Palast der Naxçıvan-Khane

Der Palast der Naxçıvan-Khane ist ein historisch-architektonisches Denkmal aus dem 18. Jahrhundert in der Stadt Naxçıvan von Aserbaidschan.

Geschichte und architektonische Besonderheiten

Ende des 18. Jahrhunderts ließ Kəlbəli xan Kəngərli (Kälbäli Khan Kängärli), damaliger Herrscher des Khanats Nachitschewan den Palast errichten. Dieser der historischen Quellen zufolge um 1780 erbaute Schloss zählt zu den Perlen der mittelalterlichen aserbaidschanischen Architektur. Einige Bauten des Palastensembles haben bis heute überdauert. Die Khane und ihre Nachkommen bewohnten den Palast bis 1920.[1]

Das Palastgebäude ist zweistöckig. Zu einer Zeit bestand es aus zwei Hälften: Der südliche Teil war für administrative Angelegenheiten und den Empfang hochrangiger Gäste vorgesehen, während der nördliche Teil als Wohnbereich der Khanfamilie diente.

Der Prachtbau wird in den Büchern, Tagebüchern und Memoiren von Orientalisten, Diplomaten und Militärs erwähnt, die im 19. Jahrhundert Naxçıvan bereisten. Ein Dokument aus dem frühen 19. Jahrhundert, verfasst am 10. September 1806 vom Major der kaiserlich russischen Armee Matuschewitsch, enthält eine detaillierte Beschreibung der Straßenverbindung von Artik nach Täbris. Darin wird ausgeführt, dass sich der Palast innerhalb der inneren Zitadelle der Festung von Nachitschewan befindet. Um die Zitadelle herum sind Türme errichtet, während die Mauer, die den Palast selbst umschließt, als weniger stabil eingeschätzt wird. Der russische Offizier betont zudem, dass die Festung auf einer steilen Klippe erbaut ist, was aus militärstrategischer Sicht eine besonders günstige Lage für die Verteidigung darstellt.

Im Jahr 1834 besuchte der bekannte Schweizer Reisende, Geologe, Naturforscher und Archäologe Frédéric Dubois de Montpéreux die Stadt. Die Ergebnisse seiner durchgeführten Untersuchungen veröffentlichte er in dem sechsbändigen Werk Reise um den Kaukasus, das er zwischen 1839 und 1844 in Paris herausgab. de Montpéreux würdigte die historischen Denkmäler von Naxçıvan besonders hoch: „Unter diesen Denkmälern… der Palast im persischen Stil, bestehend aus mehreren Höfen und reich dekorierten Gemächern“.[2]

Anfang des 20. Jahrhunderts besuchte der italienische Historiker und Diplomat Luigi Villari die Stadt Naxçıvan. Seine Reiseerlebnisse veröffentlichte er im Buch Russland nach der großen Wende. Feuer und Schwert im Kaukasus, das unter anderem eine Beschreibung des Palastes der Naxçıvan-Khane enthält: „Der Palast liegt an einem Felsen am Stadtrand, von wo aus die Straße in das weite Aras-Tal hinabführt. Der Garten im Innenhof ist nur spärlich bepflanzt – offenbar erlaubt das hiesige Klima nicht das Anpflanzen beliebiger Blumensträucher. Im Inneren hingegen ist das Gebäude reich dekoriert. Das Wohnzimmer ist mit kostbaren europäischen Möbeln ausgestattet, die größtenteils exquisit verarbeitet sind. An allen Wänden hängen persische, türkische und kaukasische Teppiche, und die Decke ist mit kleinen Spiegeln verziert. Eine ähnliche Mosaikarbeit habe ich im Palast des Sardar von Eriwan gesehen.“

Nach der Etablierung der Sowjetherrschaft in Aserbaidschan reiste 1926 der Archäologe W. M. Sysojew nach Naxçıvan und führte unter anderem wissenschaftliche Forschungen im Herrenhaus der Naxçıvan-Khane durch.[3]

1998 wurde im Palast der Naxçıvan-Khane das Staatliche Teppichmuseum von Naxçıvan etabliert. Das Museum verfügt über 3.537 materielle und kulturelle Exponate, darunter 331 Teppiche. In der Ausstellung werden 283 Objekte präsentiert. Die Exponate des Museums sind nach verschiedenen Teppichknüpferschulen gruppiert. Gezeigt werden Teppiche mit feinen, kunstvollen Mustern aus unterschiedlichen Epochen.[4]

Commons: Palast der Naxçıvan-Khane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur und Einzelnachweise

  1. Дворец Нахчыванских ханов. In: kaspiy.az. 4. Juli 2015, abgerufen am 28. September 2025 (russisch).
  2. Frédéric Dubois de Montpéreux: Voyage autour du Caucase, chez les Tscherkesses et les Abkhases, en Colchide, en Géorgie, en Arménie et en Crimée, 6 Bände, Librairie de Gide, Paris, 1839–1849, mit zusätzlichem Atlas, (Digitalisat)
  3. Сысоев В. М.: Нахичевань на Араксе и древности Нахичеванской АССР (отчет о поездке летом 1926). 4. Auflage. «Известия Азкомстариса», Баку 1928.
  4. Знакомство с древней историей Нахчывана произвело на участников Гуманитарного форума богатое впечатление. In: Azertag. 6. Oktober 2014, abgerufen am 28. September 2025 (russisch).

Koordinaten: 39° 12′ 41,8″ N, 45° 24′ 44,2″ O