Paolo Antonio Foscarini
Paolo Antonio Foscarini (* 1565 in Montalto Uffugo in Kalabrien; † 10. Juni 1616 ebenda) war ein italienischer Theologe und Astronom.
Foscarini trat dem Karmeliterorden bei. Er lehrte Philosophie und Theologie an der Universität Messina, hatte einen Ruf als Prediger und Theologe und war Provinzial des Karmeliterordens für Kalabrien.
Er veröffentlichte 1615 das Buch Brief über die Ansicht der Pythagoräer und des Kopernikus über die Beweglichkeit der Erde und die Festigkeit der Sonne und das neue pythagoräische Weltsystem (lateinisch Lettera sopra l'Opinione de' Pittagorici, e del Copernico, della mobilità della terra e stabilità del sole, e del nuovo Pittagorico Sistema del Mondo), in dem er die heliozentrische Lehre von Kopernikus verteidigte und in Übereinstimmung mit der Bibel fand.
Foscarini präzisierte, dass das Werk, das sich vor allem an Galileo Galilei und Johannes Kepler sowie an die Accademia Nazionale dei Lincei richtete, darauf abzielte, „viele Passagen der Heiligen Schrift“ mit der kopernikanischen Konzeption in Einklang zu bringen und sie (nicht ohne theologische und physikalische Grundlagen) so zu interpretieren, dass sie ihr überhaupt nicht widersprechen“, da „das von Ptolemäus verkündete gemeinsame Weltsystem die Gelehrten nie völlig zufriedengestellt hat und selbst seine Nachfolger immer den Verdacht hegten, dass ein anderes wahrer sei: Denn mit diesem gemeinsamen System bleiben zwar alle Phänomene und Erscheinungen der Himmelskörper erhalten, aber dennoch mit unzähligen Schwierigkeiten und Flickwerken von Umlaufbahnen (und diese von verschiedener Form und Gestalt), Epizyklen, Äquanten, Deferenten, exzentrischen Bewegungen und tausend anderen Vorstellungen und Chimären" eher reine Hypothesen als irgendeine Realität.
Zu diesem Zweck erörterte Foscarini die Widersprüche zum kopernikanischen Modell, die in der Bibel, in den Schriften der Kirchenväter und bei Theologen zu finden sind, und begegnete ihnen mit seiner eigenen Schriftexegese. Er identifizierte sechs Passagen der Bibel, die als Widerspruch zur heliozentrischen Bewegung der Erde angesehen werden:
- Die Erde steht still und bewegt sich nicht.
- Die Sonne bewegt sich und dreht sich um die Erde.
- Der Himmel ist oben und die Erde unten.
- Die Hölle befindet sich im Zentrum der Welt.
- Der Himmel steht immer der Erde gegenüber.
- Nach dem Tag des Jüngsten Gerichts wird die Sonne unbeweglich im Osten und der Mond im Westen stehen (abgeleitet von der scholastischen Meinung).
Er verteidigte seine Thesen auch persönlich in Rom, verließ die Stadt aber wieder, bevor Galileo Galilei dort eintraf. Galilei hoffte in Foscarini einen Verbündeten im Kampf für die kopernikanische Lehre in der Kirche gefunden zu haben. Kardinal Bellarmin intervenierte aus der Sicht der Römischen Kongregation und vertrat die Ansicht, dass es keinen Beweis für das heliozentrische Weltbild geben könne, da dies im Widerspruch zur einstimmigen Auslegung der Heiligen Schrift durch die Kirchenväter stünde, zu deren Einhaltung sich alle Katholiken gemäß dem Konzil von Trient von 1546 verpflichtet hatten. Bellarmin argumentierte im Brief vom 16. April 1615, dass er das heliozentrische Modell aufgrund fehlender Beweise nicht unterstütze:[1]
Ich sage, wenn es einen echten Beweis dafür gäbe, dass die Sonne im Zentrum der Welt und die Erde im dritten Himmel steht und dass nicht die Sonne um die Erde kreist, sondern die Erde um die Sonne, dann müsste man bei der Auslegung der Schriftstellen, die dem zu widersprechen scheinen, mit großer Vorsicht vorgehen und eher sagen, dass wir sie nicht verstehen, als dass das, was bewiesen ist, falsch ist. Aber ich werde nicht glauben, dass es einen solchen Beweis gibt, bis er mir gezeigt wird. Es ist auch nicht dasselbe, zu beweisen, dass man durch die Annahme, die Sonne befinde sich im Zentrum und die Erde im Himmel, die Erscheinungen retten kann, und zu beweisen, dass sich die Sonne tatsächlich im Zentrum und die Erde im Himmel befindet; denn ich glaube, dass der erste Beweis möglich ist, aber ich habe sehr große Zweifel am zweiten, und im Zweifelsfall darf man die Heilige Schrift, wie sie von den Heiligen Vätern ausgelegt wird, nicht aufgeben.
Das Buch von Foscarini wurde von der Sacra Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis am 5. März 1616 auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt.
Foscarini starb bald darauf in einem Kloster seines Ordens, das er in seinem Heimatort gegründet hatte.
Am 15. April 2014 wurde der Asteroid (8076) Foscarini nach ihm benannt.
Schriften
Theologische Schriften:
- Ordinationes et exercitia quotidiana, 1607
- Institutionum omnis generis doctrinarum tomis VII comprehensarum syntaxis, 1613
- Tratato della divinatione naturale cosmologica, 1615
Seine Verteidigung des Kopernikanischen Systems:
- Lettera sopra l’Opinione de’Pittagorici, e del Copernico della mobilità della terra, e stabilità del sole, e del nuove Pittagorica Systema del Mondo. Neapel 1615 (italienisch, archive.org [PDF; 3,2 MB; abgerufen am 8. Oktober 2025]).
- Lateinische Übersetzung in: Galileo Galilei: Systema cosmicum: in quo dialogis IV. de duobus maximis mundi systematibus, Ptolemaico & Copernicano, rationibus utrinque propositis indefinite disseritur. Hrsg.: Jean Antoine Huguetan. Lyon 1641, S. 353–377 (Latein, archive.org [PDF; 49,8 MB; abgerufen am 8. Oktober 2025]).
- Englische Übersetzung in: Richard J. Blackwell: Galileo, Bellarmine, and the Bible, Notre Dame: University of Notre Dame Press, 1991, S. 217–251.
Literatur
- Pamela Anastasio: Foscarini, Paolo Antonio. In: Fiorella Bartoccini (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 49: Forino–Francesco da Serino. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1997.
- Friedrich Wilhelm Bautz: Foscarnio, Paolo Antonio. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 74.