Palazzo della Farnesina
Der Palazzo della Farnesina ist ein Verwaltungsgebäude im Nordwesten von Rom, im Quartier XV Della Vittoria. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 1959 beherbergt das Gebäude das Außenministerium Italiens. Die Bezeichnung Farnesina, die inoffiziell auch für das Ministerium selbst verwendet wird, bezieht sich auf den Standort des Gebäudes, der früher der Adelsfamilie Farnese gehörte. Die Bezeichnung Farnesina dient auch der Unterscheidung zum Palazzo Farnese (heute Botschaft Frankreichs), zu den Farnesischen Gärten auf dem Palatin und der Villa Farnesina (Sitz der Accademia Nazionale dei Lincei).
Geschichte
Das Gebäude wurde ursprünglich als Parteizentrale des Partito Nazionale Fascista (PNF), der italienischen faschistischen Partei, als Palazzo del Littorio oder „Liktorenpalast“ entworfen. Als Standort war zunächst die Via dei Fori Imperiali vorgesehen, also in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Kaiserforen und zum Kolosseum. Die entsprechende Ausschreibung vom Dezember 1933 war wegen des geplanten Standorts jedoch scharfer Kritik ausgesetzt und wurde daher zurückgenommen. Die erneute Ausschreibung im April 1937 verlegte den Standort in die unmittelbare Nachbarschaft zum Foro Italico (ehemals Foro Mussolini), zwischen dem Monte Mario und dem Tiber, nordwestlich der Innenstadt. Die Architekten Enrico Del Debbio, Arnaldo Foschini und Vittorio Ballio Morpurgo gewannen die Ausschreibung mit ihrem Plan für einen neunstöckigen, 169 m langen, 51 m breiten und 132 m tiefen Bau mit einer Kubatur von 720.000 m³. Die mit Römischem Travertin aus Tivoli verkleidete Außenarchitektur des Palazzo ist nicht dem Razionalismo Giuseppe Terragnis verpflichtet, sondern befriedigt mit ihrer streng parataktisch gegliederten Lochfassade das verbreitete Stereotyp faschistischer Herrschaftsarchitektur.[1]
Der Baubeginn fand im November 1937 statt. 1940, als die Bauarbeiten in vollem Gang waren, beschloss man, das Außenministerium in dem neuen Gebäude unterzubringen. Benito Mussolini hatte vor dem Zweiten Weltkrieg eine städtebauliche Erweiterung Roms in südwestlicher Richtung zur Mittelmeerküste hin angestrebt; für die im Jahr 1942 geplante Weltausstellung Esposizione Universale di Roma ließ er in jenem Gebiet einen monumentalen neuen Stadtteil errichten. Weil dessen ursprünglicher Zweck kriegsbedingt entfallen war, zog man es vor, die Parteizentrale dort unterzubringen, statt im eher dem Sport und der Körperkultur gewidmeten Foro Mussolini im Nordwesten der Stadt, das Mussolini für die Kandidatur für die Olympischen Sommerspiele 1940 hatte ausbauen lassen.[2]
Die Bauarbeiten am Palazzo della Farnesina wurden kriegsbedingt im Sommer 1943 eingestellt, als der Rohnbau bereits stand und man mit dem Innenausbau begonnen hatte. Nach Kriegsende waren es weiterhin die drei genannten Architekten, unter deren Regie das Gebäude mit kleineren Modifikationen fertiggestellt wurde. Das Außenministerium konnte das Gebäude mit seinen mehr als 1.300 Zimmern 1959 beziehen und erhielt somit erstmals einen räumlich angemessenen zentralen Dienstsitz. Bis 1922 hatte sich die Zentrale des Ministeriums im Palazzo della Consulta befunden, danach dann im Palazzo Chigi; in beiden Fällen war man auf zahlreiche Nebensitze angewiesen. Eine 1939 erfolgte Ausschreibung für ein neues zentrales Dienstgebäude des Außenministeriums bei den Caracalla-Thermen, in Nachbarschaft zum neuen Sitz des Kolonialministeriums (heute FAO), kassierte man dann 1940 wegen der genannten Verwendungsänderung der Farnesina.[3]
Im Zuge des Innenausbaus der Farnesina beaufragte man in den 1950er und auch noch in den 1960er Jahren etliche Künstler mit dekorativen Arbeiten, insbesondere im Mosaik-Saal, im Konferenz-Saal, im Botschafter-Vorzimmer, im Minister-Büro und im Sieges-Saal. Die Gestaltung des Außenbereichs wurde in den 1960er Jahren vervollständigt. Seit der Jahrtausendwende nutzt das Außenministerium den Palazzo della Farnesina auch zur Ausstellung Zeitgenössischer Kunst, basierend auf temporären Leihgaben verschiedener Museen oder anderer Institutionen, oder zur Förderung junger Künstler. Die Collezione Farnesina (und damit ein Teil des Palazzos) ist für die Öffentlichkeit nach Anmeldung zugänglich, in der Regel am letzten Freitag jeden Monats (Juli und August ausgenommen). Auch virtuelle Besuche sind möglich.[4]
Weblinks
- Italienisches Außenministerium (englisch)
- Gebäudebeschreibung Außenministerium (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Beschreibung des Palazzo della Farnesina auf turismoroma.it (italienisch)
- ↑ Il Palazzo della Farnesina auf esteri.it (italienisch)
- ↑ Valentina Silvestrini: Il Palazzo della Farnesina e la sua storia. progetto-radici.it, 23. Januar 2021 (italienisch)
- ↑ Internetauftritt der Collezione Farnesina (italienisch)
Koordinaten: 41° 56′ 14″ N, 12° 27′ 28,5″ O