckehart Klemm 2017 an das Technische Museum Papiermühle Niederzwönitz gegeben. „Der Nachlass besteht mehrheitlich aus einer Reihe papiertechnischer Unterlagen, Mustersammlungen, Musterbüchern, industriegeschichtlichen Dokumenten sowie privaten Gegenständen aus dem Besitz“[8] des Großvaters.

Schriften (Auswahl)

  • Veröffentlichungen. Typoskript, 10 Seiten[9]
  • Handbuch der Papierkunde zum Nachschlagen und zum Unterricht über Verwendung, Herstellung, Prüfung und Vertrieb von Papier. 3. Aufl., Th. Grieben, Leipzig 1923. (Inhaltsverzeichnis PDF)
  • Handbuch der Papierkunde zum Nachschlagen und zum Unterricht über Verwendung, Herstellung, Prüfung und Vertrieb von Papier. Mit 104 Textbildern u. 3 farb. Taf. 1. Aufl. Th. Grieben und L. Fernau, Leipzig 1904.
  • Papier-Verwendung. In: Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Vereines. Der Verein Deutscher Papierfabrikanten. 1872-1922. Berlin 1922, S. 217–225.
  • Das Wasser zur Papiererzeugung. In: Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Vereines. Der Verein Deutscher Papierfabrikanten. 1872-1922. Berlin 1922, S. 291–305.
  • Papier-Warenzeichen. Die seit Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutze der Warenbezeichnungen vom 1. Okt. 1894 bis Ende 1902 für Klasse 27 – umfassend Papier, Pappe, Karton, Papier- u. Pappwaren, Roh- u. Halbstoffe zur Papierfabrikation – eingetragenen Wort- und Bildzeichen. Zusammengestellt von Paul Klemm. Eisenschmidt & Schulze, Leipzig 1903.

Literatur

  • Wolfgang Schlieder: Professor Dr. Paul Klemm zum Gedenken. In: Zellstoff und Papier 36 (1987), 2, S. 73–74.
  • Bruno Possanner von Ehrenthal: Professor Dr. Paul Klemm zum 70. Geburtstag. In: Der Papierfabrikant 30 (1932), Nr. 16, S. 265–266.

Einzelnachweise

  1. Bruno Possanner von Ehrenthal: Die Entwicklung unserer Papiertechnischen Abteilung. In: 25 Jahre Papiertechnisches Institut der Gewerbehochschule Köthen i. A.; O. Elsner Verlagsges., Berlin 1930, 28–51.
  2. Paul Klemm: Papier auf der Bugra, in: Wochenblatt für Papierfabrikation 45 (1914), Nr. 18, S. 1566–1568, Nr. 37, S. 3272–3275, Nr. Nr. 41, S. 3428–3431, Nr. 42, S. 3472–3476.
  3. Bruno Possaner von Ehrenthal: Die Papierindustrie auf der „Bugra“, in: Archiv für Buchgewerbe 51 (1914), Nr. 7/9, S. 239–244, hier S. 239.
  4. Frieder Schmidt: Die Dinge selbst zum Sprechen bringen. Die Papiermühle aus Haynsburg – ein Publikumsmagnet. In: Die Welt in Leipzig. Bugra 1914. Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914. Hamburg 2014, S. 347–376.
  5. Jahresschau Deutscher Arbeit Dresden. 6., 1927 Das Papier. Amtlicher Führer.
  6. Paul Klemm: Vorwort zur ersten Auflage. In: Handbuch der Papierkunde, 3. Auflage, Leipzig 1923, S. III.
  7. Wolfgang Schlieder: Professor Dr. Paul Klemm zum Gedenken. In: Zellstoff und Papier 36 (1987), 2, S. 74.
  8. Nachlass Professor Dr. Paul Klemm. (Internetquelle, abgerufen am 20. November 2025.)
  9. Paul Klemm, Markkleeberg: Veröffentlichungen (Online PDF)