Pětr Młónk
Pětr Młónk (auch Młóńk, Młynk und deutsch auch Peter Müller) (* 19. März 1805 in Seitschen (sorbisch Žičeń); † 6. Februar 1887 in Kleinförstchen (Mała Boršć)) war ein sorbischer Volksdichter.
Leben
Pětr Młónk war der Sohn eines Fronbauern und Zimmermanns. Von 1811 bis 1818 besuchte er die Volksschule in Göda. Danach arbeitet er bei Bauern als Hütejunge und wurde von seinem Vater zum Zimmermann ausgebildet. Eine weiterführende Ausbildung des begabten Schülers war nicht vorgesehen. 1821 kaufte ihm der Vater ein kleines Anwesen in Siebitz bei Göda, das ein Wohnstallhaus, eine kleine Scheune und 2,8 ha Land umfasste. Um den Dienst in der sächsischen Armee zu umgehen, heiratete er am 9. Februar 1823 die Gärtnerstochter Johanna Christiane Bundemann (31. März 1800–9. Juni 1869) aus Großseitschen.[1]
Nach Einführung des allgemeinen Militärdienstes in Sachsen mussten auch Verheiratete zur Armee. Pětr Młónk diente 1825–1833 in Dresden, wo er während der Nachtwachen zu dichten begann. Als Besitzer einer Gartennahrung war er in den Sommermonaten zur Bestellung der Felder vom Militär freigestellt. Nach dem Armeedienst arbeitete er wieder als Knecht auf verschiedenen Bauernhöfen.[2]
1844–1847 wirkte Młónk beim Bau der Eisenbahnstrecke Dresden–Görlitz mit[2], die auch die Gemarkungen von Siebitz und benachbarten sorbischen Dörfern berührte. Als die Bauleitung sorbischen Bauarbeitern den Gebrauch ihrer Muttersprache auf der Baustelle verbieten wollte, setzte sich Pětr Młónk für die Rechte der sorbischen Sprache ein und erklärte, dass die deutschen Arbeiter, die bei sorbischen Familien einquartiert waren, dann dort nicht mehr deutsch sprechen dürften, und wendete damit das Verbot ab.[1.1] Bis 1854 war er noch beim Betrieb der Bahnstrecke beschäftigt.
In dieser Zeit dichtete er zumeist weltliche Gedichte, die er aber später verbrannte. Auf Bestellung aus den Dörfern verfertigte er Gelegenheitsgedichte zu Familienereignissen. 1848 schickte Młónk ein Gedicht an Jan Arnošt Smoler, der ihn daraufhin zur Mitarbeit an der sorbischen Wochenzeitung Tydźenska nowina einlud.[2]
Im Revolutionsjahr 1848 wandten sich die Mitglieder der Maćica Serbska mit einer Petition an den sächsischen Hof. Die darin erhobene Forderung nach Gleichstellung der sorbischen mit der deutschen Sprache im Schulwesen und bei den lokalen Behörden unterstütze Młónk (auch in seinen Gedichten) und war im öffentlichen Leben aktiv.[3]
Mit der Gründung der Gemeinde Kleinförstchen mit Siebitz und Preske im Jahr 1839 wurde er zum Gemeindeältesten gewählt. Das Elementar-Volksschulgesetz vom 6. Juni 1835 verpflichtete jede Gemeinde zur Errichtung einer Schule. In Siebitz war Młónk als Schulvorstand für den Bau und den Betrieb der Elementarschule verantwortlich, die 1840 feierlich eröffnet wurde.[1.2] Von 1856 bis 1881 war er Gemeindevorstand (Bürgermeister) in Kleinförstchen. Er war Mitglied mehrerer Vereine und in vielen Fällen Vorsitzender und zugleich Schriftführer. 1862 gründete er gemeinsam mit dem Gödaer Gemeindepfarrer Jaroměr Hendrich Imiš den Sorbischen evangelischen Bücherverein, in dem er als Schriftführer bis zu seinem Tod wirkte. 1876 wurde er zum Ehrenmitglied der Maćica Serbska gewählt.[2]
Als Volksdichter erwarb sich Młónk große Anerkennung, eine ganze Schule von Volksdichtern wurde durch sein Wirken beeinflusst. Autoren wie Hańža Budarjowa, Handrij Falka, Jan Hajnca, Gusta Hatas und Jan Kruža nahmen seine Einflüsse auf. Młónk schrieb Hunderte von Gelegenheits-, religiösen und politischen Gedichten, die vor allem von der sorbischen Zeitung Serbske Nowiny veröffentlicht wurden.[3][4]
Bis ins hohe Alter war Młónk Vorbeter bei Beerdigungsprozessionen. Als er am 6. Februar 1887 als Vorsänger einem Trauerzug voranging, erlitt er bei Preske einen Herzschlag und starb. Ein schlichter Gedenkstein erinnert noch heute an dieser Stelle an seinen Tod. Am 9. Februar wurde er auf dem Gödaer Friedhof unter großer Anteilnahme der sorbischen Bevölkerung aus der ganzen Oberlausitz direkt neben seine Ehefrau beigesetzt. Das Grab trug zunächst nur ein Holzkreuz. Młónks Sohn Carl August ließ um 1910 einen Grabstein mit folgender sorbischer Inschrift errichten:
Tudy wotpučuje w tym Knjezu Hana Młónkowa,
Pětra Młónka z Dźwoćic mandźelska,
narodźi so 31. měrca 1800, wumrě 9. Junija 1869,
a jeje mandźelski Pětr Młónk z Dźiwoćic,
narodźi so 20. měrca 1805 a wumrě 6. Febr. 1887.[1.3]
Hier ruht im Herrn Hana Młónkowa,
Pětr Młónks aus Siebitz Ehefrau,
geb. 31. März 1800, gestorben 9. Juni 1869,
und ihr Ehemann Pětr Młónk aus Siebitz,
geboren 20. März 1805 und gestorben 6. Febr. 1887.
Anfang der 1940er Jahre wurde unter dem Gödaer Pfarrer, der Mitglied der NSDAP und der Deutschen Christen war, der sorbische Grabstein entfernt und die Grabstelle neu vergeben. In den 1970er Jahren ermittelte der Gödaer Pfarrer Karl Pietsch die Lage von Młónks Grabstelle und ließ nach dem Entwurf des Bautzener Malers Alfred Herzog den jetzigen Gedenkstein anfertigen.[1.3]
Der Pětr-Młonk-Gedenkweg in Göda wurde 2025 feierlich eröffnet. Er folgt den Lebensstationen Młonks in mehreren Ortsteilen Gödas.[1]
Fußnoten
- ↑ a b Kirchgemeinde Göda: Pětr Młónk Gedenkweg, Abruf 12.11.2025
- ↑ a b c d Biografie Pětr Młónk bei Serbski Institut, obersorbisch
- ↑ a b Franz Lau (Hrsg.): Herbergen der Christenheit 1979/80 (= Beiträge zur deutschen Kirchengeschichte. Band 12). Evangelische Verlagsanstalt, 1980, S. 51.
- ↑ Alexander Nikolajewitsch Pypin: Das serbisch-wendische Schriftthum in der Ober- und Niederlausitz. F. A. Brockhaus, Leipzig 1884, S. 43 (Digitalisat).