Papierfabrik (Calbe)
Die Papierfabrik in Calbe (Saale) besteht aus mehreren, zum großen Teil im 19. Jahrhundert erbauten Gebäuden links und rechts des Mühlenkanals in Calbe. Diese Gebäude und ihre Vorgänger dienten seit dem 12. Jahrhundert als Getreide- und Sägemühle und ab dem 1834 auch als Papierfabrik. Heute befindet sich hier eine Turbine zur Stromerzeugung.
Geographie
Die Saale, das Wehr und die Gebäude der Alten Mühle befinden sich direkt hinter den Häusern auf der Ostseite des Marktplatzes von Calbe. Eine Straße führt vom Marktplatz etwa 50 Meter weit direkt zum Wehr, das den Mühlgraben von der Saale ableitet. Vom Wehr und von der dahinter liegenden Insel aus hat man einen guten Blick auf die Anlagen.
Die Saale wird bei Calbe künstlich in drei Arme aufgespalten. Der östlichste Arm ist der Schleusengraben Calbe. Er dient der Schifffahrt und enthält die Schleuse Calbe. Der mittlere Arm ist die eigentliche Saale, die durch ein 152 Meter langes Wehr aufgestaut wird. Dieses Wehr sichert den nötigen Wasserstand in der Schleuse. Außerdem zweigt es den dritten, westlichsten Saalearm ab, den Mühlgraben, der früher auch als Hafen diente. Im Mühlgraben befindet sich ein Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung.
Geschichte
Im 12. Jahrhundert gab es die ersten Mühlen in Calbe. Die Saale bildete eine wichtige Handelsstraße von Nord nach Süd und förderte so die Entwicklung der Stadt Calbe. 1366 entstanden in Calbe die ersten Holzschleusen.
1503 wurde mit Hilfe der Einwohner von Calbe ein Wehr – der sogenannte Damm – in der Saale errichtet. Der Mühlgraben, der beim Wehr abzweigte, bildete einen Hafen in dem 1556 bis 1559 113 Handelsschiffe anlegten. Hauptsächlich brachten diese Schiffe Feuerholz für das Staßfurter Salzwerk. Als Holz- und Kohlenplatz existierte diese Anlegestelle bis ins 20. Jahrhundert.
Nach mehrfacher Erneuerung der Holzschleusen wurde 1694–97 die erste steinerne Schleuse gebaut. Im 18. Jahrhundert wurde die Schiffbarkeit der Saale durch den Bau von weiteren Schleusen bei Calbe verbessert.
1834 erwarb der Kaufmann Brückner die Alte Mühle. Er modernisierte die Getreidemühle. Zusätzlich baute er eine Papierfabrik, wo er die Wasserkraft zum Kneten der Zellulose und zur Herstellung von Büttenpapier nutzte.
In der Revolution 1848 kämpften die Mühlenarbeiter von Calbe auf Seiten der Revolutionäre gegen die Bürgerwehr.
1870 wurde die heutige 152 Meter lange Wehrmauer gebaut. Die Wasserräder wurden durch Turbinen ersetzt und es wurde elektrischer Strom erzeugt. Eines der alten Schwungräder mit einem Durchmesser von 5 Metern ist seitlich der Gebäude ausgestellt.
In den Tagen des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 protestierten Arbeiter der Papierfabrik gegen die schlechten Lebensbedingungen in der DDR. Einige von ihnen wurden wegen staatsfeindlicher Hetze verhaftet.[1]
1956 wurde die Wehrmauer erhöht. Am Wehr befand sich eine Anlage mit 26 beweglichen Wehrtafeln, über die das Oberwasser an der Schleuse Calbe vom Schleusenmeister reguliert wurde.
1968 wurde ein hydraulisches Dachwehr installiert, das um 78 Zentimeter höher war als das alte Wehr. Heute (2014) befindet sich in der Alten Mühle ein Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung.[2][3]
Die Gebäude der alten Papierfabrik in Calbe stehen unter Denkmalschutz und sind als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 60893 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt eingetragen.[4] Leider wurden sie immer wieder Opfer von Brandanschlägen und machen einen etwas ruinösen Eindruck.[5] Bei einem Brand im November 2025 stürzte ein Teil der Papierfabrik ein.[6]
Literatur
- Uwe Klamm, Henry Bergmann: Mühlenland Sachsen-Anhalt, Teil 10: Der über tausend Jahre alte Mühlenstandort Calbe/Saale. In: Sachsen-Anhalt-Journal 30 (2020) 1, S. 20–24. Archivierte Kopie ( vom 27. November 2024 im Internet Archive)
- Dieter Horst Steinmetz: Vom Königshof Caluo 936 bis zur Kreisstadt Calbe 1919 – Geschichte einer mitteldeutschen Stadt. Von den Anfängen bis zur Gründung der Weimarer Republik. Magdeburg/Calbe/Saale 2010
Weblinks
Quellen
- ↑ Hanns Schwachenwalde: Die Ereignisse am 17. Juni 1953 in Calbe. In: 17juni53.de. 2013, abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Calbe. In: blaues-band.de. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Dieter Horst Steinmetz: Kurzer Abriss der Geschichte der Stadt Calbe an der Saale (Archivierte Kopie) ( vom 20. Juni 2024 im Internet Archive)
- ↑ Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung. (PDF) 19. März 2015, abgerufen am 11. November 2025 (9,9 MB; Anfrage der Abgeordneten Olaf Meister und Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) – Kleine Anfrage 6/8670; Drucksache 6/3905 – Antwort durch das Kultusministerium – betrifft: Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt – siehe PDF-Seite 3662).
- ↑ Wieder einmal brannte es in der alten Papierfabrik am Saalewehr (Archivierte Kopie) ( vom 28. Juli 2014 im Internet Archive)
- ↑ Salzlandkreis Großbrand in Calbe: Ehemalige Papierfabrik teilweise eingestürzt. In: mdr.de. Mitteldeutscher Rundfunk, 10. November 2025, abgerufen am 11. November 2025.
Koordinaten: 51° 54′ 13,6″ N, 11° 46′ 39,1″ O