Péter Magyar

Péter Magyar ([ˈpeːtɛr ˈmɒɟɒr]; in ungarischer Reihenfolge Magyar Péter; * 16. März 1981 in Budapest) ist ein ungarischer Rechtsanwalt und Politiker. Er ist seit Juli 2024 Vorsitzender der Partei Tisztelet és Szabadság Párt (TISZA) sowie Mitglied des Europäischen Parlaments.

Leben

Zwischen 1998 und 2003 studierte er Rechtswissenschaften an der Katholischen Péter Pázmány Universität. 2002 studierte er zudem im Rahmen des Erasmus-Programms an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2003 begann er seine berufliche Laufbahn zunächst als Rechtsreferendar am Gericht, später als Rechtsanwalt. Ab 2010 arbeitete er im ungarischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Handel, wo er für die Beziehungen zwischen der Regierung und dem Europäischen Parlament zuständig war. Er war außerdem als Diplomat im Büro des Ministerpräsidenten tätig. Als Freund von Gergely Gulyás, einem Minister in der Regierung Orbán, wurde er 2018 Leiter der Direktion für EU-Recht bei der Ungarischen Entwicklungsbank und ab 2019 Geschäftsführer des Studentenkreditzentrums. Er war zudem Mitglied in Aufsichtsräten und Vorständen mehrerer staatlicher Unternehmen.[1][2]

Politisches Wirken

Magyar war zunächst Mitglied der Regierungspartei Fidesz – Ungarischer Bürgerbund. Anfang Februar 2024 wurde bekannt, dass Ungarns Präsidentin Katalin Novák im April 2023 eine Strafaussetzung (Gnadenakt) für Endre Kónya genehmigt hatte – den ehemaligen stellvertretenden Direktor eines Kinderheims in Bicske, der an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt war. Dieser Gnadenakt löste große öffentliche Empörung aus. Novák trat am 10. Februar 2024 zurück. Magyars ehemalige Ehefrau, Justizministerin Judit Varga, gab bekannt, ihre politischen Funktionen niederzulegen, weil sie den Gnadenakt beglaubigt hatte. Unmittelbar danach trat ihr Ex‑Ehemann erstmals öffentlich in Erscheinung. In einem Interview, das mehrere Millionen Menschen erreichte, kritisierte er offen die „Doppelmoral und strukturelle Korruption“ innerhalb des von der Fidesz-Partei dominierten politischen Systems. Bis dahin hatte Magyar mehrere gut dotierte, jedoch politisch weitgehend bedeutungslose Positionen in staatlichen Institutionen innegehabt und war der breiten Öffentlichkeit hauptsächlich als Begleiter seiner prominenten Ehefrau bekannt. Nach eigenen Angaben entschloss sich Magyar zur Veröffentlichung des Interviews, um sich „aus dem System zu lösen“, weil er die „Lügen nicht länger ertragen“ habe. Nach massiven medialen Angriffen regierungsnaher Medien kündigte er kurz darauf seinen Einstieg in die Parteipolitik an.

Seit April 2024 ist er stellvertretender Vorsitzender der Partei TISZA und ließ sie für die Europawahl 2024 und die anstehenden Kommunalwahlen registrieren.[3] Große Bekanntheit erreichte Magyar, indem er zu Demonstrationen gegen Regierungskorruption am 26. März und 6. April 2024[4] in Budapest aufrief, zu denen über 100.000 Teilnehmer kamen.[5]

Unter Magyars Führung errang TISZA bei der Europawahl 2024 ca. 30 % der Wählerstimmen und 7 Sitze.[6] Magyar selbst erlangte ein Mandat im Europaparlament. Im Oktober 2024 überholte TISZA als erste Partei Ungarns seit 18 Jahren die Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán knapp in zwei Wahlumfragen.[7] Daraufhin forderte Magyar vorgezogene Neuwahlen.[8]

Seit Beginn seiner politischen Karriere und seitdem die Tisza-Partei im Jahr 2025 die Regierungspartei Fidesz in mehreren Meinungsumfragen überholte, steht Magyar im Zentrum der Öffentlichkeit.[9][10]

Eine Untersuchung der ungarischen Zentralbank gegen Magyar wegen Insiderhandels und Marktmanipulation wurde 2025 eingestellt.[11]

Familie

Magyars Mutter, Mónika Erőss, war die Generalsekretärin des Obersten Gerichtshofs und wurde im Jahre 2020 Vizepräsidentin des Nationalen Justizamtes. Seine Großmutter, Teréz Mádl, ist die Schwester des ehemaligen ungarischen Präsidenten Ferenc Mádl. Sein Vater, István Magyar, ist Rechtsanwalt. Er hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester. Von 2006 bis 2023 war er mit der Fidesz-Politikerin Judit Varga verheiratet. Sie haben drei gemeinsame Kinder. Seit 2023 ist Magyar liiert.[2][12]

Commons: Péter Magyar – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Curriculum vitae | Péter MAGYAR | MEPs | European Parliament. 16. März 1981, abgerufen am 27. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b Népszava: Igazi villámkarrier: Varga Judit bő egy év alatt lett tanácsadóból miniszter. Abgerufen am 27. Dezember 2025 (ungarisch).
  3. TISZA - Tisztelet és Szabadság Párt. In: vtr.valasztas.hu. Nemzeti Választási Iroda, 29. April 2022, abgerufen am 29. April 2024 (ungarisch).
  4. Jan Mainka: Péter Magyar - „Wir wollen unsere Heimat zurück“. 6. April 2024, abgerufen am 8. April 2024 (deutsch).
  5. Stephan Löwenstein: „Wir wollen unsere Heimat zurück“. In: FAZ.net. 7. April 2024, abgerufen am 7. April 2024.
  6. Cathrin Kahlweit: Ungarn : „Ein echter Wendepunkt“. In: SZ.de. 10. Juni 2024, abgerufen am 11. Juni 2024.
  7. Meret Baumann: Der politische Newcomer Peter Magyar treibt Ungarns Regierung vor sich her – für Viktor Orban wird es ungemütlich. Neue Zürcher Zeitung, 25. Oktober 2024. Abruf am 4. Januar 2025
  8. „Ärmstes, korruptestes Land“: Oppositionsführer rechnet in Neujahrs-Video mit Orbán ab. Focus Online, Abruf am 4. Januar 2024
  9. 21 Kutatóközpont: Tovább nőtt a Tisza Párt előnye, a 65 év felettiek között még mindig tarol a Fidesz. 30. Juni 2025, abgerufen am 2. Januar 2026 (ungarisch).
  10. Népszava: Medián: mindössze 14 százalék a Fidesz támogatottsága a 40 év alattiak körében. Abgerufen am 2. Januar 2026 (ungarisch).
  11. Magyar Péter: Az MNB megszüntette a bennfentes kereskedés gyanúja miatt ellenem indított eljárást. 25. November 2025, abgerufen am 2. Januar 2026 (ungarisch).
  12. Pólóslegenda lányával jött össze Varga Judit férje. 25. April 2023, abgerufen am 27. Dezember 2025 (ungarisch).