Palazzo del Viminale

Der Palazzo del Viminale ist Verwaltungsgebäude in Rom. Das ab 1911 als Sitz des italienischen Ministerpräsidenten und des Innenministeriums geplante und 1925 eingeweihte Gebäude befindet sich im Stadtteil Monti, auf dem Viminal, einem der klassischen sieben Hügel Roms. Nach diesem Hügel ist der Palazzo benannt; auch das Ministerium selbst, das seit 1961 das gesamte Gebäude nutzt, wird metonymisch oft Viminale genannt.

Geschichte

Der Verfassung des Königreichs Italien zufolge lag die Exekutive beim König und bei den Ministern, die zusammen die Regierung bildeten. Einen Ministerpräsidenten sah die Verfassung nicht vor, auch keine vom Vertrauen des Parlaments abhängige Regierung. Dennoch ließ das Königshaus Savoyen beides im so genannten „Liberalen Italien“ bis 1925 zu.

Mangels Verfassungsrang und eigenem administrativem Unterbau und wegen der Abhängigkeit von König und Parlament hatte der Ministerpräsident seinerzeit eine sehr schwache Stellung. Aus diesem Grund hatte er bis zur faschistischen Diktatur seine Dienststelle meist im mächtigen Innenministerium. Oft wurden die Ämter von Ministerpräsident und Innenminister in Personalunion geführt.

Der seit 1871 als Sitz des Ministerpräsidenten und des Innenministeriums genutzte Palazzo Braschi (sprich: „Braski“) galt bald als räumlich und funktional ungeeignet, weswegen der langjährige Ministerpräsident Giovanni Giolitti im Jahr 1911 den Architekten Manfredo Manfredi mit dem Bau einer neuen Regierungszentrale auf dem Viminal beauftragte. Der neomanieristische Entwurf Manfredis wurde nach mehrmaliger Überarbeitung am 15. Oktober 1912 vom Ministerium für öffentliche Arbeiten genehmigt, bei geplanten Kosten von rund acht Millionen Lire.

Nach kriegsbedingten Verzögerungen war das Gebäude bis 1921 im Wesentlichen fertiggestellt, wobei einige kostspielige Elemente aus finanziellen Gründen nicht realisiert wurden. Die offizielle Einweihung des Palazzo del Viminale erfolgte erst am 9. Juli 1925, zusammen mit einem gerade realisierten Denkmal für die gefallenen Mitarbeiter des Innenministeriums. Der vollständige Innenausbau und die Fertigstellung der Piazza del Viminale vor dem Gebäude zogen sich noch bis April 1931 hin. Am Ende beliefen sich die Gesamtkosten auf 20 Millionen Lire.

Als Benito Mussolini mit seinen Faschisten Ende 1922 an die Macht kam, hatte die Verlagerung von Dienststellen des Ministerratspräsidiums und des Innenministeriums in den Palazzo del Viminale bereits begonnen. Was den Regierungssitz betrifft, beendete Mussolini diese Entwicklung mit einer Art Dienstsitz-Rochade: das Kolonialministerium und das Außenministerium tauschten ihre Hauptsitze, wobei Mussolini mit dem Außenministerium in den Palazzo Chigi zog. 1929 zog Mussolini in den restaurierten, monumentalen Palazzo Venezia weiter; dennoch tagte der Ministerrat im weiteren Verlauf immer wieder auch im Ministerrats-Gebäudeteil des Palazzo del Viminale.[1] Den ehemaligen Regierungssitz Palazzo Braschi machte man 1929 zum städtischen Parteisitz des Partito Nazionale Fascista.

Nach der Befreiung Roms kehrte die legitime italienische Regierung und auch das Innenministerium 1944 in den Palazzo del Viminale zurück. Nachdem das Außenministerium den Palazzo Chigi 1959 verlassen hatte, wurde dieser renoviert und dann 1961 Amtssitz des Ministerpräsidenten und des Ministerratspräsidiums, das damit erstmals einen eigenen Dienstsitz erhielt. Somit nutzt seit 1961 nur noch das Innenministerium den Viminale.

Beschreibung

Der Palazzo del Viminale liegt wenige hundert Meter südöstlich des Quirinalspalastes, dem Amtssitz des italienischen Staatspräsidenten. Wenige hundert Meter nördlich des Viminale befinden sich (ähnlich monumentale) Dienstsitze weiterer italienischer Ministerien, darunter der Palazzo delle Finanze. Unmittelbar östlich des Viminale liegt die Zentrale des Istituto Nazionale di Statistica (ISTAT).

Der Palazzo del Viminale ist im Wesentlichen in nordöstlicher Richtung zur Piazza del Viminale ausgerichtet. Er besteht aus zwei separaten Gebäudetrakten, die durch zwei Übergänge baulich miteinander verbunden sind: dem größeren, rechteckigen, sogenannten „Bürogebäudeteil“ mit vier Innenhöfen; und an dessen Südostseite der kleinere, sogenannte „Präsidialgebäudeteil“. Ursprünglichen Planungen zufolge sollte der Bürogebäudetrakt (Sitz des Innenministeriums) auf derselben Fläche und auf einer Linie aus drei separaten quadratischen Gebäuden bestehen, und das „Präsidialgebäude“ mit dem Ministerratspräsidium unmittelbar südöstlich einen vierten „Quader“ bilden.

Der „Bürogebäudeteil“, der schließlich als ein einziges, rechteckiges Gebäude mit vier Innenhöfen entstand, umfasst auf fünf Stockwerken entlang zahlreichen Korridoren hunderte Dienstzimmer sowie mehrere Bibliotheken. Trotz aller Funktionalität ist dieser Bereich im Inneren neoklassizistisch geprägt.

Die Nordostfassade des „Bürogebäudeteils“, an der Piazza del Viminale, wird in der Öffentlichkeit meist als Hauptfassade und Haupteingang des Viminale wahrgenommen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass dieser Gebäudeteil weniger aufwändig gestaltet wurde als der seitliche Präsidialtrakt, dessen südöstliche Fassade von der am Viminalhügel wesentlich tiefer verlaufenden Via Cesare Balbo nicht einsehbar ist. Weil dieser seitliche Gebäudeteil als Regierungssitz geplant worden war, sind die Räumlichkeiten dort wesentlich repräsentativer gestaltet. Erwähnenswert ist hier unter anderem der Saal des Ministerrats (Kabinettssaal), der am 10. Dezember 2025 nach dem ehemaligen Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi benannt wurde.[2] De Gasperi leitete vom Viminale aus den Wiederaufbau Italiens vom vom 10. Dezember 1945 bis zum 17. August 1953. Nach Auszug des Ministerpräsidenten befindet sich im Präsidialteil des Gebäudes seit 1961 die Leitung des Innenministeriums.

Sonstiges

Im Bereich der südlichen Grünanlagen des Palazzo del Viminale liegt das Kloster San Lorenzo in Panisperna. Von Bedeutung sind in diesen Grünanlagen auch eine Reihe von villenartigen Gebäuden, die einst naturwissenschaftliche Institute beherbergten, darunter das „Königliche Institut für Physik“, an dem Enrico Fermi mit seinen „Jungs von der Via Panisperna“ bedeutende kernphysikalische Studien betrieb, die ihm schließlich 1938 den Nobelpreis einbrachten.

Commons: Palazzo del Viminale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Cronologia auf info.rima.it
  2. Mitteilung vom 10. Dezember 2025 auf quirinale.it

Koordinaten: 41° 53′ 56,9″ N, 12° 29′ 36,8″ O