Palais Grüneburg

Das Palais Grüneburg, auch Neues Palais an der grünen Burg genannt, war ein repräsentatives Wohngebäude im Besitz der jüdischen Familie Rothschild in Frankfurt am Main. Die zuvor das nicht mehr existierende Gebäude umgebenden, ausgedehnten Gartenanlagen bilden heute den Grüneburgpark im Frankfurter Stadtteil Westend.[1][2]

Geschichte

Der Juwelenhändler Matthias Ries errichtete einen Gutshof mit 10 ha Fläche östlich des späteren Palais. 1789 erwarb der Bankier Peter Heinrich von Bethmann-Metzler den Gutshof und das Gelände. Den Großeltern Johann Wolfgangs von Goethe kaufte er zwei Obstfelder ab, um das Gelände auf 21,25 ha zu vergrößern. Der Gutshof wurde zu einem größeren Wohnhaus umgebaut und in Grüneburg umbenannt. Im Jahr 1837 kaufte der Bankier Amschel Mayer von Rothschild das Anwesen für seinen Neffen Anselm Salomon und dessen Ehefrau. Diese ließen unmittelbar westlich des Schlosses von 1844 bis 1845 das neue Palais erbauen. Im Jahr 1877 ging das Palais in den Besitz von Wilhelm Carl von Rothschild (1828–1901) und seiner Frau Hannah Mathilde über. Zu Beginn der 1880er Jahre wurden die Gebäude von Schloss Grüneburg abgerissen.

Albert Maximilian von Goldschmidt-Rothschild (1879–1941) wurde ab 1924 Pächter und ab 1929 Besitzer des Palais Grüneburg.[3] 1937 erzwangen die Nazis zum Verkauf seiner Güter.

1938 ging Goldschmidt-Rothschild ins Exil in der Schweiz. Er beging 1941 Suizid, weil ihm die Ausweisung aus der Schweiz drohte.[4][5][6]

Während des Zweiten Weltkriegs brannte das Palais aus und wurde nicht wieder aufgebaut. Dessen Ruinen wurden abgetragen. Die einzigen bis in die Gegenwart vor Ort erhaltenen Relikte des Palais sind mehrere große, skulpturähnlich gestaltete, steinerne Pflanzkübel. Am vormaligen Standort des Palais im heutigen Grüneburgpark ist dessen Grundriss in Form eines großformatigen, mit Rosen bepflanzten Beetes nachgebildet; zusätzlich erinnern eine künstlerisch gestaltete Gedenkstele sowie mehrere Informationstafeln und -schilder an die Geschichte des Ortes und des Gebäudes.

Das Landgericht Frankfurt urteilte 1951, dass der Verkauf von Schloss Grüneburg sowie des Grüneburgparks eine NS-verfolgungsbedingte Entziehung darstellte.[7]

Siehe auch

Commons: Palais Grüneburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Rückkehr eines Juwels?.
  2. Vereinigung Rothschild-Palais im Grüneburgpark: Geschichte.
  3. Die Verfolgungsgeschichte der jüdischen Frankfurter Familie Goldschmidt-Rothschild.
  4. Goldschmidt-Rothschild, Albert Max von
  5. Albert von Goldschmidt-Rothschild
  6. Bund restituiert NS-Raubkunst an die Erbengemeinschaft nach Albert von Goldschmidt-Rothschild.
  7. Verdure aus Frankreich (Aubusson)

Koordinaten: 50° 7′ 40″ N, 8° 39′ 40″ O