Paul Bowles – Halbmond

Film
Titel Paul Bowles - Halbmond
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Englisch, Arabisch
Erscheinungsjahr 1995
Länge 93 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Frieder Schlaich, Irene von Alberti
Drehbuch Frieder Schlaich, Irene von Alberti
Produktion Filmgalerie 451
Musik Roman Bunka
Kamera Volker Tittel
Schnitt Magdolna Rokob, Margarete Rose
Besetzung
Samir Guesmi, Khaled Ksouri, Sondos Belhassen, Veronica Quilligan, Sam Cox, Said Zakir und Paul Bowles (als er selbst)

Paul Bowles - Halbmond ist ein deutscher Spielfilm von Frieder Schlaich und Irene von Alberti aus dem Jahr 1995. Die literarische Vorlage zu den drei Episoden sind Kurzgeschichten des amerikanischen Schriftstellers Paul Bowles: "Am Stand von Merkala (The Story of Lahcen und Idir), Zwischenhalt in Corazón" (Call at Corazón) und "Allal".

Handlung

Die Freundschaft von zwei jungen Männern, Lahcen und Idir, wird durch eine Frau auf die Probe gestellt, ein frisch verheiratetes Paar sieht sich auf der Hochzeitsreise im Dschungel des Amazonas vor unüberwindlichen Differenzen und Allal, ein von der Gesellschaft geächteter Junge am Rande der Sahara, rächt sich an der Dorfgemeinschaft.

Produktion

Zunächst entstand 1993 der 30-minütigen Kurzfilm "Am Strand von Merkala" in Tanger/Marokko (Regie: Frieder Schlaich). Nach Aufführungen auf internationalen Kurzfilmfestivals gab es das Interesse eines Kinoverleihers, mit zwei weiteren Episoden den Film ins Kino zu bringen. Paul Bowles selbst tritt zwischen den Episoden als Erzähler auf, mit wenigen Sätzen skizziert er Einleitungen und Übergänge. Drehorte: Episode 1: Tanger/Marokko, Episode 2: Manaus/Brasilien, Episode 3: M'Hamid/Marokko Die Premiere fand 1995 auf der Berlinale (Forum) statt.

Kritik

  • In epd-Film, Ausgabe 11/1995, schreibt Rainer Gansera: "Es ist (insbesondere für einen Erstlingsfilm) ein kleines Wunder, mit welcher Selbstsicherheit Schlaich und Alberti Bowles' fremden Erzählkontinent betreten und mit welcher Souveränität sie ihrer Inszenierung Zauber und Wahrhaftigkeit schenken. Sie lassen sich von Bowles' Erzählungen tragen, erschaffen deren Welt aber aus eigener Kraft ganz neu."
  • Im Tagesspiegel, Berlin erschien: "Alle drei Filme sind gerade so kurz, daß sie enden bevor die Langeweile beginnt. immerzu scheint die Sonne heiß und unbarmherzig. Das gibt den Bildern die flirrende Hitze die auch den Bowlesschen Existentialismus so geprägt und berühmt gemacht hat. Die beiden Regisseure setzen die kalte, mitleidlose Sprache der Erzählungen in ebenso knappe, präzise Filmsprache um: lakonische Schwenks und unbewegliche Haltetaue geben den Figuren wenig Raum. Immer wieder blickt die Kamera von oben auf die Figuren herunter. Ein flilm-noir Blick." Krei- aus: Tagesspiegel Berlin, 17.02.1995, Printausgabe.
  • W.O.P. Kistner vergibt in der AZ München volle Punktzahl: "Ein erfreuliche frischer Farbtupfer im auf so grau(slig)en Fast-Food-Kino-Angebot stammt ausgerechnet von zwei deutsche Regisseuren..." AZ 09.11.1995, Printausgabe
  • Ruprecht Skasa-Weiß schreibt in der Stuttgarter Zeitung: "Die meernahe Szenerie, Tangers Gassengewirr, seine staubende helle Vorstadtödnis und sein Kasbah-Schummer, dazu der Zweikampf der Männer, sonderbar hedonistisch und ärmlich zugleich, all dies ist bezwingend intensiv und lapidar ins Bild gesetzt, karg und authentisch, und es musste Bowles gefallen. ... Irene von Alberti hat die zweite Geschichte „Zwischenhalt in Corazon“ süperb inszeniert (Sam Cox und Veronica Quilligan: ein schnödes Paar auf meerweitem Strom), mit fahlem Mangrovengestrünk, Flußfurten, so eng versandet, erstickend im Urwald, daß die Baumwelt buchstäblich über dem Dampfer hereinbricht. Seit Werner Herzog ist kein Filmemacher mehr derart bildbesessen vorgedrungen ins Unwirtliche."(Ruprecht Skasa-Weiß, StZ Nr. 259, 09.11.1995, Printausgabe)
  • Zum US-Kinostart im Januar 1996 schrieb Stephen Holden für die New York Times: „Together the three stories capture the essence of Mr. Bowles vision of human cruelty as a driving life force, indivisible from the harsh equatorial landscapes in which his characters find themselves. With a parched sexuality that is secretive and fraught with violence, these people scent each other like vigilant wild beasts waiting for just the right moment to pounce. As scary as they may be, they are also thoroughly recognizable.“ - Stephen Holden. The New York Times, January 17, 1996, print edition.
  • Sean K. Smith schrieb für die Los Angeles view: „Halfmoon is brisk and succint. Its lushly potographed episodes are angular and hypnotic - they leave us captivated, like serpents caught in the snake handler’s gaze.“ Los Angeles View, Volume 10 No.43, May 31 - June 6, 1996 - Sean K.Smith, print edition
  • Kevin Thomas lobte in der LOS ANGELES TIMES: „Frieder Schlaich and Irene von Alberti’s moody, gorgeous-looking „Halfmoon“ is composed of three Paul Bowles short stories introduced by Paul Bowles himself and dealing with the themes of temptation and revenge. They emerge as graceful, insightful vignettes set in beguiling exotic locales that add up to an exquisitely wrought, sophisticated diversion.“ -Kevin Thomas, Los Angeles Times, 30. Mai 1996, print version.
  • Die Filmkritik von John Petrakis in der Chicago Tribune beschreibt: „.. it is rare to find filmmakers willing to honour the genius of a specific writer. This is precisely what makes ‚Halfmoon‘ such a gratifying cinematic and literary event… ‚Halfmoon‘ is a strange and often unsettling movie, and one of the real finds of this cinematic year.“ -John Petrakis, Chicago Tribune, September 13, 1996.

Auszeichnungen

  • Spielfilmpreis der deutschen Filmkritik 1995
  • Grand Prix Europe & Grand Prix des jeunes comédiens: Festival of European Cinema, La Baule 1995
  • Deutscher Kamerapreis 1995 für Volker Tittel