Paul Henry de la Lindi
Paul Emile Victor Henry de la Lindi, Familienname: Henry de la Lindi (* 16. Februar 1906 in Bergen, Provinz Hennegau; † 31. Mai 1943 in Lüttich), war ein belgischer Kampf- und Aufklärungspilot und im Zweiten Weltkrieg ein Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische deutsche Besatzungsmacht in Belgien. Er war verheiratet und lebte in Brüssel.[1] Seine Muttersprache war Französisch.
Eltern und Beruf
Er ist der Sohn des Generals Josué Henry de la Lindi und seiner Ehefrau Joséphine Maria Jottay.
Henry de la Lindi war ein Hauptmann der belgischen Luftwaffe und Major des belgischen Geheimdienstes. Als am 10. Mai 1940 die deutsche Wehrmacht Belgien überfiel, kommandierte er die 11. Staffel des 1. Aufklärungsregiments, stationiert in Bierset, Flughafen Lüttich.
Widerstand
Am 18. Mai 1940 wurde Brüssel kampflos besetzt und der belgische König Leopold III. unterzeichnete die Kapitulation der belgischen Armee. Henry de la Lindi entging der Gefangenschaft und baute im Untergrund unter dem Decknamen „Pierre Hosselet“ ein Widerstandsnetz auf.
Anfang 1942 gelang ihm die Flucht nach England, wo er hoffte, als Pilot im Kampf und als Geheimdienstoffizier für die Koordination des Widerstands im besetzten Belgien eingesetzt zu werden. Die Möglichkeiten des Geheimdienst blieben begrenzt, er durfte keine Einsätze fliegen.[2]
In der Nacht vom 24. zum 25. September 1942 sprang er in der Nähe des belgischen Ciney mit dem Fallschirm ab, tauchte unter und arbeitete weiter in einer Widerstandsgruppe, die mit Hilfe eines Kurzwellensenders den Geheimdienst in London mit breitgefächerten Informationen versorgte: über die deutschen Militäreinrichtungen, Truppenbewegungen, Rekrutierungen für Zwangsarbeit bis hin zur Wirkung der alliierten Bombenangriffe auf Deutschland und die deutsche Industrieproduktion.[3]
Verhaftung und Hinrichtung
Er wurde denunziert und am 18. Februar 1943 in flagranti während einer Funkübertragung in Lüttich, Rue des Célestines 17, von der Geheimen Feldpolizei verhaftet und in der Zitadelle von Lüttich inhaftiert. Daselbst verurteilte ihn das Feldkriegsgericht am 5. Mai 1943 wegen Spionage zum Tode, am 31. Mai 1943, 6 Uhr, wurde er im Burggraben der Zitadelle erschossen. Mit ihm starben sechs weitere Kameraden seiner Widerstandsgruppe.[4]
Gedenken
Nach der Befreiung Belgiens fand am 14. Juni 1945 in der Zitadelle eine Trauerfeier im engsten Familienkreis statt. Im August 1948 wurde er exhumiert und zum Brüsseler Luftwaffenfriedhof, Reihe 1, Grab 29, überführt.[5]
- Gedenktafel für die Fallschirmspringer, mit Name in Ixelles/Elsene, bel-memorial.org.
- Kriegerdenkmal in Bohan, heute zu Vresse-sur-Semois, zu Ehren der Widerstandskämpfer, mit Name, Rang und Todesdatum, bel-memorial.org.
- Grabstein auf dem militärischen Ehrenfriedhof, Reihe 1, Grab 29, Gräberfeld des Hauptfriedhofs der Stadt Brüssel in Evere, wardeadregister.be.
- Gedenkkreuz in der Zitadelle Lüttich, „Cimetière et monuments commémoratifs de l'enclos des Fusillés“, bel-memorial.org
- Straße in Grâce-Hollogne, „Rue Capitaine Henry de la Lindi“, nahe dem Flughafen Lüttich.
- Abschiedsbrief an seine „Lieben“, verfasst in der Nacht vor seiner Hinrichtung: „Die Stunde der Hinrichtung ist auf 6 Uhr festgesetzt, und meine Kameraden sehen ihr, genau wie ich, mit größter Gelassenheit entgegen … Ihr müßt Euch also meinetwegen nicht ängstigen, das Ganze wird nicht einmal eine Viertelstunde dauern … Von den neun (Verurteilten) werden nur sieben füsiliert. Betet für die Rettung der beiden anderen!“[3]
Literatur
- Lettere di condannati, Turin 1954, übersetzt: Und die Flamme soll euch nicht verbrennen, Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer, Berlin-Ost 1956, Seite 44–45.
Weblinks
- Gedenkseite mit Kurzbiographie auf whitebison.be.
- Grunddaten in der Datenbank, Archiv Belgien, data.arch.be.
- Einzelheiten auf der Gedenkseite fusilles-citadelle.be.
Einzelnachweise
- ↑ Weitere genaue Angaben auf fusilles-citadelle.be.
- ↑ Weitere Informationen auf whitebison.be.
- ↑ a b Lettere di condannati, Seite 44–45, siehe Literatur.
- ↑ Siehe unten: Gedenken, Abschiedsbrief.
- ↑ Siehe unten: Gedenken, Grabstein.