Paul-Thérèse-David d’Astros
Paul-Thérèse-David d’Astros (* 15. Oktober 1772 in Tourves; † 29. September 1851 in Toulouse) war ein französischer römisch-katholischer Geistlicher, Erzbischof von Toulouse und Kardinal.
Leben
Anfänge
Paul-Thérèse-David d’Astros war das sechste Kind von Jean François Louis d’Astros, königlicher Notar, und Marie-Madeleine-Angélique Portalis, einer Schwester von Jean-Étienne-Marie Portalis, später Minister unter Napoléon Bonaparte.[1]
Er erhielt ab 1784 Unterricht an der Schule des Bon Pasteur in Marseille und setzte seine Ausbildung ab 1790 mit einem Privatlehrer fort. 1788 empfing er die Tonsur. Im Zuge der Revolution wurde seine Familie 1792 aus Tourves vertrieben. Er hielt sich zunächst in Marseille und Aix auf und trat 1793 in die Armee ein, entzog sich jedoch bald dem Militärdienst und lebte zeitweise verborgen in Tourves und Lyon. Nach einer Rehabilitation durch seinen Onkel Portalis konnte er sich wieder legal in Marseille aufhalten und arbeitete dort für die inoffizielle kirchliche Organisation.[1]
Kirchliche Laufbahn
1795 begab er sich nach Paris, wo er die Niederen Weihen sowie das Subdiakonat und die Diakonenweihe empfing. Die Priesterweihe erfolgte am 23. September 1797 in Marseille. Anschließend arbeitete d’Astros im Umfeld seines Onkels Portalis, insbesondere während der Vorbereitung und Umsetzung des Konkordats von 1801 zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl.[1]
Im September 1805 wurde d’Astros Generalvikar des Erzbistums Paris. Nach dem Tod des Erzbischofs Kardinal Jean-Baptiste de Belloy im Jahr 1808 übernahm er als Kapitularvikar die Leitung des Bistums. 1809 empfing er die päpstliche Bulle Pius’ VII., mit der Napoleon exkommuniziert wurde. Wegen seiner Rolle bei deren Verbreitung wurde er im Januar 1811 verhaftet und bis 1814 in Vincennes inhaftiert.[2]
Bischofsämter
Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde er 1817 zum Bischof von Orange ernannt; das Bistum Orange wurde jedoch nicht wiedererrichtet.[1] Am 21. Februar 1820 wurde er als Bischof von Saint-Flour bestätigt, im Mai desselben Jahres zum Bischof von Bayonne ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm am 9. Juli 1820 in Paris Erzbischof Hyacinthe-Louis de Quélen als Koadjutor des Erzbistums Paris; Mitkonsekratoren waren Jean-Charles de Coucy, Erzbischof von Reims, und Marc-Marie de Bombelles, Bischof von Amiens.[3]
Am 5. Juli 1830 wurde d’Astros zum Erzbischof von Toulouse ernannt. Während seiner Amtszeit veröffentlichte er mehrere theologische Schriften, darunter apologetische Werke sowie Beiträge zur Auseinandersetzung mit den Lehren von Félicité de Lamennais.[2]
Kardinalat
Auf Vorschlag von Louis-Napoléon Bonaparte wurde er im Konsistorium vom 30. September 1850 zum Kardinalpriester erhoben. Er starb am 29. September 1851 in Toulouse, bevor er das Kardinalsbirett und die Titelkirche empfangen konnte. Seine Beisetzung erfolgte am 7. Oktober 1851 in der Kathedrale von Toulouse.[1]
Veröffentlichungen
- Censure de divers écrits de La Mennais et de ses disciples per plusieurs évêques de France, et Lettres des mêmes évêques au souverain pontife, Grégoire XVI. Toulouse 1835.
Literatur
- Jean Baptiste Caussette: Vie du cardinal d’Astros, archevêque de Toulouse, suivie de pièces justificatives et de documents inédits. Auguste Vaton Librairie-Éditeur, Paris 1853.
- Guillaume de Bertier de Sauvigny: Un épisode de la résistance catholique sous le Premier Empire: l’affaire d’Astros. In: Revue d’Histoire de l’Église de France, XXXV, 1949, S. 49–58.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Astros, Paul-Thérèse-David d’. In: Salvador Miranda: The Cardinals of the Holy Roman Church. (Website der Florida International University, englisch), abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ a b Paul-Thérèse-David D’Astros. In: Catholic Encyclopedia, Band 2, Robert Appleton Company, New York 1907.
- ↑ Eintrag zu Paul-Thérèse-David d’Astros auf catholic-hierarchy.org; abgerufen am 10. Dezember 2025. (englisch)
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Anne-Antoine-Jules de Clermont-Tonnerre | Erzbischof von Toulouse 1830–1851 | Jean-Marie Mioland |
| Joseph-Jacques Loison | Bischof von Bayonne 1820–1830 | Etienne-Bruno-Marie d’Arbou |
| Jean-Francis de Mallian (Elekt) | Bischof von Saint-Flour 1819–1820 | Louis-Siffrein-Joseph de Salamon |