Paul Franz Wassermann
Paul Franz Wassermann (* 3. März 1887 in München; † 25. November 1941 in Kaunas, Litauen) war ein deutscher Unternehmer.
Leben
Paul Franz Wassermann war der Sohn von Franz Wassermann (*1853 †1914), Kommerzienrat und Fabrikant in München und dessen Frau Amalie Wassermann, geb. Fechheimer (*1.März 1862 †1959).
Paul Franz Wassermann besuchte nach der Elementarschule von Herbst 1897 bis 1906 das humanistische Luitpold-Gymnasium in München. Anschließend studierte er bis zum Sommersemester 1909 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Chemie. Er fertigte auf Anregung von Dr. Hugo Weil in dessen Laboratorium eine Doktorarbeit zum Thema „Über Sulfaminsäurebildung aus Nitranilinen“ an, die er im Wintersemester 1909/10 an der Ludwigs-Universität Gießen bei Prof. Dr. Elbs abschloss. Die mündliche Prüfung legte er dort am 28. Januar 1910 ab. Als Nebenfächer hatte er dabei Physik und Botanik gewählt. Die Promotion zum Doktor der Philosophie erfolgte am 12. März 1910. Mit dieser Ausbildung wuchs ihm auch die Rolle als Nachfolger seines Vaters in der Leitung der im Familienbesitz befindlichen „Millykerzen- und Seifenfabrik“ in der Fraunhoferstr. 16 zu, die er nach dem frühen Tode seines Vaters im Jahr 1914 auch tatsächlich übernahm, nachdem er bereits 1912 in die Firma als Prokurist eingetreten war.
Paul Franz Wassermann wohnte nach verschiedenen Umzügen in München zuletzt bei seiner Schwester Ida und seinem Schwager in Schwabing. Er stand auf der ersten 999 Personen umfassenden Deportationsliste für den 20. November 1941 nach Vilijampolė in Kaunas, wo er am 25. November 1941 ermordet wurde.[1]
Münchener Fortbildungskurse für Arbeiter
1878 wurden Bildungskurse für Arbeiter als Parteien betrachtet und mit den Sozialistengesetz verboten. Von 1906 bis 1912 war Wilhelm Paul Wagner Geschäftsführer der Münchener Fortbildungskurse für Arbeiter. Im Juli 1915 löste Paul Franz Wassermann Fritz Beck als Geschäftsführer der Münchener Fortbildungskurse für Arbeiter ab und war zweiter Vorsitzender des Heimat- und Königbundes. Die Bildungseinrichtung bot Kurse in Deutsch, Rechnen und Algebra an und war damit eine Vorläuferorganisation der Münchner Volkshochschule. Im Ersten Weltkrieg widmete sich der Verein kriegsspezifischer sozialer Arbeit.
1920 trat er dem Freikorps Epp bei.
1923 löste ihn Wilhelm Bohl als Geschäftsführer der Münchener Fortbildungskurse für Arbeiter ab.[2]
Millykerzen- und Seifenfabrik
Elkan Wassermann (* 1816 in Harburg (Schwaben); † 22. Mai 1894 in München) gründete 1840 eine Millykerzen- und Seifenfabrik in München. Das Unternehmen war Marktführer in Bayern und hatte in den Ausstellungshallen der Messe München einen von Max Pfeiffer gestalteten Ausstellungsraum[3]. Paul Wassermann erbte 1915 die Millykerzen- und Seifenfabrik in der Fraunhoferstraße 30 von seinem Vater und wurde unabkömmlich gestellt.[4][5][6] Im Dezember 1938 wurde die Millykerzen- und Seifenfabrik von dem Konsortium Kopp, Hillers und dem bisherigen Prokuristen Chemiker Wilhelm Schwarzmann arisiert.[7]
Erinnerungskultur
Im November 2022 wurde im Rahmen des Projekts Erinnerungszeichen für Opfer des NS-Regimes in München nahe seines ehemaligen Wohnhauses in der Fraunhoferstraße 26 in München eine Gedenktafel für ihn angebracht.[8]
Namensgeber für Straße
Nach Paul Wassermann wurde per Stadtratsbeschluss am 30. September 1998 in München im Stadtteil Trudering (Stadtbezirk 15 – Trudering-Riem) die Paul-Wassermann-Straße benannt ⊙.[9]
Literatur
- Paul Wassermann: Über Sulfaminsäurebildung aus Nitranilinen. Phil. Diss. Ludwigs-Universität Gießen. München 1910.
- Bernhard Schoßig: Die Akademischen Arbeiter-Unterrichtskurse in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in München. Ein historisch-pädagogische Studie zur Frühgeschichte der Volkshochschule. München 1985.
- Bernhard Schoßig: Akademische Arbeiter-Unterrichtskurse – Volkshochschule München – Volksbildungsstätte München. Studien und Skizzen zur Geschichte der Volksbildung in München 1914-1945. Utz, München 2021.
- Millykerzen- und Seifenfabrik: In: Julius Kahn: Münchens Großindustrie und Großhandel. 2. Aufl. München 1913, S. 106f.
Weblinks
- Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden: Paul Franz Wassermann, abgerufen am 5. Oktober 2023
- Bernhard Schoßig: Paul Franz Wasserman. Gedenkbuch. In: muenchen.de. 21. November 2025.
- Erinnerungszeichen für Paul Wassermann. Lage auf Karte und Biographie. 21. November 2025.
Einzelnachweise
- ↑ Diese Menschen lebten in der Fraunhoferstraße. Sie wurden von den Nazis deportiert und ermordet
- ↑ Bernhard Schoßig, Die akademischen Arbeiter-Unterrichtskurse in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in München. Eine historisch-pädagogische Studie zur Frühgeschichte der Volkshochschule, München 1985, S. 299; http://d-nb.info/850341639/04 Münchener Fortbildungskurse für Arbeiter
- ↑ Walther Riezler, Günther von Pechmann: Die Ausstellung München 1908. Eine Denkschrift. F. Bruckmann A.-G., München, Abbildung auf S. 64
- ↑ Adolphe de Milly hatte ab 1831 eine Reihe von Verbesserungen eingeführt, wie das Tränken der Dochte mit Salzlösungen, die Vermeidung der Kristallisation der Stearinsäure, das Pressen und Gießen der Kerzen. Die Gründung einer Kerzenfabrik in Wien durch seinen Bruder Gustave prägte den Namen „Millykerzen“.
- ↑ Patent US81884A: Improvement in the manufacture of solid fatty acids. Veröffentlicht am 8. September 1868, Erfinder: Louis Adolphe de Milly.
- ↑ Michael Berndt: Ludwig Wassermann. Ein jüdischer Spiritushersteller zwischen Bürgerkrone und Hakenkreuz, Seminararbeit. (pdf) Abgerufen am 20. November 2022 (16 S., S. 4.).
- ↑ Dr. Paul Wassermann bei der Millykerzen- und Seifenfabrik München, auf gda.bayern.de
- ↑ Erinnerungszeichen für Dr. Paul Franz Wassermann, Fraunhoferstraße 26. Veranstaltung am 20. November 2022. 20. November 2025, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Paul-Wassermann-Straße, auf münchen.de