Paul Horiuchi
Paul Chikamasa Horiuchi (japanisch 堀内 親正 Horiuchi Chikamasa; * 12. April 1906 in Ōishi-mura (heute: Fuji-Kawaguchi-ko-machi, Yamanashi, Japan); † 22. September 1999 in Seattle, Washington) war ein japanisch-amerikanischer Künstler, der vor allem durch seine Torn-Paper-Collagen bekannt wurde. Diese Technik entwickelte er Ende der 1950er Jahre.[1][2]
Leben
Chikamasa Horiuchi wurde 1906 im Dorf Ōishi geboren, das heute zu Kawaguchiko in der Präfektur Yamanashi zählt. Seine Familie stammte ursprünglich von Landbesitzern ab, sein Vater war Handwerker und Ladenbesitzer. Kurz nach Chikamasa Horiuchis Geburt wanderte der Vater in die Vereinigten Staaten aus, wo er bei der Union Pacific Railroad in Wyoming arbeitete. Wenige Jahre später folgte ihm die Mutter. Chikamasa Horiuchi und sein älterer Bruder blieben zunächst bei Verwandten in Japan und wuchsen später im Haushalt ihres Großvaters Chobei Horiuchi auf. Dort begann Chikamasa Horiuchi mit dem Studium der Tusche- und Aquarellmalerei bei dem Künstler Iketani.[2]
Im Jahr 1920 wanderte Horiuchi im Alter von vierzehn Jahren in die USA aus und arbeitete ebenfalls – unter Angabe eines höheren Alters – für die Union Pacific Railroad. Nach dem Tod des Vaters blieb er mit seinem Bruder im Land. Mit siebzehn Jahren wurde er Streckenaufseher. Neben der Arbeit widmete er sich weiterhin der Malerei und konnte 1930 erstmals ein Werk in der Northwest Annual Exhibition in Seattle ausstellen. Über seinen Cousin Shigetoshi Horiuchi, einen bedeutenden Sammler asiatischer Kunst in Seattle, kam er mit Künstlern wie Kenjiro Nomura und Kamekichi Tokita in Kontakt. 1935 heiratete Horiuchi die in Seattle geborene Bernadette Suda, nahm den christlichen Namen Paul an und kehrte mit ihr nach Wyoming zurück, wo zwei seiner Söhne geboren wurden. Ende der 1930er Jahre erhielt er durch den New Yorker Maler Vincent Campanella entscheidende künstlerische Anregungen und beteiligte sich an regionalen Kunstausstellungen im Westen der USA.[2]
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Nach dem Erlass der Executive Order 9066 im Februar 1942 wurden Paul Horiuchi und andere bei der Union Pacific beschäftigte Personen japanischer Herkunft entlassen. Sie mussten innerhalb von 24 Stunden ihre Unterkünfte räumen. Er verlor sein Haus und seinen Arbeitsplatz, verbrannte japanische Bücher und persönliche Unterlagen und zog mit seiner Familie nach Ogden in Utah. 1945 fand er in Spokane im Bundesstaat Washington Arbeit in einer Autowerkstatt, ehe er sich 1946 dauerhaft in Seattle niederließ. Dort eröffnete er eine eigene Autolackiererei.[2]
Nach dem Krieg gewann Paul Horiuchi rasch Anerkennung als Maler. Bereits 1947 erhielt er einen ersten Preis auf der Western Washington State Fair. Er nahm regelmäßig an regionalen Ausstellungen teil, insbesondere bis 1975 an den Northwest Annuals, und gehörte zu den etablierten Künstlern des Nordwestens der USA. Ein Arbeitsunfall im Jahr 1950, bei dem er sich den Arm brach, führte dazu, dass er seine Tätigkeit als Autolackierer aufgab und sich auf die Kunst konzentrierte. Er eröffnete ein Antiquitätengeschäft mit Atelier und wandte sich unter dem Einfluss von Mark Tobey und des Zen-Lehrers Tamotsu Takazaki vom realistischen Ölbild zur abstrakten Malerei mit Kaseinfarben auf Papier. Ab 1952 stellte die Galeristin Zoe Dusanne seine Arbeiten aus und 1957 erhielt er dort seine erste Einzelausstellung. 1958 widmeten ihm das Seattle Art Museum und das Little Rock Fine Arts Museum Einzelausstellungen. Seine Werke wurden im Time Magazine und in der Zeitschrift Art International vorgestellt. 1959 wurden sie in Herbert Reads Ausstellung Moments of Vision in Rom und New York gezeigt. Für die Weltausstellung in Seattle im Jahr 1962 schuf er ein großformatiges Glasmosaik, das dauerhaft installiert wurde. Weitere Höhepunkte waren seine Teilnahme an der Expo ’70 in Osaka und zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1970 eine Auszeichnung des Gouverneurs von Washington, 1976 der japanische Orden des Heiligen Schatzes (Vierte Klasse) sowie 1988 die Ehrendoktorwürde der Seattle University. Paul Horiuchi arbeitete bis Mitte der 1990er Jahre; dann beendete eine Alzheimer-Erkrankung seine Tätigkeit. Er starb 1996.[2]
Werk
Ende der 1950er Jahre entwickelte Horiuchi seine charakteristischen Torn-Paper-Collagen. Dafür riss er Stücke aus von ihm bemalten Papieren, die er zu farb- und formbetonten Kompositionen auf Leinwand zusammenfügte. Diese Arbeiten waren häufig von japanischer Ästhetik inspiriert. Paul Horiuchi bezeichnete seine Collagen als „Versuche, Räume des Friedens und der Ruhe zu schaffen, um ein Gegengewicht zur Sensationslust – dem schnellen, harten Rhythmus – unserer Zeit zu bilden“.
Ein bemerkenswertes Werk ist das Mosaik Seattle Mural im Seattle Center, das für die Weltausstellung 1962 geschaffen wurde.[3]
Literatur
- Barbara Johns: Paul Horiuchi: East and West, University of Washington Press, 2008.
- Martha Kingsbury, Seattle and the Puget Sound, in: Art of the Pacific Northwest: From the 1930s to the Present, Smithsonian Institution Press, Washington D.C., 1974.
- Kazuko Nakane, Facing the Pacific: Asian American Artists in Seattle, 1900–1970, in: Asian American Art: A History, 1850–1970, Stanford University Press, Stanford, 2008.
- Jeffrey Wechsler (Hrsg.), Asian Traditions, Modern Expressions: Asian American Artists and Abstraction, 1945–1970, Harry N. Abrams, New York, 1997.
Weblinks
- Biografie bei HistoryLink
- Werke von Paul Horiuchi im Seattle Art Museum
- Woodside / Braseth Gallery
- Densho Encyclopedia. Paul Horiuchi
Einzelnachweise
- ↑ Horiuchi, Paul (1906-1999). Abgerufen am 3. Januar 2025.
- ↑ a b c d e Paul Horiuchi | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 6. September 2025; abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ DEI Creative in Seattle WA: Paul Horiuchi - Woodside / Braseth Gallery - Seattle Since 1961. Abgerufen am 3. Januar 2025.