Paul Ackermann (Politikwissenschaftler)

Paul Ackermann (* 31. Januar 1939 in Fridingen an der Donau; † 1. Juni 2025 in Gönningen[1]) war ein deutscher Politikwissenschaftler und Experte für politische Bildung und bürgerschaftliches Engagement. Er war von 1987 bis 2004 Professor an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Leben

Paul Ackermann, Sohn von Agnes Ackermann, geborener Schwarz, und des Schmiedemeisters Johannes Ackermann, studierte Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie und Altphilologie an den Universitäten Berlin, München und Tübingen. 1967 bestand er das Staatsexamen für das höhere Lehramt. Nach der 1968 erfolgten Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation zum Thema Der Deutsche Bauernverband im politischen Kräftespiel der Bundesrepublik war er zunächst bis 1969 Assistent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen, anschließend an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen, wo er ab 1972 Professor für Politikwissenschaft und -bildung war und er von 1976 bis 1978 auch das Rektoramt innehatte. 1987 wechselte er an die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, wo er bis 2004 als Professor für Politikwissenschaft tätig war.

Er engagierte sich als Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft, Mitglied des Konzils für Friedens- und Konfliktforschung und der Jury für den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher sowie in der Lehrplanentwicklung für Sozial- bzw. Gemeinschaftskunde. Für die politische Bildung entwickelte er das Leitbild des „interventionsfähigen Bürgers“.[2] Einen seiner Forschungsschwerpunkte „politische Beteiligung“ setzte er auch in der politischen Praxis als ehrenamtlicher Bezirksbürgermeister in Reutlingen-Gönningen (1989 bis 2009) und als Experte für Projekte bürgerschaftlichen Engagements um. Sein Bürgerhandbuch erreichte mit vier Auflagen eine weite Verbreitung. In dem Buch werden zentrale politische Handlungsfelder vorgestellt und Tipps gegeben, um als Bürger selbst politisch aktiv zu werden.[3]

Ackermann war auch Herausgeber einer Reihe zum sozialwissenschaftlichen Sachunterricht[4] und Mitherausgeber von Anmerkungen und Argumente zur historischen und politischen Bildung, einer Reihe zur historischen und politischen Bildung sowie Mitautor mehrerer Schulbücher für den politischen Unterricht.[5] Neben seinen wissenschaftlichen Schriften veröffentlichte er orts- und regionalgeschichtliche Beiträge zu Reutlingen und zur Schwäbischen Alb.[6][7]

Paul Ackermann war katholisch, verheiratet mit Erni Ackermann und hatte zwei Töchter (Uta und Eva).

Auszeichnungen

Für seine Verdienste in der Wissenschaft und in der politischen Praxis erhielt er im Jahr 2010 von der Stadt Reutlingen die Verdienstmedaille und im Jahr 2013 vom Land Baden-Württemberg die Staufermedaille in Gold.

Schriften (Auswahl)

  • mit Ragnar Müller: Bürgerhandbuch: politisch aktiv werden, Öffentlichkeit herstellen, Rechte durchsetzen. 4., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage. Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts. 2015, ISBN 978-3734401077.
  • als Hrsg. mit Gotthard Breit, Will Cremer, Peter Massing und Peter Weinbrenner: Politikdidaktik kurzgefasst. 13 Planungsfragen für den Politikunterricht. 4. Auflage. Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts. 2010, ISBN 978-3899745801.
  • Politisches System der Bundesrepublik Deutschland. Klett-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 9783123506239.
  • mit Horst Becker und Jürgen Feick: Grundwissen Politik. Klett-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 978-3120537106.
  • mit Reinhard Gaßmann: Arbeitstechniken politischen Lernens. 4., überarbeitete Auflage. Klett-Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-120542407.
  • als Hrsg.: Politisches Lernen vor Ort: außerschulische Lernorte im Politikunterricht. Klett-Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-129202943.
  • Studienbrief Herrschaft. 1985.
  • als Hrsg. mit Winfried Glashagen: Friedenssicherung als pädagogisches Problem in beiden deutschen Staaten. Klett-Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 978-3129203316.
  • mit Klaus Landfried, Adolf Wagner und Hans-Georg Wehling: Politik. Ein einführendes Studienbuch. Hoffmann & Campe-Verlag, Hamburg 1980, ISBN 978-3455092363.
  • Politiklehrer-Ausbildung. Analyse und Dokumentation. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1978, ISBN 3-921352258.
  • Einführung in den sozialwissenschaftlichen Sachunterricht. Kösel-Verlag, München 1976, ISBN 3-466350735.
  • als Hrsg.: Politische Sozialisation. Westdeutscher Verlag, Opladen 1974, ISBN 3-531211846.
  • als Hrsg. Anmerkungen und Argumente zur historischen und politischen Bildung. Klett-Verlag, Stuttgart 1973–1987.
  • als Hrsg.: Politisches Lernen in der Grundschule. Kösel-Verlag, München 1973, ISBN 3-466300452.
  • Erziehung und Friede. TR-Verlagsunion, München 1971, ISBN 3-805801092.
  • Der Deutsche Bauernverband im politischen Kräftespiel der Bundesrepublik: die Einflußnahme des DBV auf die Entscheidung über den europäischen Getreidepreis. Mohr-Verlag, Tübingen 1970, ISBN 3-531211846.

Literatur

  • Ackermann, Paul. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 3.

Einzelnachweise

  1. Karl-Heinz Reizner: Ein Leben für Politik, Bildung und Bürgerschaft. In: Schwäbische. Schwäbischer Verlag, 23. Juni 2025, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  2. Paul Ackermann: Der interventionsfähige Bürger als zukunftsfähiges Leitbild. Politische Leitbilder und Partizipationsmöglichkeiten. In: Der Bürger im Staat. 3, 1999, S. 170–173.
  3. Paul Ackermann, Ragnar Müller: Bürgerhandbuch: politisch aktiv werden, Öffentlichkeit herstellen, Rechte durchsetzen. 4., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage. Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts. 2015, S. 9.
  4. Sachunterricht – Sozialwissenschaftlicher Bereich, Entwürfe und Materialien. Kösel-Verlag, München 1976–1979.
  5. Thema Politik (Klett-Verlag 1997); Zeitfragen (Klett-Verlag 1984); Heute und morgen (Klett-Verlag 1982); Sozialkunde (Oldenbourg-Verlag 1981)
  6. In: Wilhelm Borth (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte Reutlingens und der Region. Festschrift für Heinz Alfred Gemeinhardt. Hrsg. in Auftrag des Reutlinger Geschichtsvereins. Reutlingen 2012.
  7. In: Stadt Reutlingen, Schul-, Kultur- und Sportamt/Stadtarchiv Reutlingen (Hrsg.): Die Gönninger: „ein Völklein frisch-belebt“; Geschichte und Gegenwart eines Reutlinger Stadtbezirks. Reutlingen 1992. ISBN 978-3927228375.